Renault Koleos: Auch schon wach? - DER SPIEGEL
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Renault Koleos Auch schon wach?

Nachdem Renault mit dem Scénic RX4 Schiffbruch erlitt, war das Thema Allrad bei den Franzosen lange tabu. Jetzt wagt sich der Hersteller als letzte große Marke mit einem Geländewagen an den Start. Fazit nach der ersten Fahrt: Das Warten könnte sich gelohnt haben.
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Sébastien Auguin kann es nicht verstehen. "Alle Welt diskutiert über CO2-Emissionen. Und trotzdem wächst das Segment der kompakten Geländewagen unvermindert weiter", wundert sich der Renault-Manager über den anhaltenden Erfolg der so genannten Sport Utility Vehicles. Davor können und wollen auch die Franzosen nicht länger die Augen verschließen.

Obwohl die Allrad-Kompetenz nach dem ersten Weltkrieg weitgehend verloren ging und das letzte Modell, der eigenwillige Offroad-Van Scénic RX4, bei den Kunden blamabel abschnitt, versucht Renault es jetzt erneut. Und zwar mit einem SUV: Ab September wird der Koleos bei den deutschen Händlern stehen, der sich gegen VW Tiguan, Ford Kuga und Toyota RAV-4 behaupten soll.

"Wir wissen, dass wir die letzten sind und das Feld von hinten aufrollen müssen", gibt Auguin zu. Mit besonderen technischen Highlights kann er allerdings nicht punkten. Natürlich gibt es – bei manchen Modellen allerdings nur gegen Aufpreis – einen intelligenten Allradantrieb, der sich automatisch zuschaltet, die Kraft variabel zwischen den Achsen verteilt oder auf Knopfdruck auch im Verhältnis von 50:50. Und natürlich hat auch der Koleos so kurze Überhänge, dass man mit ihm über steile Rampen klettern oder sich in tiefe Schluchten stürzen kann – zumal bei den Allradvarianten die Elektronik beim Anfahren am Berg oder einer steilen Abfahrt helfend zur Hand geht.

"Aber das können die allermeisten Konkurrenten auch", gesteht der Produktmanager ein - und setzt stattdessen auf andere Qualitäten. An erster Stelle steht dabei der Preis, der nach bisheriger Planung für einen Koleos mit Klimaanlage, sechs Airbags, Klapptischen an den Rücklehnen der Vordersitze und elektrischen Fensterhebern bei rund 24.500 Euro liegen soll. Das wäre zum Teil deutlich unter den Preisen der Konkurrenz. Schließlich wollen die Franzosen nicht nur die Abwanderung von Kunden stoppen, sondern auch bei Marken, die bislang schon kompakte SUV-Modelle anbieten wildern.

Daneben betont Auguin die Vorzüge des Innenraums. Mag sein, dass der Koleos außen nicht jedermanns Geschmack trifft, weil er vorn eher unspektakulär aussieht und das Heck - mit einer sehr schrägen Heckscheibe, einer markanten Querfuge und riesigen Rückleuchten - pardon, einfach hässlich ist.

Doch wer erst einmal eingestiegen ist, fühlt sich wie in einer anderen Welt. "Der VW Tiguan ist innen ein Golf und der Ford Kuga ein C-Max. Bei uns dagegen wähnt man sich eine Klasse höher im Laguna", sagt der Produktmanager. Dem lässt sich kaum widersprechen. Die Materialauswahl ist hochwertig, die Verarbeitung wirkt perfekt, und das Ambiente vornehm. Außerdem gibt es zumindest vorn so viel Platz wie in einer Mittelklasse-Limousine. Hinten dagegen reicht es doch wieder nur für durchschnittliche Werte.

Nicht das Gelbe vom Ei: die horizontal geteilte Heckklappe

Auch das Gepäckabteil ist mit 450 Litern Fassungsvermögen kein Raumwunder, kann aber quasi mit dem kleinen Finger erweitert werden. Fallen die geteilten Sitzlehnen nach vorn, entsteht eine ebene Fläche für 1380 Liter Gepäck. Wem auch das nicht reicht, der kann zudem die Lehne des Beifahrersitzes umlegen. Und ein rundes Dutzend Ablagen hat der Wagen auch noch. Außerdem fährt der Koleos, wie sonst nur britische Modelle, mit einer horizontal geteilten Heckklappe: Öffnet man nur die obere Hälfte, muss man die Koffer zwar etwas höher wuchten, kommt dafür aber auch in engen Parklücken zu Potte. Wird auch die untere Hälfte aufgeklappt, taugt sie als praktische Bank fürs Picknick – wann auch immer man so etwas wirklich mal brauchen sollte.

Technisch ist der Koleos ein Kind der Globalisierung und ein Beleg dafür, dass die Allianz von Nissan und Renault auch ihr Gutes hat: Denn der Allradantrieb und der 2,5-Liter-Benziner mit 171 PS kommen aus dem Nissan X-Trail, die beiden Zweiliter-Diesel mit 150 oder 173 PS stammen von Renault. Und gebaut wird das Auto bei der Tochter Samsung in Korea. Die gehört seit 2000 zum Konzern, hat im letzten Jahr rund 180.000 Autos auf die Räder gestellt, verkauft den Koleos schon seit ein paar Monaten als QM5 und genießt das volle Vertrauen der Zentrale. "Nicht umsonst ist der Koleos nach dem neuen Laguna das zweite Auto, für das wir drei Jahre Garantie gewähren", sagt Auguin.

Der 150-PS-Diesel ist ein idealer Koleos-Motor

Auf der Straße macht der Wagen schon mit dem schwächeren Diesel eine gute Figur: Der Vierzylinder läuft harmonisch, lässt sich mit dem Sechsganggetriebe gut dirigieren und hat eine buchstäblich stille Reserve. Denn auch wenn man ihn kaum hören kann, schüttelt er im besten Fall immerhin 320 Nm aus dem Ärmel, mit denen der 1,7 Tonnen schwere Wagen zügig Fahrt aufnimmt. 0 auf 100 schafft er in gut zehn Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 179 km/h, und der Verbrauch geht mit 7,4 Litern für ein Allradfahrzeug dieser Liga auch in Ordnung. Selbst an der Straßenlage gibt es nichts zu meckern, wenngleich ein französisches Auto immer etwas weicher und großzügiger abgestimmt ist als ein deutsches.

Obwohl der Koleos zunächst die rote Laterne trägt, macht sich Auguin über die Zukunft des Wagens keine Sorgen. Die nach dem RX4-Debakel skeptischen Händler könnten das Auto kaum erwarten, und auch die Kunden würden bereits Interesse zeigen. Dass es dem Koleos ähnlich ergehen könnte wie dem Citroen C-Crosser und dem Peugeot 4007, die ebenfalls spät gestartet sind und nun nicht so recht in Schwung kommen, glaubt er nicht. Diese Autos seien zu groß und teuer geraten, erklärt Auguin deren mageres Abschneiden und setzt für Renault viel höhere Ziele: In diesem Jahr sollen 2500 bis 3000 Koleos-Exemplare in Deutschland verkauft werden, im nächsten Jahr gar 5000. "So viel wie Citroen und Peugeot in einem Jahr verkaufen wir dann in einem Monat."