Renault Modus: Der Ideensammler - DER SPIEGEL
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Renault Modus Der Ideensammler

Bei teuren Limousinen erwartet die Kundschaft technische Finessen, bei Kleinwagen sind die Erwartungen längst nicht so hoch. Sollten sie aber sein. Denn wie Renault mit dem Modus zeigt, passen auch in kleine Autos viele gute Einfälle.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

An großen Karosserien sieht die knautschig-kantige Formgebung stets etwas übertrieben und affektiert aus, je kleiner aber die Autos werden, desto besser passt das Renault-typische Design. Insofern sieht der Modus, ein knapp 3,80 Meter kurzer Minivan mit knubbeliger Frontpartie, großen Scheinwerfern, einem sich hoch aufschwingenden Dach und einem fast senkrechten Heck trotz seiner kartonartigen Grundvariablen ziemlich freundlich und sehr modern aus. Der Sinn der Form erschließt sich für die Passagiere aus ganz anderer Perspektive: Denn im Innenraum wirkt der Kleinwagen sehr viel geräumiger, als es sein Äußeres vermuten lassen würde. Dem Modus gelingt es überzeugend, die Van-Idee ins Kleinwagenformat zu transportieren.

Was überzeugt an diesem Auto? Zunächst die Innenraumgestaltung. Gut gefielen uns die großen Glasflächen, das mittig angeordnete Cockpit mit der gut ablesbaren Geschwindigkeitsanzeige, das seidig-geschmeidige Material auf der Armaturentafel und die Variabilität des Wagens dank der sogenannten Triptic-Rückbank. Die lässt sich als Zwei- oder Dreisitzer gestalten und darüber hinaus um 17 Zentimeter in Längsrichtung verschieben. Damit lässt sich der Beinraum für die Fondpassagiere erheblich vergrößern - oder eben das Ladevolumen des Kofferraums von 274 bis 198 Liter variieren. Ebenfalls schlau ausgedacht haben sich die Entwickler die Cityklappe. Dabei handelt es sich um eine kleine Ladeluke innerhalb der großen Heckklappe, die immer dann sinnvoll ist, wenn nur Kleinigkeiten ein- oder ausgeladen werden müssen oder wenn der Platz hinterm Auto nicht ausreicht, um die große Klappe aufzusperren.

Andere Beispiele für nützliche Details, die gar nicht so furchtbar kompliziert sind, sondern einfach nur schlau ausgedacht, sind die Mobiltelefontasche in der Lehne des Beifahrersitzes, das Ablagefach im Beifahrersitz oder der Fahrradträger "Velofix", der in den Kofferraum passt und bei Bedarf einfach in zwei Buchsen am Heck eingeschoben wird und dann Platz für den Transport zweier Fahrräder bietet (Aufpreis 300 Euro). Beruhigend wirkt darüber hinaus, dass der Modus mit fünf Sternen im Euro-NCAP-Crashtest die Höchstwertung erreichte und auch bei der Kindersicherheitsprüfung den bisherigen Maximalwert von vier Sternen schaffte.

Hersteller:Renault
Typ:Modus Cité
Karosserie:Van/Kleinbus/Großraumlimousine
Motor:Vierzylinder-Diesel
Hubraum:1.461 ccm
Leistung PS:86 PS
Leistung kW:68 kW
Drehmoment:200 Nm
Von 0 auf 100:13 Sek.
Höchstgeschw.:171 km/h
Verbrauch (ECE):4,5 Liter
CO2-Ausstoß:119 g/km
Kraftstoff:Diesel
Kofferraum:198 Liter
umgebaut:274 Liter
Versicherung (HP):16 €
Versicherung (TK):21 €
Versicherung (VK):15 €
Preis:14.900 €

Wir waren mit dem aktuellen Sondermodell Cité unterwegs, das ab Werk mit den oben beschriebenen Dingen ausgestattet ist und unter dessen Haube in diesem Fall ein 1,5-Liter-Dieselmotor mit 86 PS (63 kW) werkelt. Die Maschine rumort ganz schön, legt sich dafür aber auch ganz schön ins Zeug und verhilft dem Modus zu flotten Fahrleistungen - übrigens auch dann, wenn vier Leute drinsitzen und ein wenig Gepäck im Kofferraum verstaut ist. 5,8 Liter meldete der Bordcomputer als Durchschnittsverbrauch bei flüssiger Fahrweise. Das ist, vor allem aufgrund der Tatsache, dass der Wagen fast immer mit mehreren Passagieren besetzt war, ein ordentlicher Wert.

Es gibt auch Kritikpunkte zu vermerken. So liegen die Pedale - insbesondere Gas- und Bremspedal - sehr dicht beieinander, was mehrmals zu Irritationen im Fußraum führte. Dazu kam ein zickiger Bordcomputer, der einfach mal so einen Defekt am Einspritzsystem meldete, bei nächster Gelegenheit aber wieder ein beruhigendes "OK" auf den Bildschirm warf, um anderntags wieder mit seinem wenig lustigen Unterhaltungsprogramm zu beginnen. Schließlich könnte man sich auch ein etwas präziser flutschendes Fünfgang-Schaltgetriebe vorstellen. Das Räderwerk im Modus wollte immer wieder mal nachdrücklich zum Gangwechsel aufgefordert werden - gerade im wechselhaften Stadtverkehr nervt so etwas. Andererseits sei eingeräumt, dass solche Schaltangelegenheiten auch Gewohnheit sind; man würde sich sicher arrangieren.

Dass die konzeptbedingten Vorteile, der muntere und zugleich sparsame Antrieb und der clevere Gesamteindruck, den das Auto hinterlässt, überwiegen, zeigt ein Blick in die Zulassungsstatistik. In der Rangliste der Minivans liegt der Modus mit 15.162 Neuzulassungen im ersten Halbjahr 2005 zwar deutlich hinter dem Bestseller Opel Meriva (29.930 Neuzulassungen), lässt aber alle anderen Importmodelle in dieser Klasse weit hinter sich. Und übrigens auch zahlreiche Kleinwagen, was auch daran liegen könnte, dass der Modus auf gleicher Grundfläche viel mehr Nutzwert bietet - und das zu vergleichbaren Preisen. Renault bietet den Wagen ab 11.700 Euro an, unser Testwagen Modus Cité mit dem stärksten Dieselmotor der Baureihe kostet 14.900 Euro. Man ist mit ihm automobil für alle möglichen Anlässe gerüstet.