Renault Wind: Klappdach für Einsteiger
Renault Wind Der mit dem Deckel
Computer, Telefone, Restaurantportionen - bis auf Fernsehbildschirme wird derzeit alles kleiner. Das gilt auch für Autos. Renault zum Beispiel schrumpft jetzt einen Roadster. Das neue Modell trägt den flüchtigen Namen Wind und soll ab September offenes Fahren zu einem verträglichen Preis ermöglichen. Das von den Renault-Kleinwagenmodellen Twingo und Clio abgeleitete zweisitzige Modell wird dann mit einem Grundpreis von 16.900 Euro eines der günstigsten Cabrios der Republik. Lediglich der offene Smart und der Fiat 500 C sind etwas billiger.
Segen und zugleich Fluch des 3,83 Meter langen Wind ist das Hardtop, das vom deutschen Zulieferer Webasto-Edscha stammt und aus Kunststoff besteht. Ein Segen ist das Dach, weil es nicht aufwendig gefaltet, sondern als ganzes Teil einfach nach hinten geklappt wird und dort, sozusagen auf dem Rücken liegend, unter dem Kofferraumdeckel verschwindet. Das Dach samt Mechanik wiegt kaum 25 Kilo - zum Vergleich: beim Renault Mégane Coupé-Cabrio wiegt der Klapphut mehr als 100 Kilogramm. Öffnen oder Schließen dauert lediglich zwölf Sekunden. Bevor der Wind den Deckel lupft, muss man per Hand den Zentralverschluss über dem Innenspiegel lösen; das ist zwar ein wenig antiquiert, aber im Prinzip eine leichte Übung - und der Rest wird dann per Knopfdruck erledigt.
Ein weiterer Vorteil des Dachkonzepts ist der in jeder Konfiguration gleich große Kofferraum. Das Gepäckabteil fasst stets 270 Liter und reicht damit locker für einen Kurzurlaub. Die maximale Zuladung jedoch ist auf 138 Kilo beschränkt ist - Beifahrer inklusive.
Nun zum Fluch. Erstens lässt sich das Dach nur im Stand bedienen. Vor allem aber führt es zu einem, sagen wir: recht ungewöhnlichem Karosseriedesign. Egal aus welcher Perspektive man den Wind anschaut - harmonisch und wohlproportioniert wirkt der Wagen nicht. Die Frontpartie ist zu kurz, die Flanke zu hoch, das Heck zu klobig. Irgendwie verquollen sieht der Kleine aus, und der viele Zierrat macht es auch nicht besser. Für sich genommen sind die grau eingefassten Lüftungseinlässe, die blauen Leuchtkränze um die Xenon-Scheinwerfer, die Hutzen auf dem Heckdeckel, der hintere Spoiler oder die hochgezogenen Finnen zwischen Heckscheibe und Rücklichtern ganz ansehnlich. Zusammen allerdings lassen sie den Wind wirken wie einen überladenen Christbaum in der falschen Jahreszeit.
Im Innenraum geht es hübsch und geräumig zu
Innen ist das Auto glücklicherweise stimmiger geraten. Man sitzt überraschend geräumig und kommod auf zwei prima ausgeformten Sportsitzen, ergreift ein angenehm dick aufgepolstertes Lenkrad und blickt auf eine Anzeigensammlung im Cockpit, die ein bisschen an einen Flugzeug- oder Motorrad-Instrumentencluster erinnert. Dazu gibt es ein paar liebevoll gestaltete Details wie die Halteschlaufen in den Türen oder den großen Schalter für das Verdeck und die Fenster. Nur das Windschott sieht aus, als wäre es über Nacht nachgerüstet worden. Und viel sehen kann man nach hinten auch nicht.
Für hinreichende Agilität sorgen zwei Motorisierungen. Das Basismodell fährt mit einem aufgeladenen 1,2-Liter-Benziner vor, der auf 102 PS kommt, 190 km/h schafft und mit 5,5 Litern zufrieden ist. Für 1400 Euro Aufpreis gibt es auch einen 1,6-Liter-Motor mit 133 PS, der maximal 160 Nm entwickelt. Wer schnell genug schaltet und die Gänge ausdreht, flitzt in 9,2 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von rund 200 km/h. Dann allerdings dürfte der Normverbrauch von 7,0 Litern kaum zu schaffen sein. Zwar weiß auch Projektleiter Ali Kassai, dass Konkurrenzmodelle wie das Mini Cabrio oder der Peugeot 207 CC mehr Leistung bieten, "aber kompromisslose Sportlichkeit stand nicht in unseren Entwicklungsvorgaben", sagt er.
Fahrwerk aus der Rennsportabteilung, Bremsen aus dem Laguna
Trotzdem ist man mit dem Wagen ganz flott unterwegs. Das vom Twingo Sport übernommene und von der hauseigenen Rennsportabteilung abgestimmte Fahrwerk ist knackig, die Lenkung direkt, und die Bremsen aus den Typen Mégane und Laguna haben ausreichend Biss. So lässt sich der nur 1,2 Tonnen schwere Wonneproppen locker-flockig um die Kurven wirbeln. Zum sportlichen Fahrgefühl trägt auch die tiefe Sitzposition bei. "In keinem Renault sitzt man näher an der Straße als im Wind", sagt Kassai.
Ausreichend Bewegungsfreiheit auf den Sitzen, ein großer Kofferraum, eine Grundausstattung mit ESP, vier Airbags und einem elektrischem Verdeck sowie ein attraktiver Preis - das macht den Renault Wind in den Augen der Verantwortlichen zu einem alltagstauglichen Auto mit Erstwagen-Qualitäten. Man muss nur auf sein Körpergewicht achten. Zwei Vollschlanke im Wind - da könnte es Probleme mit der Zuladekapazität geben.