Rinspeed Presto Auto streck dich
Der Rinspeed Presto ist das erste Auto der Welt, das sich ausziehen lässt. Wie eine Schublade kann der Wagen von 2,95 Meter Länge auf 3,70 Meter gestreckt werden. So bietet das Auto beides: Eine Parkplatz-freundliche Kompaktheit und Platz für vier Insassen oder reichlich Gepäck.
Im zusammengeschobenen Zustand ist der Presto ein offener Zweisitzer, auf volle Länge ausgefahren kann der Platz im Heck für zwei weitere Sitzplätze oder für Ladegut genutzt werden. "Mit dem Presto wollen wir eine neue Idee in den Automobilbau einbringen und zeigen, was man alles machen kann", sagt Rinspeed-Chef Frank M. Rinderknecht.
Der 46-Jährige ist ein Autonarr. 1977 startete er sein Unternehmen, indem er Pkw-Sonnendächer aus den USA in die Schweiz importierte und Behindertenfahrzeuge baute. Seit 1979 beteiligt sich die Firma aus Zumikon bei Zürich am Genfer Salon, bei der Premiere stand ein VW Golf Turbo auf dem Rinspeed-Stand, außerdem war es Rinderknecht, der erstmals rechteckige Scheinwerfer für das Wolfsburger Erfolgsmodell anbot.
Seither steht die Auto-Veredelungs-Firma für das Außergewöhnliche. Prototypen wie der "Yellow Talbo" (1996), der "E-Go Rocket" (1998) oder der "Advatige R. One" (2001) waren stets so etwas wie der Zuckerguss über dem Programm der Großserienhersteller in Genf. In wenigen Wochen wird der Presto die Rolle des Salon-Showcars spielen.
Doch sind die Rinspeed-Modelle keineswegs bloß Showmobile. Die Technik funktioniert tadellos: Der Presto verlängert oder verkürzt sich per Knopfdruck mittels eines Elektromotors. Und auf Umweltverträglichkeit legt der Chef ebenfalls großen Wert. Der Prototyp des vergangenen Jahres fuhr mit Gas aus Biomüll, der Presto wird einen sparsamen Dieselmotor unter der Haube haben.
Damit der Teleskop-Trick klappt, sitzt die komplette Technik des Fahrzeugs im vorderen Teil, sogar die Auspuff-Endrohre ragen neben dem Fahrerplatz aus der Karosserie. Das funktioniert deshalb problemlos, weil der Presto weder über Türen, noch über ein Dach verfügt. Rund 7000 Stunden Arbeit stecken in dem einzigartigen Modell. Wer genau hinsieht, erkennt vor allen an den Scheinwerfern an Front und Heck des Presto, dass die Rinspeed-Ingenieure ihr Konzeptauto auf Basis eines Mercedes entwickelt haben. Unter der genialen Schubladen-Karosserie steckt ein - für den speziellen Zweck des Presto stark verändertes - Chassis der A-Klasse.
Rinderknecht möchte den Wagen unbedingt zulassen und ist sich sicher, dass der TÜV keine Beanstandungen an der Konstruktion hat. Eine Serienfertigung für ein Fahrzeug ohne Türen und Dach ist jedoch kaum vorstellbar. Allerdings durchaus für ein Auto, dessen Größe sich dem jeweiligen Bedarf anpassen lässt. Möglicherweise wird die Idee des "Auto-streck-dich" ja in Zukunft von einem der großen Hersteller aufgegriffen.