Rover P5 Ein Elefant für die Königin
Obwohl die britische Regierung Anfang der fünfziger Jahre die Autohersteller des Landes dazu anhielt, nur ein Modell zu offerieren, wollte der damalige Rover-Chef Maurice Wilks dem seit 1949 gebauten P4 ein weiteres Fahrzeug zur Seite stellen. Zunächst dachte er an ein kleineres Auto, doch bald beschloss Wilks, die Sparte der kompakteren Luxuswagen für Rover zu erschließen.
Der werksintern als P5 bezeichnete und als "3 Litre" verkaufte Wagen wurde der erste Rover mit selbsttragender Karosserie. Vorne wurde allerdings ein Hilfsrahmen eingesetzt, der den Motor mit seinen Aggregaten sowie die Vorderachse aufnahm. Er war über sechs Gummilager mit dem Aufbau verbunden - sie sollten Geräusche und Vibrationen von den Passagieren fern halten.
"Keine unnötigen Experimente" lautete hingegen die Devise für die Entwicklung der Technik und für das Design. Als Antrieb fand der von 2,6 Liter auf 3,0 Liter aufgebohrte Sechszylinder des P4 Verwendung. 108 PS entlockten ihm die Techniker, nicht viel für drei Liter Hubraum. Doch auf möglichst hohe Geschwindigkeiten war das liebevoll "Elefant" genannte Dickschiff P5 nicht ausgelegt - sein Metier war eher das Dahingleiten bei mäßigem Tempo. Das einfach konstruierte Fahrwerk fand mit seiner hinterer Starrachse nicht immer das Wohlwollen der Tester.
Mit der Gestaltung des Elefanten wurde David Bache betraut, der sich auf Geheiß Maurice Wilks' an einem 1953 von Pininfarina für Rover gezeichneten Prototypen orientierte. Zwar wirkte die Form des P5 schon beim Erscheinen 1958 recht konservativ, doch sie war auch so zeitlos, dass sie 15 Jahre fast unverändert blieb.
Im Fahrgastraum sorgten das edle Leder der großzügigen Sitze, dicke Teppiche und Holzapplikationen für Wohlbefinden. Beifahrer und Fondpassagieren standen Picknicktischchen zur Verfügung. Unter dem Armaturenbrett ließ sich ein gut sortierter Werkzeugkasten hervorklappen, der aber nicht allzu oft gebraucht wurde: Der P5 erwarb sich den Ruf eines äußerst zuverlässigen Automobils und galt als sehr langlebig.
Dementsprechend hielten ihm viele Käufer, meist wohlbetuchte Selbstständige, über viele Jahre die Treue - auch als der Elefant längst gegen modernere Fahrzeuge um die Gunst der Käufer buhlen musste. Mancher Politiker des Königreiches trennte sich erst lange nach Produktionsende von seinem Dienst-P5.
Nach vier Jahren erfuhr der große Rover leichte Modifikationen und wurde fortan als "3 Litre Mark II" angeboten. Die auffälligste Veränderung betraf den Motor, der nach einer Überarbeitung des Zylinderkopfes nun 134 PS Höchstleistung erbrachte.
Im gleichen Jahr wurde der Limousine ein Coupé zur Seite gestellt, das trotz des Namens über vier Türen verfügte. Von der Limousine unterschied es sich lediglich durch ein sieben Zentimeter niedrigeres Dach mit fließender Form - und durch einen höheren Preis. Da das Coupé die hohe Gürtellinie der Limousine übernahm, sorgte das flache Dach für recht ungewöhnliche Proportionen.
Etwa 1,7 Tonnen brachte der P5 auf die Waage. Ein stattliches Gewicht, bedingt durch die stabile Bauweise, die Komfortausstattung und das schwere Triebwerk, das bei Tests zwischen 12 und 18 Litern verbrauchte. 1967 wurde es gegen einen "Big Block" getauscht: Von Buick wurde ein 3,5 Liter-V8 adoptiert, der 157 PS leistete.
Sechs Jahre wurde der 3.5 Litre P5 B noch gebaut, dann kam nach mehr als 67.000 produzierten Fahrzeugen und zehn Jahre nach Vorstellung des "Nachfolgemodells" Rover P6 das Aus für den Elefanten. Eines der letzten Exemplare ging an Königin Elizabeth II. - als Privatwagen löste es einen älteren P5 ab.
Johannes Kottje