Saab 9-5 Die fahrende Ich-AG
Saab kann eigentlich nicht zufrieden sein. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland lediglich 2553 Exemplare des Modells 9-5 neu zugelassen, wie das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg mitteilt. Es ist schon merkwürdig: Design werde immer wichtiger, heißt es immer. Doch ausgerechnet bei jener Limousine der oberen Mittelklasse, die auf diesem Gebiet tatsächlich einige einzigartigen Details zu bieten hat, wird diese Maxime nicht honoriert.
Der Saab 9-5 sieht elegant, lässig, sportlich und auch recht repräsentativ aus. Ein typisch skandinavisches Auto, ohne Schnörkel und besondere Auffälligkeiten, aber als Ganzes eben stimmig und fesch. Auch im Innenraum pflegen die Schweden einige Eigenheiten. Sie nennen es Cockpit-Atmosphäre und denken dabei wirklich an Flugzeuge, denn schließlich wurde die Svenska Aeroplan Aktiebolaget (S.A.A.B.) im Jahre 1937 als Flugzeughersteller gegründet und fertigt erst seit 1949 Autos in Serie.
Woran sich die Vergangenheit erkennen lässt? Vor allem an der leicht um den Fahrer herumgezogenen Armaturentafel, die früher (also vor dem neuen 7er) auch zu den Erkennungsmerkmalen von BMW gehörte. Außerdem sind die wohlgeformten Tasten und Knöpfe außerordentlich geometrisch und übersichtlich angeordnet. Saab-Piloten können darüber hinaus auf die Funktion "Night Panel" zurückgreifen: Auf Knopfdruck werden bei Dunkelheit sämtliche Instrumente abgeblendet, lediglich die Geschwindigkeitsanzeige des Tachometers bleibt erleuchtet. So kann sich der Fahrer bei Nachtfahrten auf das Wesentliche konzentrieren. Falls nötig, leuchtet die entsprechende Warn- oder Info-Leuchte natürlich auf.
Sechs Turbomotoren sind im Angebot für den Saab 9-5. Wir fuhren das schwächste Aggregat, den 2,2-TiD-Motor mit 120 PS (88 kW), das erst seit Anfang des Jahres erhältlich ist. Der neue Diesel, das muss man so deutlich sagen, ist keine gute Wahl für den Wagen, der rund 1,6 Tonnen wiegt. Das hat vor allem zwei Gründe: Erstens läuft der Direkteinspritzer ziemlich laut. Zweitens wirkt er einigermaßen überfordert. Eine Sportlimousine ist das Auto mit diesem Motor jedenfalls nicht. Auch der "Sport"-Modus der Fünfgang-Automatik macht die Sache nicht wirklich besser, obwohl der Wagen dann doch ein wenig flotter in die Gänge kommt.
| Hersteller: | Saab |
|---|---|
| Typ: | 9-5 |
| Karosserie: | Limousine |
| Motor: | Vierzylinder-Turbo-Diesel-Direkteinspritzer |
| Hubraum: | 2.171 ccm |
| Leistung PS: | 120 PS |
| Leistung kW: | 88 kW |
| Drehmoment: | 280 Nm |
| Von 0 auf 100: | 11 Sek. |
| Höchstgeschw.: | 200 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 6,6 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 156 g/km |
| Kofferraum: | 500 Liter |
| Versicherung (HP): | 20 € |
| Versicherung (TK): | 34 € |
| Versicherung (VK): | 24 € |
| Preis: | 29.650 € |
Die anderen Antriebsquellen im Angebot, ein weiterer Diesel mit drei Liter Hubraum und 176 PS (129 W) sowie vier Benziner mit Leistungen zwischen 150 und 250 PS (110 bis 184 kW) sind sicher die adäquateren Maschinen, um den Wagen voranzutreiben. Zumal der "kleine" Diesel auch kein Ausbund an Sparsamkeit ist, denn entgegen dem offiziellen Durchschnittsverbrauch von 6,6 Liter je 100 Kilometer meldete der Bordcomputer unseres Testautos beharrlich Werte von mehr als neun Liter. Gut gelungen ist die nicht zu straffe Fahrwerksabstimmung des Autos, sehr angenehm arbeitet die Lenkung.
Obwohl Saab als "Sicherheits-Marke" gilt - vier Airbags, aktive Kopfstützen und eine besonders stabile Karosserie zählen zur Serienausrüstung -, ist erst seit diesem Jahr ein elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP) verfügbar. Allerdings nur für die Modelle mit Benzinmotoren.
Es habe so lange gedauert, weil das System den "typischen Saab-Charakter" erhalten sollte, heißt es im Unternehmen. Was das bedeutet, beschreiben die Schweden anschaulich: "In gewisser Hinsicht verhält sich das ESP wie die rutschsichere Oberfläche am Beckenrand eines Schwimmbades, die verhindert, dass ein Schwimmer ins Wasser fällt, - und eben nicht wie ein Rettungsring, der einem Ertrinkenden in letzter Sekunde hinterher geworfen wird." Das ESP von Saab greift also früher ein als die Systeme anderer Hersteller, dafür aber auch deutlich sanfter.
Individualität bleibt das herausragende Merkmal der Saab-Fahrzeuge. Nicht nur, weil sie schon auf Grund ihrer Seltenheit zu den Auto-Orchideen auf unseren Straßen gehören. Sondern weil die Schweden - abgesehen von den sechs Motoren und den zwei Getrieben - drei Designlinien und mehrere Ausstattungspakete sowie eine ganze Reihe von Extras anbieten, die von den Kunden kombiniert werden können. Und die Kunden, so das Unternehmen, "sind in vielen Fällen Selbständige, Designer, Architekten, Manager oder dynamische Verkaufsberater". Eigentlich passt der Saab 9-5 bestens in diese Zeit. So individuell, so eigenständig, so anders: Der ideale Wagen für die Ich-AG.