Schikra-Prototyp Simson will wieder Gas geben
Suhl - Die Zeit drängt: Nur noch wenige Wochen bleiben dem Suhler Zweiradhersteller Simson bis zur Motorradmesse Intermot im September in München. Dort will sich das angeschlagene Unternehmen mit einem neuen Prototypen der 125-Kubikzentimeter-Maschine Schikra zurückmelden. Noch ist ungewiss, ob das Motorrad Namen und Design beibehalten wird. Eines steht jedoch schon jetzt fest: Die Messe, auf der die gesamte Motorradbranche versammelt sein wird, wird zum Dreh- und Angelpunkt für Simson.
Den Weg in die schwarzen Zahlen will der neue Simson-Besitzer Klaus Bänsch nicht nur mit einer Verjüngungskur für die Mokicks vom Typ Habicht und Sperber, für den Roller Star, das Dreirad-Lastenmoped Albatros und die Schikra schaffen. Arbeitspläne mit festgelegten Entwicklungs-, Produktions- und Kontrollschritten, eine optimale EDV-Vernetzung und ein gestrafftes Händlernetz sollen das Unternehmen nach vorn bringen.
Beim Erwerb von Simson hat Bänsch, studierter Maschinenbauer und passionierter Motorradfahrer, persönliches Engagement gezeigt - nicht zuletzt in finanzieller Hinsicht. Der Hauptgesellschafter der Kontec-Gruppe will bis März kommenden Jahres rund die Hälfte des Kaufpreises von 2,7 Millionen Mark aus eigener Tasche finanzieren. Mit Kontec verfügt er über ein Unternehmen, das sich mit Entwicklung und Konstruktion, vorwiegend im Fahrzeug- und Maschinenbau, befasst.
Die Simson-Mitarbeiter sind nach jahrelanger Talfahrt und mehreren gescheiterten Unterstützungsversuchen noch skeptisch, ob der Neuanfang wirklich glückt. Zurzeit gebe es Probleme mit Zulieferern, die wegen Zahlungsrückständen zunächst einmal in Warteposition gegangen seien, berichtet die Betriebsratsvorsitzende Manuela Jakob. Sie hofft, dass Simson von der Erfolgsgeschichte Bänschs profitieren kann: "Er hat bei Kontec mit fünf Mitarbeitern angefangen und jetzt einen Stamm von 625 Leuten. Das kann uns hier helfen."
Auch Produktionsleiter Volkmar Seidenstücker klagt über Nachschubsorgen. Vom Roller Star Klassik habe er inzwischen kein einziges Fahrzeug mehr am Lager. Auch die Bestellungen für das Lastenmoped Albatros ließen sich gegenwärtig auch nicht erfüllen. "Unser norwegischer Kunde wollte zwölf Maschinen, aber wir konnten erst mal nur sechs liefern", sagt Seidenstücker.
Das mag nicht zuletzt an veralteten Maschinen und am geringen Personalbestand von zurzeit 58 Beschäftigten liegen. "Für die einzigen drei neuen Maschinen habe ich keine Leute mehr", sagt Seidenstücker. Zu DDR-Zeiten produzierte Simson pro Jahr rund 220.000 Fahrzeuge, in diesem Jahr hoffen die Mitarbeiter auf 2000.