Seat Altea Freetrack Der Außenseiter
Einen Mehrmarkenkonzern wie VW kann man sich am besten als Mobile vorstellen. Hier wie da ist eine Menge Fingerspitzengefühl und Feinmechanik notwendig, um die Gesamtkonstruktion harmonisch auszubalancieren. Beim Wolfsburger Mobile ist das den Verantwortlichen bislang nicht geglückt. Vor allem die spanische Marke Seat baumelt schief im Grundgerüst und ist noch längst nicht an einer idealen Position. Was so alles versucht wird, um Seat auszutarieren, lässt sich am Beispiel der Baureihe Altea beobachten.
Der Kompakt-Van debütierte 2004. Das Auto ist der Versuch, schwungvolle Karosserielinien mit einem vernunftbegabten Innenraum zu vereinen - quasi ein Familienauto im Sportdress. Die Kunden jedoch reagierten viel weniger euphorisch als erwartet auf den flotten Minibus, weil der längst nicht alle Ansprüche an Platzangebot und Variabilität erfüllt. Seat schob darauf hin zwei Jahre später den Altea XL nach, ein um 19 Zentimeter verlängertes Modell, das mit mehr Raum für die Fondpassagiere und mehr Kofferraumvolumen als Familienauto rundum tauglich ist.
Vor rund eineinhalb Jahren wurde die Altea-Familie erneut aufgestockt. Das kann man wörtlich verstehen, denn die Bodenfreiheit des XL-Modells wurde um vier Zentimeter vergrößert. Zudem wurde ein Allradantrieb installiert - fertig war der Altea Freetrack. Im Prinzip rollt der Allrad-Van, der einzige seiner Art, mit der Technik des VW Golf 4motion über Asphalt, Stock oder Stein. Vielleicht ist für manchen Van-Käufer der Vierradantrieb tatsächlich ein Argument, denn bei winterlichen Straßenverhältnissen bietet die Technik durchaus Sicherheitsreserven.
Allradmodell mit auffälliger Plastikbeplankung
Mehr jedoch als die Antriebstechnik, die in Deutschland ja die meiste Zeit des Jahres nichts anderes bedeutet als einen höheren Spritverbrauch, dürfte die eigenwillige Optik des Altea Freetrack eine bestimmte Klientel anziehen. Das Auto ist, wie in diesen Kreisen üblich, üppig verplankt. In diesem Fall bedeutet das praktisch eine zweifarbige Karosserie, denn die schwarzen Plastikschürzen an Front und Heck sowie um die Radhäuser sorgen für einen rustikalen Auftritt.
Für Seat ist das komplett neu, denn die spanische VW-Tochter ist vieles, nur keine Allradmarke. Insofern ist der Anteil des Freetrack innerhalb der Altea-Familie "eher gering", wie man aus der deutschen Zentrale in Mörfelden hört. Und so kam, was kommen musste: Man kann den Altea Freetrack seit kurzem auch ohne Allradantrieb kaufen - zum Beispiel wenn man nur auf die Schienbeinschoner-Optik aus ist und einfach ein wirklich ungewöhnliches, dabei aber rundum praktisches und technisch ausgereiftes Auto fahren möchte.
Der schwächere Dieselmotor reicht allemal
Wir waren mit dem Altea Freetrack mit dem schwächeren der beiden Dieselmotoren unterwegs, einem 2-Liter-Pumpe-Düse-Aggregat mit 140 PS. Einzig dieses Modell gibt es in der Variante mit Frontantrieb (ab 26.890 Euro) oder mit Allradantrieb (ab 28.490 Euro). Im Testauto werkelte das Antriebssystem, das auf alle vier Räder wirkt, was insofern ganz aufschlussreich war, als dass einmal mehr klar wurde, wie wenig aussagekräftig offiziell angegebene Verbrauchswerte sind. In der Liste der technischen Daten steht als Durchschnittsverbrauch 6,5 Liter je 100 Kilometer; der Bordcomputer unseres Testfahrzeugs jedoch errechnete 7,8 Liter. Ein Wert, der bei vermehrtem Einsatz im Stadtverkehr noch höher ausfallen dürfte.
Der Altea Freetrack befindet sich damit in großer Gesellschaft, denn bei fast allen aktuellen Pkw macht man die Beobachtung, dass der Normverbrauch zu niedrig ist. Ein paar Dinge allerdings bietet der Freetrack zumindest in dieser Kombination exklusiv: Das Auto ist trotz seiner Länge von knapp 4,50 Metern überaus agil und wendig. Und es bietet sehr viel Platz, der sich gut nutzen lässt. So kann zum Beispiel die Rücksitzbank um 16 Zentimeter in Längsrichtung verschoben werden, die Lehne ist geteilt und lässt sich nahezu waagerecht umklappen und unter dem Kofferraumboden gibt es ein flaches aber weites weiteres Staufach.
Schlaues Navigationssystem mit Raketen-Taste
Cockpit und Armaturentafel bieten gewohnte Kost, die sehr übersichtlich und gut handhabbar dargereicht wird. Neu ist das DVD-Navigationssystem mit Touchscreen-Bedienung (Aufpreis 1630 Euro), das die bisher von Seat angebotenen Systeme deutlich in den Schatten stellt. Die Funktionen sind besser gegliedert und einfacher zu nutzen.
Darüber hinaus gibt es sehr praktische Details wie zum Beispiel eine Taste unten links im Eck mit kleinem Raketen-Symbol. Wenn man dort den Finger hinlegt, wird der Maßstab größer: Als ob man in einem Heißluftballon höher schweben würde, wird der Kartenausschnitt im Monitor größer und größer, was die Orientierung vereinfacht und einen Überblick über den gegenwärtigen Standort gibt. Und nach ein paar Sekunden senkt sich der "Heißluftballon" wieder auf den Ursprungsmaßstab zurück. Ein kleines Extra zwar, aber einmal mehr ein Beleg dafür, dass es oft die Kleinigkeiten sind, die den Autoalltag verbessern.