Seat Ibiza Barocke Schwünge
Das Auto auf VW-Polo-Plattform wird seine Weltpremiere auf der Motor-Show in Bologna feiern (7. bis 16. Dezember). Dort passt es prima hin, denn das Styling von Designchef Walter de Silva weist auf seinen vormaligen Arbeitgeber hin; die italienische Marke Alfa Romeo.
Die Karosserie des neuen Ibiza zeigt dezente Alfa-Anklänge - etwa den mittigen Knick in der Heckscheibe oder die in einer deutlichen Nase sich zuspitzende Frontpartie - und soll Seat ein Stück weiter dorthin bringen, wo die Wolfsburger Konzernlenker die Marke gerne hätten: in der südländischen und also temperamentvollen, sportlichen, gar heißblütigen Ecke. So etwas fehlt nämlich im konsequenten Pragmatismus, den die Modelle von VW, Skoda und auch einige Audi-Exemplare ausstrahlen.
Mit dem neuen Ibiza jedenfalls kommt Seat diesem Ziel ein Stück näher. Das Auto sieht flott aus und beweist durchaus den Mut zu einem eigenen Styling, einem eigenen Gesicht. Ein "Hightech-Sportler" jedoch, wie ihn der Pressetext anpreist, ist der Wagen nicht. Die Palette der Benzinmotoren reicht vom 1,2-Liter-Dreizylinder mit 64 PS (47 kW) bis zum 1,4-Liter-Vierzylinder mit 100 PS (74 kW). Damit ist der Kompaktwagen angemessen motorisiert, aber noch nicht übertrieben sportlich, was ja Seat gerne sein würde.
Stärkstes Triebwerk im Angebot wird ein 1,9-Liter-TDI-Motor sein, der satte 130 PS (96 kW) leistet und ein Drehmoment von 310 Newtonmeter mobilisiert. Also ein Diesel-Sportler, der diesen Namen auf jeden Fall verdient. Denn mit dem Selbstzünder unter der Haube und einem Sechsgang-Schaltknüppel neben dem Fahrersitz rennt das Auto bis zu 207 km/h schnell und spurtet in 9,4 Sekunden von 0 auf Tempo 100. Seat sagt, dass das TDI-Modell trotz seiner beachtlichen Motorleistungen mit fünf Liter Kraftstoff je 100 Kilometer auskommt.
Wie bei neuen Modellen üblich, wuchs auch der Ibiza in verschiedenen Kategorien. Das Auto wurde um knapp acht Zentimeter länger und misst nun 3,95 Meter (rund fünf Zentimeter mehr als der neue VW Polo), der Radstand legte um 1,7 Zentimeter auf nun 2,46 Meter zu, der Innenraum ist nun geräumiger und in den Kofferraum passen jetzt 267 Liter (vorher 250 Liter).
Was die Ausstattung betrifft, so orientiert sich der Seat am Vorzeigemodell Polo - soll heißen: er muss etwas bescheidener auftreten. Dennoch sind ab Werk ABS, Traktionskontrolle, ESP, vier Airbags und ein elektronischer Bremsassistent installiert. Ab März wird das Auto bei den Händlern stehen, die Preise stehen noch nicht fest.