Seat Leon Cupra: Jetzt mit Rückenwind - DER SPIEGEL
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Seat Leon Cupra Jetzt mit Rückenwind

Im Reigen der VW-Konzernmarken blieb Seat zuletzt oft nur die Rolle des Aschenputtels. Das soll sich ändern. Aus Wolfsburg erhalten die Spanier jetzt kräftigen Rückenwind, und als Symbol des neuen Schubs darf der Leon Cupra gelten, Seats bislang stärkstes Serienmodell.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Warum Seat im VW-Konzern ein eher freudloses Dasein führte, ist nicht recht nachzuvollziehen. Die neuen Modelle fahren seit drei Jahren in einem eigenständigen, frischen und geschmeidigen Design vor, die Technik stammt auf dem Konzernbaukasten und insgesamt wirkt die Marke sympathisch; spanisch eben – Sonne, Sangria, Siesta. Doch während bei diesen Schlagworten jeder Deutsche sofort ein Bild vor Augen hat, klappt das beim Seat noch längst nicht. Die Marke ist zu unbekannt, und dass soll sich nun ändern.

Seat will vor allem ein jüngeres Publikum ansprechen. Zuletzt sponsorten die Spanier 28 Konzerte der Europatournee der Popsängerin Shakira, künftig tritt die Marke als Sponsor der Flugshow "Red Bull Air Races" auf – sowie als Autopartner der Wok-WM des Fernsehsenders Pro Sieben. "Wir werden die Öffentlichkeit immer wieder mit Aktionen überraschen, die man von Seat nicht erwartet", sagt Oliver Stein, einer der beiden Geschäftsführer der Seat Deutschland GmbH.

Überraschend ist durchaus auch ein Auto wie der neue Leon Cupra, den die Spanier seit Anfang des Jahres hierzulande anbieten. Bislang wurden schon rund 200 Exemplare des Wagens verkauft, der mit 240 PS antritt und damit der bis dato stärkste Serien-Seat ist. Beim Motor handelt es sich um den bekannten Zweiliter-Vierzylinder TFSI – also mit Turbo und Benzindirekteinspritzung – des VW-Konzerns. Das Aggregat kommt bereits mit 200 PS im VW Golf GTI sowie im Skoda Octavia RS zum Einsatz und mit 265 PS im Audi S3.

Nun darf der Cupra also dem Golf GTI die Rücklichter zeigen, denn schließlich schafft der spanische Kompaktsportler 247 km/h. Eindrucksvoll aber ist nicht die Leistungs-bereitschaft des Autos an sich, sondern seine ausgesprochen kultivierte Art, mit der Kraft im alltäglichen Stadtverkehr umzugehen. Hier gibt der schnelle Seat das wohlerzogene Durchschnittsgefährt, dass nur durch eklatanten Benzinverbrauch auffällt. Im Standardmix jedoch geht der Verbrauchswert auf 8,3 Liter zurück – was nicht wenig, aber angesichts der Leistung vertretbar ist.

Die schwarze Höhle des Innenraums

Während der Cupra von außen gut getarnt ist, und nur durch Details wie rote Bremssättel, 18-Zoll-Räder, ein ovales Auspuff-Endrohr oder etwas größere Lufteinlässe sein Potenzial zu erkennen gibt, hebt er sich im Innenraum deutlich vom Normal-Leon ab. Schwarz dominiert – hier und da gibt es ein paar rote Zierelemente oder ein paar Plastikteile in silber, die wie Metall aussehen sollen, stattdessen aber eher billig wirken. Dabei wäre das gar nicht nötig, denn das Cockpit ist klasse gestaltet und bräuchte gar keine Hutze in "Was auch immer"-Optik, um aufzufallen.

Außer dem Cockpit sind das Lenkrad, die prima geformten Schalensitze für Fahrer und Beifahrer und der ungewöhnlich, aber griffgünstig geformte Schaltknauf die besten Zutaten des Interieurs. Weniger gelungen sind das kleine Handschuhfach und die dürre Mittelkonsole. Auch die A-Säulen, in denen bei Nichtgebrauch die Scheibenwischer verschwinden, stehen etwas ungünstig im Blickfeld – zumindest gilt das für die linke Säule in Linkskurven. Aber sonst: Das Fahrwerk gefällt durch moderate Sportlichkeit, die Sechsgang-Schaltung durch eine gewisse Knackigkeit. Allein die Lenkung vermittelt bei niedrigem Tempo das Gefühl, in einem Eimer Farbe zu rühren - das ließe sich bestimmt etwas präsenter abstimmen.

Milliardenspritze aus dem Konzern

Der Leon Cupra ist sicher kein Volumenmodell. Aber er ist wichtig fürs Image, das schließlich den Markenslogan "Auto émocion" füllen muss. Für die Restrukturierung von Seat hat der Konzern-Aufsichtsrat erst vor wenigen Wochen 2,25 Milliarden Euro für die kommenden fünf Jahre genehmigt. Unter anderem soll das Geld in neue Modelle gesteckt werden, die Seat zum "Qualitäts- und Designführer" machen sollen, wie Geschäftsführer Stein es ausdrückt.

Im Juni, auf der Motorshow in Barcelona, wird zum Beispiel der Allrad-Van Seat Freetrack debütieren, der vor wenigen Wochen beim Genfer Autosalon noch als Studie gezeigt worden war. Und im nächsten Jahr wird ein neuer Ibiza vorfahren – das wichtigste Modell für Seat. Darüber hinaus werde über eine Mittelklasse-Limousine und einen kleinen SUV nachgedacht, hört man aus dem Seat Management, ohne jedoch Konkretes zu erfahren.

Die Zielsetzung allerdings ist klar und wird auch klar angesprochen. "Im Jahr 2009 wollen wir in Deutschland deutlich mehr als 70.000 Neufahrzeuge verkaufen", sagt Geschäftsführer Stein. Im vergangenen Jahr setzte Seat rund 61.000 Autos hierzulande ab, was einem Marktanteil von 1,8 Prozent entsprach. Der neue Ibiza muss also wirklich ein Abräumer werden, wenn die zuversichtliche Prognose zutreffen soll. Denn auch wenn der Cupra dem GTI noch so um die Ohren fährt – einen solchen Zuwachs könnte er allenfalls ideell unterstützen.