Seat Leon FR: GTI auf Spanisch - DER SPIEGEL
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Seat Leon FR GTI auf Spanisch

Seat-Fahrer mögen es offensichtlich besonders sportlich: Jedes dritte Auto wird mit mehr als 140 PS ausgeliefert. Für besonders ambitionierte Kunden haben die Spanier deshalb die FR-Versionen aufgelegt. Nach Ibiza und Altea gibt es die "Formula Racing" nun auch im Leon.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das ist der Kunde, von dem Autoverkäufer träumen: männlich, jung, begeisterungsfähig, heiß auf Innovationen und auch noch finanzstark. Wer solche Menschen an die Marke binden kann, der wird noch lange an ihnen Freude haben und so manchen Vertrag mit ihnen unterzeichnen können. Logisch, dass die Automobilhersteller besonders erpicht sind, eben diese Leute in ihre Showrooms zu bekommen. Und genau aus diesem Grund gibt es jetzt bei Seat wieder einen Leon FR.

Denn die Spanier haben festgestellt, dass mehr als ein Drittel ihrer Kunden ein Auto mit mehr als 140 PS bestellt und darunter "besonders viele dieser Traumkandidaten sind", sagt Marta Lazkano aus dem Seat-Marketing. Nachdem die "Formula Racing" bereits beim kleinen Ibiza und beim Sportvan Altea installiert ist, machen die Spanier nun das Trio komplett und reichen in diesen Tagen für Preise ab 23.690 Euro auch die FR-Version ihres VW-Golf-Derivats nach. Damit allerdings ist der Spaß noch nicht zu Ende: Demnächst wird der Leon als Cupra-Variante noch mehr Muskeln spielen lassen.

Angetrieben wird der Leon FR wie der Golf GTI vom Zweiliter-Turbomotor mit Benzin-Direkteinspritzung. Der Vierzylinder bringt es auf 200 PS und zerrt mit bis zu 280 Nm vehement aber kaum störend spürbar an der Vorderachse. Untermalt von einem kernig komponierten Sound prügelt er den Wagen scheinbar mühelos in 7,3 Sekunden auf Tempo 100 und schiebt danach munter weiter. Erst bei 229 km/h beugt sich der Spanier dem Gegenwind und lässt seinen Wolfsburger Teilespender auf der Überholspur vorbei ziehen, der schafft nämlich 233 km/h. Dirigiert wird der Turbo dabei nicht nur mit einem kurz gestuften Sechsganggetriebe. Erstmals bietet Seat nun auch bei einem Benziner die Doppelkupplung DSG an.

Das System harmoniert perfekt mit dem Motor und schaltet so geschickt, dass der Wagen etwas schneller beschleunigt und zudem sparsamer fährt. So sinkt mit DSG der Verbrauch von akzeptablen 7,9 auf 7,8 Liter. Und falls man sich nicht vollends auf die automatisierten Gangwechsel verlassen möchte, kann man nun erstmals auch mit Schalttasten am Lenkrad eingreifen. Weil insbesondere in Spanien allerdings kaum mehr jemand einen Benziner kauft, gibt es den FR wie bei Ibiza und Altea auch mit einem Dieselaggregat, der serienmäßig mit Rußpartikelfilter bestückt wird und genau 1000 Euro mehr kostet. Er schöpft aus zwei Litern Hubraum 170 PS und bringt mit 350 Nm so viel Drehmoment auf die Straße, dass der Fronttriebler fast schon ein wenig Mühe hat.

Dabei haben die Spanier dem Fahrwerk besondere Aufmerksamkeit gewidmet, sagt Entwickler Firmin Soneria. "Ein sportliches Auto braucht nicht nur einen starken Motor, sondern auch ein Fahrwerk, das diese Kraft auch sicher umsetzten kann", lautet sein Credo. Deshalb fährt der Leon mit härteren Dämpfern und Federn sehr zielgenau auch durch enge Kurven. Und mit seinen größeren Scheiben bremst der Wagen so, wie man es von einem Sportler erwartet. Die Tieferlegung um 0,7 Zentimeter allerdings ist wohl eher ein Marketing-Gag, und um seine Plomben muss in diesem Auto niemand fürchten. Wenn der eingangs zitierte Single irgendwann mal Partner oder gar Papa wird, taugt das Auto auch als Familienwagen.

Chrom am Doppelauspuff, Kappen für die Spiegel

Weil der Leon an sich schon sehr sportlich aussieht, hatten die Designer beim FR nicht mehr viel zu tun. Lediglich einen neuen Frontstoßfänger mit vergitterten Lufteinlässen, eine geänderte Heckschürze mit Platz für zwei verchromte Auspuff-Endrohre, die silbernen Schutzkappen auf den Außenspiegeln und natürlich andere Felgen für die breiten 17- oder 18-Zöller durften sie montieren, um Muskeln und Masse optisch zu trennen. Schweller und Spoiler dagegen bleiben dem Cupra vorbehalten.

Der Innenraum wurde in ein kleines Sportstudio verwandelt: So nimmt man in der ersten Reihe Platz auf zwei straff gepolsterten Sportsitzen mit hohen Wangen, die auch in schnellen Kurven viel Halt bieten. Die Augen blicken auf ein modifiziertes Cockpit mit weißer Nachtbeleuchtung, und die Hände greifen an ein schickes Sportlenkrad, das ausgesprochen gut durch die Finger gleitet. Und damit man nur ja nicht vergisst, dass man in einem Leon FR sitzt, wurde das Logo in die Lehnen der Polster gestickt und auf die Aluelemente gedruckt, die Schaltknauf und Lenkradspeichen zieren.

Viel wichtiger als dieser Zierrat allerdings ist die erweiterte Serienausstattung, die sehr viel umfangreicher ist als bei allen Wettbewerbern und den Spanier deshalb zu einem der attraktivsten Kompaktautos auf der Überholspur macht. Schließlich gibt es nicht nur sechs Airbags und ESP mit Lenkunterstützung, das man für besonders sportliche Fahrten etwa auf der Rennstrecke auch ausschalten kann, sondern ohne Aufpreis auch einen Anschluss für den iPod und Bi-Xenon-Scheinwerfer mit Kurvenlicht. So ist gewährleistet, dass man die Ideallinie auch nachts im Auge behält.