Skoda Fabia: Ein Zwerg im Maßanzug - DER SPIEGEL
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Skoda Fabia Ein Zwerg im Maßanzug

Nach acht Jahren geht bei Skoda jetzt die zweite Generation des Fabia an den Start. Zwar ist der Kleinwagen kaum größer geworden, doch mehr Platz bietet er trotz allem. Und mehr Komfort auch. Nur der Grundpreis bleibt weiterhin unter der Schallgrenze von 10.000 Euro.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das war buchstäblich Maßarbeit: Während viele Autos beim Generationswechsel aus der Form gehen und in jeder Dimension deutlich wachsen, hat Skoda bei der zweiten Auflage des Fabia mit jedem Zentimeter gegeizt – zumindest bei der Länge: Nur 2,2 Zentimeter legt der Kleinwagen zu und landet so mit 3,99 Metern exakt auf dem Niveau von Corsa, Clio & Co. Dass der Fünftürer dennoch größer und kraftvoller aussieht, verdankt er vor allem seiner neuen Frontpartie, die einen stolzeren Kühlergrill zwischen gewachsenen Scheinwerfern trägt und eine für den Fußgängerschutz um drei Zentimeter angehobene Motorhaube hat.

Unterstützt wird diese Wirkung von der neuen Dachlinie, die auf Wunsch wie beim Mini mit weißem Lack noch betont wird: Weil Höhe keinen Platz kostet, aber viel Raum bringt, waren die Tschechen in dieser Richtung sehr spendabel, haben fast fünf Zentimeter zugelegt und den Fabia auf etwa 1,50 Meter gebracht. Deshalb geht es innen nun spürbar bequemer zu. Obwohl gleichzeitig auch die Sitze angehoben wurden, um das Einsteigen zu erleichtern, genießt man vorn wie hinten nun deutlich mehr Kopffreiheit und verschafft dem Fahrer einen besseren Überblick.

Zudem gewinnen die Passagiere im Fond durch das geschickte Spiel mit den Maßen über drei Zentimeter mehr Kniefreiheit. In keinem anderen Auto dieser Klasse haben es Hinterbänkler deshalb so bequem, argumentieren die Tschechen. Und beim Gepäck muss auch keiner mehr sparen. Denn der Kofferraum hat nicht nur eine um zwei Zentimeter gesenkte Ladekante und eine in verschiedenen Höhen nutzbare Abdeckung, sondern auch 40 Liter mehr Volumen. 300 Liter bei voller Bestuhlung und fast 1200 Liter bei umgelegter Rückbank sind weitere Werte, mit denen Skoda den Fabia auf dem Siegertreppchen sieht.

Funktionales Innenleben und üppige Sonderausstattung

Doch der Fabia ist von innen heraus nicht nur größer, sondern auch reifer geworden: Die Materialauswahl zeugt von mehr Liebe zum Detail, das Armaturenbrett ist so schnörkellos und funktional, wie man es manchem verspielten Franzosen nur wünschen kann. An Ablagen und Staufächern herrscht kein Mangel, und wer sich mit dem Einheitslook der günstigeren Ausstattungsniveaus nicht begnügen möchte, kann am oberen Ende der Palette jetzt auch ein zweifarbiges Cockpit und eine Teilleder-Polsterung ordern.

Obwohl der Grundpreis mit 9990 Euro auch weiterhin knapp unter der Schallgrenze von 10.000 Euro bleibt, ist der Fabia kein Sparbrötchen: Sechs Airbags gehören deshalb überall zum Standard. ESP ist zwar für alle Modelle verfügbar, wird aber erst von 80 PS aufwärts serienmäßig eingebaut. Neu auf der Optionsliste stehen Extras wie Kurven- und Abbiegelicht, Reifendruck-Überwachung, ein großes elektrisch zu öffnendes Glasdach sowie eine die Bluetooth-Schnittstelle und die Lenkradbedienung für das Handy und der Anschluss für den iPod oder andere externe Musik-Player. Wer da ein paar Kreuzchen auf der Preisliste macht und sich auch noch für einen starken Motor entscheidet, darf sich allerdings nicht wundern, wenn sich der Kaufpreis glatt verdoppelt.

Unter der Haube bietet Skoda mehr Auswahl als die meisten anderen Importeure. Zwar ist nur der 1,2 Liter große Basis-Benziner mit 60 PS ein neues Aggregat, doch gibt es daneben noch drei zumindest im Detail verbesserte Otto-Motoren mit 1,2, 1,4 oder 1,6 Litern Hubraum und 70, 86 oder 105 PS sowie drei Diesel mit 1,4 oder 1,9 Litern Hubraum, von denen allerdings der schwächste mit 70 PS gar nicht und der mittlere mit 80 PS nur gegen Aufpreis mit Partikelfilter lieferbar ist.

Einzig das Topmodell mit 105 PS ist serienmäßig als "Nichtraucher" unterwegs. Alle Diesel arbeiten mit der Pumpe-Düse-Technik, die sich bei der ersten Testfahrt mit dem 80 PS-Modell nach wie vor als lauter und weniger komfortabel als ein Common-Rail-System erweist. Nicht umsonst hat der VW-Konzern bereits zum Rückzug aus dieser Technik geblasen. Dafür allerdings senkt sie den Verbrauch auf ein Niveau, das Skoda gelassen auf die CO2-Diskussion reagieren lässt. Der sparsamste Diesel verbraucht im Mittel 4,6 Liter und ist mit 120 Gramm pro Kilometer dabei. Und auch der Einstiegsbenziner liegt mit 5,9 Litern und 140 g/km bereits im Zielkorridor.

Ein Blick in die Statistik macht deutlich: Die Messlatte für den neuen Fabia liegt hoch. Schließlich wurde die erste Generation in acht Jahren mehr als 1,6 Millionen Mal verkauft – rund ein Fünftel davon in Deutschland. Und wenn ein Auto in seinem letzten Jahr auf die besten Zulassungsergebnisse kommt, ist das auch kein schlechtes Zeichen.

Die Konzernzentrale in Wolfsburg verfolgt diese Entwicklung mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Natürlich sieht es die Mutter gerne, wenn die Tochter wächst und gedeiht. Doch wenn der Fabia weiter zulegt, tut er das nicht nur zu Lasten von Peugeot 207, Opel Corsa oder Ford Fiesta. Sondern auch auf Kosten des VW Polo, der im Konzernvergleich nun noch älter aussieht, als er ohnehin schon ist.