Skoda Octavia RS GTI im Großformat
Skoda mit Porsche zu vergleichen mag verwegen anmuten. Aber ein paar Parallelen gibt es doch. Beide Hersteller treten im Wesentlichen mit nur drei Baureihen an, beide konzentrieren sich auf das, was sie am besten können, und beide haben Erfolg. Die tschechische Marke aus dem VW-Konzern wird in diesem Jahr erstmals mehr als 100.000 Autos in Deutschland verkaufen, und so darf sich Vertriebs- und Marketingchef Frank Brustmann bestätigt fühlen, wenn er sagt: "Unser Konzept, hohe Qualität zu einem günstigen Preis-Wert-Verhältnis anzubieten, kommt bei den Kunden an." Ab 15. Januar wird Skoda von dieser Linie der reinen Vernunft ein wenig abweichen, denn dann startet der Verkauf des Modells Octavia RS, des sportlichen Topmodells der Marke.
Gewiss, es gab auch in der Vergangenheit einen Octavia RS, insgesamt wurden aber lediglich 1900 Exemplare dieses Typs verkauft. Der Neue soll einen deutlich stärkeren Auftritt hinlegen. Schon im nächsten Jahr kalkuliert Brustmann mit 1100 RS-Verkäufen hierzulande. Das sei zwar immer noch keine immense Zahl, räumt der Vertriebsmann ein, doch habe das Auto fürs Image der Marke erheblich Bedeutung. Zumal Brustmann "so etwas wie einen GTI-Hype in Deutschland" ausgemacht hat. Der Octavia RS kommt da wie gerufen, denn in ihm steckt die Antriebstechnik aus dem Golf GTI. Und drum herum bietet das Auto mehr Platz und mehr Gediegenheit als sein Konzernzwilling aus Wolfsburg.
Zieht man die Abmessungen in Betracht, rangiert der Octaiva auf halbem Weg zwischen Golf und Passat. Mit einer Länge von 4,58 Meter ist er 36 Zentimeter länger als ein Golf (bei identischem Radstand von 2,58 Meter); auch das Gepäckraumvolumen ist mit 560 bis 1420 Liter einer Klasse üppiger (Golf GTI: 350 bis 1305 Liter). Obwohl der Octavia diese numerischen Vorteile schon früher für sich verbuchen konnte, wurde das Auto stets günstiger als ein vergleichbarer Golf angeboten. Das hat sich mit dem gestiegenen Selbstbewusstsein der tschechischen Marke gewandelt. Der Octavia RS kostet 25.990 Euro, den Golf GTI gibt es ab 24.550 Euro, wobei das dann ein Dreitürer ist.
| Hersteller: | Skoda |
|---|---|
| Typ: | Octavia RS |
| Karosserie: | Limousine |
| Motor: | Vierzylinder-Turbo-Benzin-Direkteinspritzer |
| Hubraum: | 1.984 ccm |
| Leistung PS: | 200 PS |
| Leistung kW: | 147 kW |
| Drehmoment: | 280 Nm |
| Von 0 auf 100: | 7,3 Sek. |
| Höchstgeschw.: | 240 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 7,9 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 187 g/km |
| Kraftstoff: | Superbenzin |
| Kofferraum: | 560 Liter |
| umgebaut: | 1.420 Liter |
| Versicherung (HP): | 18 € |
| Versicherung (TK): | 24 € |
| Versicherung (VK): | 22 € |
| Preis: | 25.990 € |
Der Vierzylinder-Benzin-Direkteinstpritzer mit Turbolader leistet 200 PS (147 kW) und macht die knapp 1,5 Tonnen schwere Schräghecklimousine ziemlich flott. In 7,3 Sekunden geht's von 0 auf Tempo 100, bei voll durchgetretenem Gaspedal erreicht das Auto bis zu 240 km/h. Der rund 150 Kilo leichtere Golf beschleunigt etwas besser (7,2 Sekunden), sieht aber bei Vollgas nur die Rücklichter des Octavia RS (Golf GTI: 235 km/h). Als Durchschnittsverbrauch gibt Skoda 7,8 Liter Superbenzin je 100 Kilometer an, doch in der Praxis werden rasch 9,6 Liter daraus, wie der Bordcomputer nach einer weitgehend entspannten Testfahrt durch die Rheinhessische Schweiz offenbarte.
Obwohl RS und GTI Brüder in der Technik sind, bedienen sie völlig andere fahrerische Ansprüche. Der schnelle Octavia spurtet druckvoll los, wirkt aber niemals gehetzt. Erst bei hohen Drehzahlen wird das Geschrei des Motors penetrant, bis dahin gibt der Wagen eher den flotten Gleiter. Gut zur Maschine passt das Sechsgang-Schaltgetriebe, weniger ambitioniert agiert die Lenkung. So rauscht der RS zwar auch hurtig durch die Kurven, doch es fehlen ihm die Präzision und Schärfe eines GTI. Das Fahrwerk - im Vergleich zum Standard-Octavia um zwölf Millimeter abgesenkt - hat eher Knecht Rupprecht als Frau Holle zum Vorbild, für eine Familienlimousine ist es einen Tick zu ruppig abgestimmt.
Beim Design wahrt Skoda die bewährte, minimalistische Linie. Immerhin setzen beim RS ein formschöner Frontschweller, grün lackierte Bremssättel und eine dezente Doppelauspuffblende sportliche Akzente. Ein Ausrufezeichen gibt es, zumindest bei der Limousine, auch noch: Auf dem Heckdeckel hockt ein Spoiler, der die angenehme Understatement-Aura empfindlich stört. Schon das wäre ein Grund, den RS lieber in der Kombi-Version zu bestellen - ganz abgesehen vom noch größeren Stauraum (580 bis 1620 Liter). Allerdings ist der Kombi auch 1000 Euro teurer.
Im Innenraum fällt dreierlei auf. Erstens sind die Leder-Stoff-Sitze ebenso sportlich wie geschmackvoll geformt und gefärbt. Zweitens herrscht die Farbe Schwarz vor, denn Dachhimmel, fast alle Oberflächen sowie das Cockpit und die Zifferblätter der Instrumente tragen Trauer; unterbrochen wird der düstere Look von diversen silberfarbenen Blenden, Zierleisten und, sehr hübsch, silbernen Skalen in Drehzahlmesser und Tacho - dessen Messbereich übrigens bis 270 geht. Drittens schließlich strahlen das Design und die Verarbeitung des Interieurs erfreuliche Sorgfalt aus. Eine Billigmarke ist Skoda beileibe nicht mehr - aber das zeigt ja auch schon der Blick aufs Preisschild.
Ein ordentliches Angebot machen die Tschechen aber allemal. Serienmäßig ausgestattet ist der RS unter anderem mit sechs Airbags, ABS und ESP, Reifendruckkontrolle, Xenon-Scheinwerfern, 18-Zoll-Leichtmetallrädern, Klimaanlage, CD-Musikanlage, Fahrlichtassistent und Nebelscheinwerfern. Das ist schon ein recht komplettes Angebot - und insofern entscheidet sich Skoda dann doch deutlich von Porsche. Obwohl auch die Zahl der Gemeinsamkeiten weiter wächst. Im kommenden Herbst nämlich werden die Tschechen das Modell Roomster einführen, ihre vierte Skoda-Baureihe nach Fabia, Octavia und Superb. Auch in Zuffenhausen wird derzeit eine vierte Baureihe entwickelt, das viertürige Luxuscoupé Panamera wird jedoch erst 2009 debütieren.