Skoda Octavia RS: Schnellster im Köcher - DER SPIEGEL
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Skoda Octavia RS Schnellster im Köcher

Mit dem Octavia RS gibt es jetzt den flottesten Serien-Skoda aller Zeiten. Der Familienwagen mit Turbomotor ist das neue Topmodell der Marke.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Seit zehn Jahren gehört Skoda zum VW-Konzern. "Die Aufräum- und Aufbauarbeit", sagt Skoda-Deutschland Geschäftsführer Dieter Sitz, "ist nun beendet. Wir sind eine eigenständige Marke mit großer Tradition und großer Energie". Ein Ausdruck des neuen Selbstbewusstseins ist der Octavia RS. Der Wagen soll dabei helfen, das Biedermann-Image der Marke abzustreifen, er soll Technikkompetenz demonstrieren, und er soll neue Käuferschichten erschließen.

Zum Beispiel jene Spezies von Familienvätern, die am Wochenende brav mit Kind und Kegel über Land schaukelt, werktags aber, wenn sie das ganze Auto für sich alleine haben, gerne mit gestrecktem rechten Bein unterwegs sind. Sportlichkeit plus Familiensinn in Zeiten einer autobegeisterten neuen Mitte scheint diese Kombination auf ziemlich hohe Akzeptanz zu treffen.

Hersteller:Skoda
Typ:Octavia RS (1. Generation)
Karosserie:Limousine
Motor:Vierzylinder-Turbobenziner
Hubraum:1.781 ccm
Leistung PS:180 PS
Leistung kW:132 kW
Drehmoment:235 Nm
Von 0 auf 100:7,9 Sek.
Höchstgeschw.:235 km/h
Verbrauch (ECE):8 Liter
CO2-Ausstoß:190 g/km
Kraftstoff:Super
Kofferraum:528 Liter
umgebaut:1.328 Liter
Versicherung (HP):18 €
Versicherung (TK):34 €
Versicherung (VK):22 €
Preis:24.330 €

Noch in diesem Jahr möchte Skoda 1000 Exemplare des Fahrzeugs in Deutschland, dem wichtigsten Exportmarkt, verkaufen. Vor allem angesichts des Preises von 47.585 Mark scheint dieser Plan realistisch, weil der Octavia RS seine Zwitterrolle gut beherrscht. Unter die große, extrem schräg stehende Heckklappe passen 528 Liter Gepäck, wenn die geteilte Rücksitzlehne komplett umgeklappt wird, steigt das Ladevolumen auf bis zu 1328 Liter. Ein Wert, der sonst nur von Kombis erreicht wird.

Das Fahren mit dem Octavia RS macht Freude. Die Maschine dreht kraftvoll hoch, der Antritt ist entsprechend hurtig. Lenkung und Fünfgang-Schaltgetriebe lassen sich mühelos und präzise bedienen. Das Motorgeräusch ist sportlich-sonor, wird aber auch dicht am roten Drehzahlbereich nicht lästig. Eine flotte Gangart lässt den Durst des Motors jedoch deutlich von der vom Hersteller ausgewiesenen Durchschnittsmarke abweichen. Nach oben, versteht sich. Nach unserer Testrunde durch das Hügelland von Alzey südlich von Mainz errechnete der Bordcomputer einen Verbrauch von 9,9 Litern Superbenzin im Schnitt.

Was außerdem auffiel, war das nur vage zu erahnende Heck des Autos. Beim Rückwärtsrangieren braucht es daher entweder eine einweisende Hand, einen behutsamen Gas- und Kupplungsfuß oder große Octavia-Erfahrung um zu wissen: Da hört er auf. Auch bei der Ausstattung ihres Topmodells scheinen die Verantwortlichen an einem bestimmten Punkt abrupt abgebrochen zu haben. Die Schminkspiegel beispielsweise sind nicht beleuchtet, die Handgriffe am Dachhimmel klappen scheppernd zurück und die Kunststoffverkleidung im Innenraum fühlt sich hart und billig an.

Andere Kleinigkeiten dagegen sind sportlich und flott gestaltet. Dazu gehören zum Beispiel die Alupedalerie, der fein geformte Schaltknauf, die silbrigen Skalen der Cockpitinstrumente, die verchromten Türknöpfe und natürlich die in Skoda-Grün lackierten Bremssättel, die hinter den vier 17-Zoll-Leichtmetallrädern mit 205er-Reifen hervorleuchten. Neben diesen Detail fährt der Octavia RS mit einem ansehnlichen Package vor.

Ab Werk sind vier Airbags installiert, dazu ABS, Bremsassistent und ESP, Xenon-Scheinwerfer, Sportfahrwerk, Heckklappenspoiler, elektrische Fensterheber, Klimaanlage, Leder-Stoff-Sitze und ein Lederlenkrad. Ein Navigationssystem (Aufpreis 2170 Mark), ein Heckscheibenwischer (146 Mark) oder ein elektrisches Glasschiebedach (1271 Mark) können zusätzlich eingebaut werden.

Und wie stets wird auch eine Metallic-Lackierung gesondert berechnet. Für das Schwarz mit Perleffekt oder Metallic-Silber verlangt Skoda 195 Mark extra. Rallyerot und Lemongelb dagegen gibt es quasi gratis. Und in gelb, das muss man wirklich sagen, hat der Wagen das Zeug dazu, den Neid anderer Autofahrer zu wecken. Das konnte man viele Jahre nicht von einem Skoda behaupten.