Skoda Roomster Vorne hui, hinten ui
Das Mutterhaus in Wolfsburg tut sich schwer mit neuen Fahrzeugkonzepten. Die Tochtermarke Skoda aus Mlada Boleslav dagegen benötigte kaum drei Jahre vom der IAA-Studie Roomster im Herbst 2003 bis zum Serienmodell gleichen Namens, das ab 2. September auf den deutschen Markt kommt. Forsch fährt Skoda mit dem Roomster in automobiles Neuland, in dem es offenbar vor Kunden nur so wimmelt: 5000 Bestellungen, erklärt die deutsche Dependance des tschechischen Autobauers, lägen für den Roomster bereits vor.
Das ist erstaunlich für einen Wagen, der keinen Vorgänger hat und den auch noch kaum jemand gefahren ist. Erst in diesen Tagen konnten Motorjournalisten erste Proberunden in und um Frankfurt drehen. Der Raumwagen, wie Skoda den Roomster etwas unbeholfen nennt, gab dabei ein ansprechendes Debüt. Eigentlich aber müsste man von einem Zweiraumwagen sprechen, denn sowohl äußerlich als auch im Innenraum wirkt das Auto, als sei es von zwei unterschiedlichen Designern einmal von vorn und einmal von hinten entworfen worden und auf Höhe der B-Säule haben sich die beiden getroffen und da war der Roomster fertig.
Folgt man der offiziellen Beschreibung von Skoda, so besteht das neue Modell aus einem "Driving Room" und einem "Living Room". Schon am Karosseriedesign lässt sich das gut nachvollziehen, denn der vordere Part sieht aus wie bei anderen Kompaktautos auch, wobei Frontscheibe und die beiden links und rechts anschließenden Seitenscheiben flach und flott wie ein durchgehendes Visier gestaltet sind. Dann, an der B-Säule, erfolgt der optische Bruch, denn plötzlich recken sich die Seitenscheiben nach oben und unten, das Auto wirkt am Heck fast so durchsichtig wie ein Aquarium.
Der äußeren Form entspricht der Innenraum. Der Roomster präsentiert sich vorne konventionell, im Fond aber höchst variabel. Die Lehnen der drei Einzelsitze können zum Beispiel in ihrer Neigung variiert und auch ganz flachgelegt werden. Außerdem lassen sich die gefalteten Sitze aufstellen oder komplett ausbauen. Wird nur der elf Kilogramm schwere Mittelplatz herausgenommen, können die beiden äußeren Sitze zur Mitte hin verschoben werden, so dass ein für alle Insassen komfortabler Viersitzer entsteht. In Längsrichtung lassen sich die Außensitze im Fond ebenfalls verschieben. Das Gepächraumvolumen variiert je nach Sitzkonfiguration zwischen 450 und 1780 Liter.
Zwar bieten auch andere Autos derart flexible Hecksitzanlagen, doch im Roomster kommen eine erhöhte Sitzposition in Reihe zwei (plus 4,6 Zentimeter gegenüber den Vordersitzen) und die bereits erwähnte großzügige Aussicht hinzu. Besonders eindrucksvoll wird das Fahrgefühl im Fond, wenn das knapp einen Quadratmeter große Panorama-Glasdach (inklusive zweier Sonnenrollos) eingebaut ist, das 630 Euro Aufpreis kostet und den Raumeindruck ungeheuer weitet.
Der modulare Aufbau des Roomster mit Fahr- und Mitfahr-Abteil schlägt sich auch in der Technik nieder. Die Komponenten des Vorderwagens stammen aus dem aktuellen Kleinwagen Fabia, der Mittelteil der Karosserie ist originär Roomster und im Heck erlebt die Hinterachse des alten Octavia einen zweiten Frühling.
Sechs Motoren von 64 bis 105 PS stehen zur Wahl
Gleich zum Start tritt die vierte Baureihe von Skoda mit sechs Motorvarianten an, darunter drei Dieselaggregate. Die Leistung der Selbstzünder reicht von 69 bis 105 PS, wobei es für den schwächsten Motor keinen Rußpartikelfilter gibt und für die beiden stärkeren Maschinen 565 Euro Aufpreis für das Reinigungssystem bezahlt werden müssen. Die drei Benziner leisten zwischen 64 und 105 PS. Auf unserer Testfahrt durch den Taunus waren wir mit dem mittleren Ottomotor mit 1,4 Liter Hubraum und 86 PS unterwegs.
Die Maschine hinterließ einen lebhaften Eindruck, hielt sich bis etwa 130 km/h dezent im Hintergrund und überzeugte durch einen wohldosierte Leistungsabgabe. Allerdings wünscht man sich gerade auf der Autobahn einen sechsten Gang den aber das standardmäßige Fünfgang-Schaltgetriebe nicht bietet. Ab Ende Oktober soll für den Top-Benziner mit 105 PS immerhin eine Sechsstufen-Automatik verfügbar sein.
Lenkung und Getriebe arbeiten, soweit die ersten Eindrücke nicht täuschen, angenehm präzise und harmonisch. Das Fahrwerk ist moderat abgestimmt, der Roomster vermittelt insgesamt ein sattes, rundes Erlebnis hinterm Lenkrad. Allerdings ahnt man nur, wo das Auto vorne endet, und die flach geschnittene Frontscheibe raubt etwas größer geratenen Fahrern die Sicht auf die Ampel, wenn man als erster an der Haltelinie steht.
Die Sicherheitsausstattung umfasst serienmäßig sechs Airbags, ABS, Anti-Schlupfregelung sowie (außer in den beiden Basis-Motorisierungen) ESP. Außerdem gehören Servolenkung, ein zweifach verstellbares Lenkrad, eine 12-Volt-Steckdose im Kofferraum und zahlreiche praktische Ablagefächer zum Standard. Im nächsten Jahr will Skoda vom Roomster rund 15.000 Exemplare in Deutschland verkaufen. Nimmt man die vielen neugierigen Blicke auf das Auto, die wir während der Testfahrt registrierten als Maßstab, könnte dies der properen VW-Tochter durchaus gelingen.