Skoda Superb Tscheche mit großer Klappe
Um das Image zu verändern, stecken viele Autohersteller ein Heidengeld im ausgeklügelte Kampagnen - die aber auch nicht immer zum Ziel führen. Skoda, seit 1991 im VW-Konzern beheimatet, verfolgte da eine ganz andere Strategie. Die tschechische Marke baut seit Jahren solide, zuverlässige, praktische und recht ansehnliche Autos. Und siehe da: Das Image wandelte sich von "graue Maus" über "billiger VW-Ableger" bis hin zu einer Art "Rundum-Sorglos-Paket auf Rädern". Und so ist es auch kein Wunder, dass die zweite Generation des Top-Modells Superb wie selbstverständlich zum Club der gehobenen Mittelklasse gezählt wird.
Der Wagen wird seit einigen Wochen in Deutschland verkauft, SPIEGEL ONLINE fuhr das Modell mit dem 1,8-Liter-TSI-Motor mit 160 PS, also dem mittleren Triebwerk des Benzinerangebots, das von 125 bis 260 PS reicht. Mit Sechsgangschaltgetriebe ist der Wagen ab 24.990 Euro zu haben, in der üppigen Elegance-Ausstattung, die den Testwagen schmückte, werden allerdings 31.240 Euro fällig. Die Zahlenhuberei ist durchaus wichtig, denn der VW Passat mit gleichem Motor ist - vergleichbar ausgestattet - gut 2000 Euro teurer.
Und das ist noch nicht alles. Denn der 4,84 Meter lange Superb ist im Vergleich zum Passat acht Zentimeter länger, was nicht die Welt ist, aber im Innenraum durchaus wahrnehmbar. Um das VW-Modell nicht zu düpieren, wurde das Kofferraumvolumen bei beiden Autos exakt auf 565 Liter hinkonstruiert. Allerdings befindet sich am Heck des Skoda ein Clou, den sonst kein anderes Fahrzeug aus dem großen VW-Konzern vorweisen kann. Die zusammen mit der Remscheider Firma Edscha entwickelte Neuheit heißt Twin-Door. Hinter dem Namen verbirgt sich ein Heckklappensystem, das es ermöglicht, entweder nur den Kofferraumdeckel zu öffnen oder aber das komplette Hinterteil inklusive Heckscheibe.
Mit Details wie der Twin-Door unterstreicht Skoda einmal seinen Markenslogan "simply clever" und zeigt zudem, dass es nicht immer Elektronikgimmicks sein müssen, um ein neues Auto mit innovativer Aura zu umgeben, sondern klassische mechanische Neuerungen manchmal viel größeren Effekt haben. Vor allem im Auto-Alltag, wenn die variable Hecköffnung tatsächlich von Nutzen ist - ob man nun eine Einkaufstüte einlädt oder eben den sprichwörtlichen Kühlschrank.
Schlaue Heckklappe, aber schlappes Heckdesign
Was gegenüber der schlauen Zwillingsklappe etwas abfällt, ist das Heckdesign. Die C-Säulen sind arg breit geraten und drücken dadurch den Fond optisch in die Knie; und beim Blick auf die Rückleuchten hat man immer das Gefühl, genau diese schon einmal irgendwo anders gesehen zu haben. Je weiter das Auge über die Karosserie nach vorne gleitet, desto stimmiger werden die Linien und Proportionen; und die Vorderansicht des Autos zeigt ganz klar, dass Skoda auch mit der optischen Ausstrahlung längst im Kreis der bestens etablierten Marken angekommen ist.
Dieser Eindruck stellt sich auch im Innenraum ein. Formen, Farben, Materialien, und wie sich das alles anfühlt, machen einen grundsoliden Eindruck. Ordentlich und aufgeräumt sieht es im Superb aus, es gibt ausreichend Ablagen, die Instrumente sind dort angeordnet, wo man sie erwartet, und das Platzangebot ist überaus großzügig.
Mit 160 PS ist der Superb ausreichend motorisiert
Der 160-PS-Motor entpuppt sich auf der Landstraße und Autobahn als harmonischer Antrieb im Superb. Die Fahrleistungen reichen dicke aus, der Durchschnittsverbrauch von 7,6 Liter ist akzeptabel - und auch die nach unseren Fahrten vom Bordcomputer ermittelten 8,2 Liter in der Realität sind noch in Ordnung. Immerhin handelt es sich hier um eine ausgewachsene Limousine mit einem Leergewicht von rund 1550 Kilogramm. Ob tatsächlich so viel Auto nötig ist, ist eine andere Frage - der Zielkonflikt zwischen komfortablem, geräumigen Reisen und vernünftigem Verbrauch jedoch ist hier ganz gut gelöst.
Wobei auf der Autobahn und dort ab Richtgeschwindigkeit schon auffällt, dass andere Fahrzeuge dieser Klasse deutlich ruhiger dahinschnurren. Im Superb dagegen sind Antriebs-, Fahrbahn- und Windgeräusche deutlich hörbar. Das ist nicht tragisch, aber die Unterhaltung mit den Passagieren verlangt ab 130 km/h lautes Sprechen und konzentriertes Zuhören.
Gute Ausstattung, aber nur zwei aufpreisfreie Farben
Wer das Auto nicht in den Farben Candy-Weiß oder Pazifik-Blau fahren möchte, muss auf jeden Fall 480 Euro Aufpreis für eine andere Lackierung locker machen, die dann mit Metallic- oder Perleffekt daherkommt. Ansonsten aber ist der Serienumfang auch im Basismodell schon recht üppig.
Vermutlich wird also der neue Superb noch mehr Käufer finden als der Vorgänger, von dem seit 2001 rund 130.000 Exemplare gebaut wurden. Nicht im Stammwerk Mlada Boleslav, sondern in der Fabrik im ostböhmischen Kvasiny, wo übrigens in den Jahren 1947 bis 1949 auch schon der Superb-Urahn gefertigt wurde. Die optimistische Prognose schließt mit ein, dass es in dieser Superb-Generation erstmals auch eine Kombi-Variante geben wird. Im Frühjahr 2010 soll der Wagen vorgestellt werden - was die Situation für den VW Passat Variant nicht einfacher machen dürfte.