SLK aus 2. Hand: Wertstabiler Avantgardist
SLK aus zweiter Hand Roadster mit Warmduscher-Image
Berlin - Von den Machos als Frauenauto belächelt, der ewige kleine Bruder des großen SL: Der Mercedes SLK hatte es durchaus nicht leicht, als er 1996 auf den Markt kam - zumindest imagemäßig. Hinzu kam, dass das neuartige Klappdach, mit dem der kleine Benz vorfuhr, so gar nichts mehr mit einem echten Cabrio zu tun haben schien. Mercedes bewarb es als Vario-Dach - eine faltbare Stahlkonstruktion, die auf Knopfdruck im Kofferraum verschwindet. Aus Sicht der harten Kerle, oder derjenigen, die sich dafür hielten, waren das Warmduscher, die mit der etwas schlechteren Isolierung eines Stoffdachs und dem erhöhten Lärmpegel nicht zurecht kamen, sich aber trotzdem an einem windstillen Sommertag auf dem Boulevard präsentieren wollten. Und dabei hatten die Mercedes-Leute den Airscarf genannten Nackenfön noch gar nicht im Angebot.
Doch schnell sollte sich herausstellen: Es gab und gibt ganz schön viele von diesen Warmduschern. Der SLK entwickelte sich zum Bestseller in seinem Segment und wurde zum Vorbild einer ganz neuen Cabriogeneration. Kaum ein Hersteller kam in den folgenden Jahren noch daran vorbei. Außerdem hatten die Lästermäuler gar nicht Recht mit ihrem Spott: Leiser ist es auch im SLK und den anderen Klappdach-Konkurrenten der ersten Generation nicht und ein Windschott gibt es bei den Softtop-Brüdern auch.
Sei's drum - der SLK machte seinen Weg, und das durchaus mit Grund. Insbesondere die jüngeren Fahrzeuge sind technisch sehr ausgereift. Die Pannenhelfer des ADAC stufen nur noch entladene Batterien als "auffällig" ein.
Die Sache mit dem Öl im Kabel
Die - wie man so schön sagt - First Mover hatten allerdings schon das eine oder andere Päckchen zu tragen: Der Pannenstatistik des Automobilclubs weist die Jahrgänge 1996 bis 1999 als echte Problemfälle aus. Bei diesen Autos machten vergleichsweise oft gestörte Wegfahrsperren und defekte Generatoren Ärger. Fahrzeuge von 1997 bis 1999 blieben häufig mit kaputten Kraftstoffpumpen liegen. Gelegentlich tropfte es auch aus den Kraftstoffleitungen. Bei 1997 gebauten Exemplaren gaben nicht selten das Automatikgetriebe und der Bremsassistent den Geist auf, so der ADAC. Eine teure Erfahrung für die Besitzer.
Wer mit dem Kauf eines älteren SLK liebäugelt, sollte vor allem auf Ölverlust achten, und zwar sowohl am Motor als auch an der Hinterachse. Beim Motor ist das nicht selten auf Undichtigkeiten an der Zylinderkopfdichtung zurückzuführen. Eine Reparatur ist natürlich möglich und nötig - und es gilt die Formel: Aufschub erhöht den Preis. Auch die Hydraulik des Klappdachs verliert bisweilen Öl. Der Fehler ist aber leicht festzustellen: Dann nämlich dauert die Entblätterung ungebührlich lange. Länger als 25 Sekunden sollte man der Mechanik nicht Zeit geben.
Ein anderes Ölproblem ist aber noch viel gemeiner: Dabei gelangt der Schmierstoff durch einen undichten Magnetschalter für die Nockenwellenverstellung in den Kabelbaum, völlig unbemerkt. Man müsste im Rahmen einer Inspektion schon den Stecker abziehen, um den Fehler zu entdecken. Umso lästiger sind die Folgen: Durch den Kapillareffekt gelangt das Öl bis in das nächstgelegene Steuergerät. Saubermachen hilft dann nicht mehr. Ersatz kostet deutlich mehr als 1000 Euro. Auch am Automatikgetriebe tritt dieser Fehler auf. Dann tritt Öl aus und wandert via Kabelbaum in den Schaltblock und Steuergerät.
Langlebige Motoren mit schwachen Dichtungen
Mercedes kennt das Problem übrigens. Im Prinzip steht ein Kabelbaum mit verlöteten Litzen zur Verfügung, die kein Öl mehr durchlassen. Es kostet nicht einmal viel, doch nur wenige Werkstätten weisen darauf hin.
Immerhin - bei den jüngeren Baujahren ist der Konstruktionsfehler ausgemerzt: Im Rahmen eines Facelifts im Jahr 2000 spendierten die Entwickler dem Sportwagen drüber hinaus ESP und auch einen sechsten Gang. 2004 kam dann die zweite Generation (Baureihe R171) auf den Markt, deren Formel-1-anmutende Nase vielen ein wenig lächerlich vorkam. Gleichwohl gilt sie formal als die gelungenste Version, mit knackigen Rundungen, die den Wagen kraftvoll aber doch zierlich erscheinen lassen.
Die im März 2011 erschienene dritte Generation des Zweisitzers (Baureihe R172) ist dagegen viel angepasster und kommt eher behäbig daher - die Marketing-Leute von Mercedes nennen das übrigens maskulin. Optisch orientiert sie sich am Flügeltürer SLS.
Bei den Motoren haben sich die Schwaben nicht lumpen lassen. Der SLK rechtfertigt seinen Ruf als Sportwagen mit kraftvollen Motoren. Die stärkste Version leistete sogar 360 PS. Auf einen durchzugstarken Diesel müssen die Fahrer der ersten beiden Generationen dagegen verzichten. Etwas betulicher geht es da mit dem kleinsten und schwächsten Motor voran, der 136 PS leistet. Von den nicht selten vorkommenden Ölverlusten einmal abgesehen, gilt er übrigens als ausgesprochen langlebig.
Gebrauchte SLK sollten laut der Schwacke-Liste ab rund 7600 Euro zu bekommen sein. Zu diesem Preis wird ein SLK 200 von 1999 mit 136 PS geführt. Ein fünf Jahre alter SLK 200 Kompressor mit 163 PS kostet noch knapp 18.000 Euro, ein SLK 350 Sport von 2009 mit 305 PS noch rund 31.850 Euro.