Smart Cabrio & Passion Sommerliches Spielzeug
"Der Smart ist anders als die anderen Autos." Der Verkäufer im "Smart-Center" setzt eine ernste Miene auf. Ganz so, als müsste er dem eben Gesagten durch seine Gesichtszüge Nachdruck verleihen.
Argumente wie Cabrio-Erfahrung oder langjähriger Führerscheinbesitz ignoriert der smarte Verkäufer und lässt eine gründliche Einweisung folgen. Vielleicht nicht zu Unrecht. Denn die ersten Meter im Smart Cabrio sind in der Tat etwas Besonderes.
Lektion 1: Der Start
Ein schneller Blick auf die Instrumente zeigt Altbekanntes: ein großer Tacho, der Erinnerungen an den Citroën 2 CV wachruft. Dazu ein Lenkrad und zwei Pedale. Zwei? Ja, der Smart, egal ob Coupé oder Cabrio, wird nur mit Automatik ausgeliefert.
So weit, so smart. Wer als Neuling allerdings das Zündschloss sucht, erlebt seine erste Überraschung. Direkt neben dem Schaltknüppel findet der Schlüssel schließlich sein Ziel.
Also: Den rechten Fuß fest aufs seltsam runde Bremspedal gepresst, den Schlüssel kurz gedreht, einen Blick auf die vielen bunten Lichter geworfen und weiter gedreht. Nichts passiert.
Wegfahrsperre nennt Smart das, wenn auf dem kleinen Display hinter dem Lenkrad ein Schlüssel erscheint - als wäre die Startprozedur nicht schon Abschreckung genug. Da hilft nur Zündung aus, einmal kurz auf den Schlüssel gedrückt, und los kann es gehen. Theoretisch.
Zweiter Versuch: Bremspedal getreten, einmal gedreht, zweimal gedreht, Fehlanzeige. Diesmal kommt das Getriebe ins Spiel. Auch wenn der Schaltknüppel ganz normal aussieht, ist er doch Schnittstelle zu einem Automatikgetriebe. Und das verweigert bei eingelegtem Gang seinen Dienst. Leerlauf. Dritter Versuch. Und er bewegt sich doch.
Lektion 2: Das Getriebe
Der Dreizylinder-Turbomotor im Heck bringt den kleinen Wagen zwar deutlich zum Vibrieren, er entfaltet aber auch ungeahnte Kräfte. Im Ampelspurt lassen die 55 PS ganz schön die kleinen Muskeln spielen. Da kommt Freude auf.
Die Automatik allerdings macht eine sportliche Fahrweise im Ansatz zunichte. Im ersten Gang klappt die Beschleunigung naturgemäß noch gut. Doch dann: Plötzlich ist das Gas weg, der Oberkörper geht nach vorne, warten, noch länger warten, dann greift der zweite Gang, und der Fahrer wird wieder in den Sitz gedrückt. So ruckelt es sich bis zum fünften Gang, den die Smart-Automatik im Stadtverkehr am liebsten einlegt.
| Hersteller: | Smart |
|---|---|
| Typ: | Cabrio & Passion |
| Karosserie: | Cabrio/Roadster |
| Motor: | Dreizylinder-Benziner |
| Hubraum: | 599 ccm |
| Leistung PS: | 55 PS |
| Leistung kW: | 40 kW |
| Drehmoment: | 88 Nm |
| Von 0 auf 100: | 17,2 Sek. |
| Höchstgeschw.: | 135 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 5,9 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 140 g/km |
| Kraftstoff: | Super Bleifrei |
| Kofferraum: | 150 Liter |
| Versicherung (HP): | 14 € |
| Versicherung (TK): | 26 € |
| Versicherung (VK): | 13 € |
| Preis: | 12.261 € |
Wer die Automatik ausschaltet, fährt deutlich besser. Problem für Smart-Newcomer: Beim sequenziellen Getriebe wird hochgeschaltet, indem der Fahrer den Schalthebel nach vorne drückt. Wer vom ersten in den zweiten Gang will, zieht aber gewohnheitsgemäß den Knüppel nach hinten - und jagt den Smart-Motor in ungeahnte Drehzahlbereiche. Lehrgeld.
Lektion 3: Das Verdeck
Der Smart ist nicht so wie andere Autos: Während bei Cabrios üblicherweise die Sicht nach hinten mit Verdeck katastrophal, ohne Verdeck aber gut ist, dreht der Kleine die Verhältnisse um.
Denn hinter dem Smart-Verdeck steckt weitgehend ein Faltdach, das auf Wunsch über dem Kofferraum zusammenklappt - und die Sicht nimmt. Während sich die schwarze Kunststoffbahn bequem vom Fahrersitz aus öffnen lässt, muss zum Schließen des Verdecks ausgestiegen werden.
Nett: Wer mehr Oben-Ohne-Spaß haben will, kann die beiden seitlichen Dachholme mit wenigen Handgriffen entfernen und unter einer dünnen Plastikabdeckung in der Kofferraumklappe verstauen.
Trotz der großen Frontscheibe sind die Fahreigenschaften ohne Verdeck nicht allzu berauschend. Bei 80 km/h bläst der Wind scharf, bei 100 km/h fast unerträglich. Mit geschlossenen Scheiben ist die Lage besser - doch dann ist das Cabrio nicht viel mehr als ein Smart mit Faltdach. Dennoch: Oben ohne im Smart zu fahren ist etwas ganz Besonderes, etwas das besonders viel Spaß macht.
Lektion 4: Die Autobahn
Die Autobahn ist der natürliche Feind des Smart. Das fängt schon beim Zubringer, in dem sich der Winzling - so zumindest der (falsche) Eindruck der Insassen - wie ein Kinderwagen in die Kurve legt.
Wenig später, beim Beschleunigen, fordert der 0,6-Liter-Hubraum seinen Tribut, und sind dann doch höhere Geschwindigkeiten erreicht, wird der schmale Wagen vom Fahrtwind der Konkurrenz ordentlich durchgeschüttelt. Bei 135 km/h wird elektronisch abgeriegelt. Zum Glück.
Lektion 5: Der Komfort
Der Smart an sich ist etwas für farbenfrohe Asketen. Die viel zu schmalen Sitze sind knochenhart, die Wirbelsäule schmerzt nach wenigen Kilometern. Ablagemöglichkeiten gibt es zwar genügend, für einen Getränkehalter müssen allerdings 58 Mark extra gezahlt werden. Und eine abschließbare Schublade unterm Fahrersitz ist erst in der gehobenen Ausstattungsvariante "Passion" serienmäßig
Auch in punkto Ergonomie ist der flotte Spaßmacher nicht ganz durchdacht. So lassen sich die elektrischen Fensterheber auf der Beifahrerseite nicht einfach vom Fahrersitz aus betätigen - für Cabrios eine Todsünde.
Abschlussprüfung
Das Smart Cabrio ist ein nettes Spielzeug - nicht mehr und nicht weniger. Genau richtig für das Kind im Manne oder Weibe. So richtig erwachsen wirkt der Kleine allerdings noch nicht. Aber vielleicht macht ja gerade das seinen besonderen Reiz aus.
Bildergalerie: Ist er nicht süß?!
Stenogramm:
Der Smart-Test auf einen Blick