Smart Roadster: Rasantes Remake - DER SPIEGEL
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Smart Roadster Rasantes Remake

Mit der neuen Baureihe, überhaupt erst der zweiten der Marke, möchte die Daimler-Chrysler-Tochter Smart das "leider verschwundene" Marktsegment der klassischen Roadster wiederbeleben, wie Smart-Chef Andreas Renschler sagt. Der Plan wird wohl nur teilweise gelingen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
Hersteller:Smart
Typ:Roadster
Karosserie:Cabrio/Roadster
Motor:Dreizylinder-Turbobenziner
Hubraum:698 ccm
Leistung PS:82 PS
Leistung kW:60 kW
Drehmoment:110 Nm
Von 0 auf 100:10,9 Sek.
Höchstgeschw.:175 km/h
Verbrauch (ECE):5,1 Liter
CO2-Ausstoß:121 g/km
Kofferraum:145 Liter
Preis:18.330 €

Es gibt natürlich längst rassige, zweisitzige Cabriolets, die als Roadster vermarktet werden und sich zunehmender Beliebtheit erfreuen. Smart jedoch glaubt, dem klassischen Ideal der offenen Sportwagen, "bei denen nicht Komfort im Vordergrund stand, sondern das hautnahe Erleben der Natur und das reine Fahrerlebnis" (Renschler), mit seinen neuen Modellen am nächsten zu kommen. Der Smart-Chef betont vor allem das "exzellente Leistungsgewicht", das seine Ingenieure in den vergangenen 36 Monaten Entwicklungszeit dem Auto antrainierten. Was damit gemeint ist? Der Quotient aus Gewicht durch Motorleistung, der ein Richtwert für die Agilität und Spritzigkeit eines Autos ist. Beim Smart Roadster liegt dieser Wert bei 9,6 Kilogramm je PS. Damit übertrifft das Remake die von Renschler genannten Vorbilder aus den 50er- und 60er-Jahren wie Fiat 850 Cabrio (14,1 kg/PS), Austin Healey Frogeye (13,5 kg/PS) oder Triumph Spitfire (11,3 kg/PS). Sein Fazit: "Uns ist es gelungen, das ultimative Roadsterfahrgefühl wiederzubeleben."Es stimmt schon: Der niedrige Schwerpunkt, die tiefe Sitzposition, die gute Balance aufgrund des Heckmotors sowie die maximale Spreizung der Räder an die Ecken der Karosserie ergeben eine tolle Straßenlage. Der neue, sportliche Smart ist ein Auto für kurvige Landstraßen. Je mehr Kehren das Tempo drosseln, desto besser kommt der durchaus quirlige Dreizylinder-Turbomotor mit vergleichsweise üppigen 82 PS (60 kW) zur Geltung.Leider fällt in solchen Situationen umso deutlicher auf, dass ein automatisiertes Sechsgang-Schaltgetriebe wohl eine günstige, aber nicht die beste Lösung ist, um die Kraftverteilung zu organisieren. Die deutlich spürbaren Schaltpausen kommen häufig überraschend. Etwas besser geht es im manuellen Modus, bei dem die Gangwechsel per Tastendruck am Lenkrad eingeleitet werden (Aufpreis 290 Euro). Und weil wir gerade beim Kritisieren sind: Auch die Lenkung dürfte angesichts der oben zitierten Ansprüche durchaus straffer und direkter ausgelegt sein. Viele andere Details sind prima gelungen. Das Design zum Beispiel. Obwohl sich die neue Modellreihe 35 Prozent der Bauteile mit dem bekannten City Coupé teilt, sieht man davon nichts. Die Karosserie interpretiert Smart-Charakteristika wie Zweifarbigkeit oder die sichtbare Sicherheitszelle auf frische, sportliche Weise. Optisch macht der Wagen Tempo: Wuchtige Radhäuser, Breitreifen, gestreckte Fronthaube, fetter Überrollbügel und ein knackiges Stummelheck sehen klasse aus. Die beiden Varianten Roadster und Roadster-Coupé unterscheiden sich übrigens ausschließlich durch ihre Heckgestaltung: Beim Roadster ist es gestuft, das Roadster-Coupé trägt eine Glaskuppel. Als Nebeneffekt variiert das Stauvolumen der beiden Varianten zwischen insgesamt 145 und 248 Liter, wovon jeweils 59 Liter auf das Gepäckfach unter der Fronthaube entfallen. Die Dachkonstruktion ist, eigentlich Roadster-untypisch, ziemlich ausgeklügelt. Der Kunde hat die Wahl zwischen zwei festen Dachschalen oder einem Stoffverdeck, das sich bei jedem Tempo per Knopfdruck öffnen oder schließen lässt. Zusätzlich können die beiden Seitenholme ausgeklinkt werden. Doch auch bei maximaler Offenheit sitzt man im Smart Roadster weitaus geborgener als in anderen Cabriolets, was auf den feststehenden, breiten Überrollbügel hinter den Kopfstützen zurückzuführen ist. Das Gute daran: Die Windwirbel bleiben auch bei forschem Tempo moderat.Was uns nicht ganz so gut gefiel, ist das Innenraumdesign des Wagens: Das Lederlenkrad ist etwas zu groß und klobig geraten, die Armaturentafel sieht sehr zerstückelt aus. Hier fehlt eine schwungvolle Linie, die dem Interieur mehr Pep und optische Größe geben würde. Zur Ausstattung: ABS, ESP, automatische Anfahrhilfe, zwei Airbags und elektrische Fensterheber sind Serie. Wer es gerne üppiger hätte, muss zuzahlen. Zum Beispiel 630 Euro für das "Sicherheit Plus-Paket" mit Nebelscheinwerfern, elektrisch verstell- und beheizbaren Außenspiegeln und Seitenairbags; oder 810 Euro für das "Komfort-Paket" mit Bordcomputer, elektrischer Servolenkung, Tempomat und Scheibenwischerautomatik. Extra kosten auch Fußmatten (ab 23 Euro), hübsche Leichtmetallräder (ab 400 Euro) oder Sitzheizung (260 Euro). Darüber hinaus bietet Smart ein ganzes Liebhaber-Sortiment vomFleckentferner bis zum Insektenlöser, vom Imprägnierspray bis zur Verdeckpflegebox an. Und natürlich allerlei spezielle Kleidungsstücke, Taschen und Koffer sowie Accessoires. Bei den durchaus strammen Basispreisen (Roadster: 18.330 Euro / Roadster-Coupé: 19.950 Euro) ist das Roadster-Remake also ein teures Vergnügen. Etwas günstiger wird es ab dem Sommer. Dann folgt die Roadster-Variante mit dem 60-PS-Motor (45 kW), die ab 14.990 Euro verkauft wird.