Sparkurs: Ökoleuchte gegen den Bleifuß - DER SPIEGEL
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Sparkurs Ökoleuchte gegen den Bleifuß

Sprit sparen heißt die neue alte Devise der Autobauer. Mit Änderungen an Motoren und der Peripherie nähern sie sich mit kleinen Schritten den vorgegebenen Klimazielen. Den größten Einfluss auf den Verbrauch haben immer noch die Autofahrer selber.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

München/Wuppertal - Die Autoindustrie ist im Zugzwang: Weil sie ihre Selbstverpflichtung zur Senkung der CO2-Emissionen nicht einhalten kann, steht sie heftig in der Kritik. Zwar sind sich Hersteller und Zulieferer einig, dass es großer Entwicklungssprünge bedarf, um bis 2012 den angepeilten EU-Grenzwert von durchschnittlich 130g CO2/km zu schaffen. Doch aktuelle Neuheiten bei BMW, Audi und VW zeigen, dass sie dem Sparziel auch mit kleinen Schritten näher kommen. Dafür müssen sie nicht einmal neue Motoren entwickeln, sondern vor allem die Peripherie intelligenter steuern.

Besonders deutlich wird dieser Ansatz bei der Modellpflege für den 1er und 5er von BMW, die dem Hersteller zufolge unter dem Stichwort "effiziente Dynamic" entwickelt wurden und ohne Leistungseinbußen bis zu 20 Prozent weniger verbrauchen. Dafür sorgen nach Angaben von Stefan Wolff, der das Energiemanagement in der Entwicklung leitet, nicht nur effizientere Brennverfahren und die Weiterentwicklung der Direkteinspritzung, sondern auch die "bedarfsgerechte Steuerung der Nebenaggregate". Schließlich diene der Motor nicht nur der Fortbewegung, sondern auch als Antrieb für eine Vielzahl zusätzlicher Komponenten von der Servopumpe der Lenkung bis zum Klimakompressor, die allesamt Kraft kosten und deshalb den Verbrauch erhöhen.

"Wenn solche Aggregate nur noch dann laufen, wenn sie benötigt werden, kann man Sprit sparen und zudem noch mehr Leistung auf die Straße bringen", sagt Wolff. Als Beispiel nennt er die Wasserpumpe: "Sie wurde bislang permanent mit dem Keilriemen angetrieben und schluckte etwa zwei Kilowatt." Jetzt treibt sie ein Elektromotor nur noch dann an, wenn das Kühlwasser tatsächlich gepumpt werden muss. "Damit senken wir den Energiebedarf auf 200 Watt", sagt Wolff.

Klimaanlage macht bis zu 15 Prozent des Verbrauchs aus

Ebenfalls großes Einsparpotential steckt nach Angaben des Zulieferers Delphi aus Wuppertal in der Klimaanlage. Je nach Auslegung des Systems und in Abhängigkeit vom Temperaturunterschied zwischen Umgebung und Innenraum macht sie nach Angaben von Marketing-Chef Michael Neumann bis zu 10 oder 15 Prozent des Fahrzeugverbrauchs aus. Dieser Anteil lasse sich verringern, wenn das System intelligent konstruiert wird. So sparen leichtere und bessere Kühlmodule nicht nur Gewicht, sondern auch die Leistung eines zusätzlichen Ventilators und senken die Emissionen um vier bis sechs Gramm CO2 pro Kilometer.

Wenn der Kompressor nur noch bei Bedarf läuft und ansonsten wie beim 1er und 5er BMW abgekuppelt wird, sind laut Delphi-Experte Neumann rund 0,2 Liter Einsparung drin. "Und durch neue Motoren im Gebläse kann man noch einmal etwa eine Tankfüllung pro Autoleben herausholen", rechnet einer seiner Kollegen vor. "Mit der Berechnung eines kumulierten Spareffektes tun wir uns allerdings sehr schwer", weichen die Entwickler konkreten Nachfragen aus.

Dass man auch mit einer modifizierten Motorsteuerung, einem länger übersetzten Getriebe, speziellen Reifen und einer verbesserten Aerodynamik Sprit sparen kann, beweist VW mit seinen "BlueMotion"-Modellen. Bereits seit einem Jahr gibt es diese Version beim Polo, der auf diese Weise dem Hersteller zufolge im Mittel nur noch 3,9 Liter pro 100 Kilometer verbraucht und dabei 105,3 Gramm CO2 pro Kilometer ausstößt. Auf dem Genfer Autosalon haben die Wolfsburger Anfang März auch einen Passat "BlueMotion" enthüllt, dessen Verbrauch um rund 15 Prozent auf 5,1 Liter pro 100 Kilometer sinkt. Der CO2-Ausstoß liegt dann bei 136 Gramm.

Eco-Leuchte für den Sparfuchs

"Das größte Potential zum Kraftstoff sparen steckt allerdings im Gasfuß des Fahrers", sagt der neue VW-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg. Um diese Möglichkeiten besser zu nutzen, feiern nun bei vielen Herstellern Eco-Leuchte oder Schaltanzeige ihr Comeback. "Die Wahl des richtigen Schaltpunkts ist der wichtigste Einflussfaktor im Fahrverhalten, das insgesamt rund 15 bis 20 Prozent des Verbrauchs ausmacht", sagt Peter Gebhard, der bei Audi in Ingolstadt die Fahrzeugphysik leitet.

Er sieht darin einen weiteren Grund für den Einsatz aufgeladener Motoren: Mit ihrem hohen Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen erlauben sie ein frühes Hochschalten, ohne den Fahrspaß leiden zu lassen. Damit der Fahrer das richtig nutzt, gibt es jetzt im Cockpit einiger Audi-Modelle eine Schaltanzeige, die optimale Gangwechsel anzeigt.

Um auch das Fahrverhalten zu ändern, bieten einige Hersteller jetzt verstärkt sogenannte Eco-Trainings an, bei denen eine vorausschauende und Sprit sparende Fahrweise geübt wird. Mit ihr sind nach Angaben der Instruktoren noch einmal Verbesserungen im zweistelligen Prozentbereich möglich.

Außerdem sollten die Kunden auch ihr Kaufverhalten überdenken, sagt Analyst Nick Margetts vom Marktbeobachter Jato Dynamics in Limburg (Hessen). Er hat dabei aktuelle Statistiken im Blick, nach denen die durchschnittliche Leistung der deutschen Neuwagen auch im vergangenen Jahr wieder ebenso gestiegen ist wie deren Gewicht. "Wer immer stärkere und schwerere Autos kauft, darf sich nicht wundern, wenn die Einsparbemühungen nur wenig fruchten und man doch öfter an die Tankstelle muss."

Von Thomas Geiger, gms