Spyker C8: Der rasende Holländer - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Spyker C8 Der rasende Holländer

Nach goldgelbem Käse, Linda de Mol und berauschendem Fußball bescheren uns die Niederlande nun auch einen formidablen Sportwagen. Mit dem Spyker C8 soll eine längst vergessene Marke wieder auferstehen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Seit immer mehr Angehörige der so genannten Erbengeneration nach dem Führerschein nun auch das Erbe besitzen, sprießen kleine Autofirmen nur so aus dem Boden, um die Kaufkraft dieser neuen Finanzelite abzuschöpfen. Das Erfolgsrezept der Autobauer sieht dabei immer gleich aus: Ein bewährter Motor mit ausreichend Schmackes wird in eine exaltierte, auf jeden Fall aber exklusive Karosserie gepflanzt. Fertig ist der Sportwagen, der so ganz anders aussieht als die üblichen Verdächtigen von Porsche, BMW, Audi und Mercedes.

Nun haben zwei Unternehmer aus den Niederlanden den Blinker gesetzt, um in diesen Trend einzuscheren. Der Geschäftsmann Victor Muller und der Ingenieur Maarten de Bruijn haben die alte Marke Spyker wieder zu neuem Leben erweckt. Spyker fertigte zwischen 1898 und 1925 vor allem sportliche und luxuriöse Karossen, die zum Teil als die "Rolls-Royce des Kontinents" apostrophiert wurden. Auch technisch schrieb die ehemalige Kutschenbau-Firma aus Amsterdam Geschichte, als sie mit dem 1903 gebauten Rennwagen 60HP erstmals ein Automobil mit Sechszylindermotor und permanentem Allradantrieb präsentierte.

Die damaligen Fahrzeuge trugen den lateinischen Sinnspruch "nulla tenacit invia est via" auf dem Kühler - sinngemäß bedeutet dies etwa: "Den Beharrlichen ist kein Weg ungangbar". Solch ein Slogan schmückt natürlich auch heute noch. Zudem ist tatsächlich Beharrlichkeit vonnöten, um ein Auto zu lancieren, dass in der offenen Version (C8 Spyder) 446.000 Mark und als Coupé (C8 Laviolette) rund 513.000 Mark kosten soll.

Was bekommt die solvente Kundschaft zu diesen Preisen? Beim C8, ob offen oder geschlossen, handelt es sich um einen Zweisitzer, der als Mittelmotor-Auto konzipiert ist. Fahrwerk und Karosserie sind aus Aluminium gefertigt, die Teile der Außenhaut werden bei Spyker in Baarn per Hand in die richtige Form gebracht. Als Antrieb dient der V8-Motor von Audi: Die Maschine schöpft aus 4,2 Liter Hubraum eine Leistung zwischen 400 und 450 PS sowie ein maximales Drehmoment von 480 Newtonmeter. Die Kraft wird via Sechsgang-Schaltgetriebe an die Hinterachse gebracht, Traktionskontrolle und ABS sind serienmäßig. Wie zu erwarten, sind die Fahrleistungen des gut 1000 Kilo schweren Wagens superb: Als Spitzengeschwindigkeit gibt der Hersteller 300 Stundenkilometer an, die Beschleunigung von 0 auf 100 soll "in weniger als 4,5 Sekunden" möglich sein.

Die größte Wirkung wird das Auto jedoch im Stand entfalten, denn ein Fahrzeug wie den Spyker sieht man nicht alle Tage. Der nur gut ein Meter hohe C8 Spyder mit den nach vorne und schräg oben aufschwingenden Türen fällt durch seine straffe Linienführung auf, beim C8 Laviolette signalisiert eine markante Dachflosse den Willen zur Individualität. Die gedrungene Erscheinung des Sportwagens wird nicht jedem gefallen, sorgt jedoch garantiert für Aufsehen. Um die Exklusivität zu wahren, sollen vom Spyder in diesem Jahr noch zehn Exemplare gefertigt werden, vom Laviolette lediglich fünf. Im kommenden Jahr planen de Bruijn und Muller, maximal 25 Autos pro Modell zu fertigen und zu verkaufen.