Subaru XV: Boxer im Dreck - DER SPIEGEL
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Subaru XV: Boxer im Dreck

Subaru XV Boxer im Dreck

Auf Allradantrieb setzt Subaru schon immer, doch den Boom der Geländewagen hat die Marke verschlafen. Jetzt sind die Japaner aufgewacht und schicken das Modell XV ins Rennen. Das Auto ist eine merkwürdige Sowohl-als-auch-Mixtur aus Kompaktwagen und kleinem SUV.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Subaru genießt in Deutschland Exotenstatus. In den ersten elf Monaten des Jahres entschieden sich gerade einmal 5859 Neuwagenkäufer für einen Auto der Marke, die mittlerweile zum Dunstkreis des Toyota-Konzerns gehört. Das liegt wohl hauptsächlich am hausbackenem Design und dem Feld-Wald-und-Wiesen-Image, das an den rustikalen Allradlern klebt. Und - ungerechterweise - weil man dem Boxermotor nicht allzu viel zutraut. Erstaunlicherwiese hat Subaru bislang noch nicht einmal einen SUV im Programm, der vielleicht einiges hätte reißen können.

Das ändert sich nun. Noch ehe in der Kompaktklasse der Nachfolger des aktuellen Impreza antritt, fährt der von diesem Modell abgeleitete Kompakt-SUV XV vor. Zur größeren Bodenfreiheit, zu den wuchtigen Stoßfängern, markanten Schutzleisten und den mit schwarzem Plastik verbreiterten Kotflügeln gibt es, quasi als Markenstandard, stets einen Allradantrieb.

Der Allradler kommt problemlos durch leichtes Gelände

Das treibt den Grundpreis auf 21.600 Euro und rückt den XV preislich näher an den VW Tiguan als an den Golf. Aber die Technik erweitert dafür auch den Aktionsradius: Tief ausgefahrene Feldwege, eine glatte Stichstraße zum Skilift oder die letzten Matschmeter zur Baustelle - wo die Fahrer anderer Kompaktautos aussteigen und laufen müssen, kommt man im XV mit sauberen Sohlen ans Ziel. Die Frage ist nur: Wer braucht das? Nicht umsonst werden Bestseller in dieser Klasse wie VW Tiguan oder Nissan Qashqai immer öfter als Fronttriebler bestellt.

So stoisch, wie Subaru am Allradantrieb festhält, so treu bleiben sie dem Boxermotor. Für den XV gibt es zwei neue Benziner mit 1,6 Litern Hubraum und 114 PS sowie mit zwei Litern Hubraum und 150 PS, die beide zum ersten Mal mit einer Start-Stopp-Automatik ausgerüstet werden. Dummerweise kaufen in dieser Klasse die meisten Kunden in Europa ein Auto mit Dieselantrieb, und ausgerechnet für den gibt es die Spritsparhilfe nicht. Immerhin gibt es den Boxer auch als Ölbrenner, der im Schnitt 5,6 Liter verbraucht, wobei dieser Wert in der Praxis durchaus zwei bis drei Liter höher ausfallen dürfte.

Ein kerniger Diesel-Boxer, der herzhaft ans Werk geht

Der Selbstzünder-Boxer klingt kernig, rau und knorrig, und beim Kaltstart geht ein spürbares Schütteln durchs ganze Auto. Doch die Maschine hat Kraft: 147 PS und 350 Nm Drehmoment leistet der Vierzylinder und bringt den XV flott in Fahrt. Wenn man den Motor mit genügend Drehzahl bei Laune hält und oft genug ins gut gestufte Sechsgang-Getriebe greift, beschleunigt der Fünftürer in 9,1 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht bis zu 198 km/h.

Dabei hinterlässt auch das Fahrwerk einen soliden Eindruck. So weich gefedert, dass auch auf einem Feldweg die Ladung unversehrt bleibt und trotzdem straff genug für flotte Kurven, fährt der XV durch Feld, Wald und Wiesen. Die Lenkung jedoch könnte etwas direkter sein und mehr Rückmeldung von der Straße geben. Das können die Konkurrenten besser.

Frisch wie das Design des XV ist auch sein Innenleben - zumindest für Subaru-Verhältnisse. Man sitzt bequem, hat genügend Bewegungsfreiheit auf allen Sitzen, der Kofferraum fasst mit 380 Litern mehr als der des VW Golf und das Ambiente wirkt nicht mehr so trostlos wie früher. Im Gegenteil: Der Bordcomputer oben in der Mittelkonsole ist bunter und schöner animiert als bei vielen deutschen Konkurrenzmodellen und die Kunststoffe sind, wenn schon nicht bunt, dann wenigstens in schickem Schwarz lackiert.

Ein neuer Kompakt-SUV, der dennoch hinterher fährt

Das Konzept eines aufgebockten Kompaktwagens passt in die Zeit. Doch so ganz sind die Japaner noch nicht in der Moderne angekommen. Das sieht man nicht zuletzt beim Blick auf die Ausstattungsliste, wo man vergebens nach Extras wie einem Totwinkelwarner oder gar einer Abstandsregelung sucht.

Wird der XV die Marke Subaru also aus dem Zulassungskeller führen? Eher nein. Das Modell ist zwar das modernste Auto des Herstellers seit langem, doch der Weg nach oben dürfte steinig und steil werden. Andererseits: Wer, wenn nicht ein Allradexperte, könnte damit umgehen?

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