Toyota Allradmodelle: Am Straßenende geradeaus - DER SPIEGEL
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Toyota Allradmodelle Am Straßenende geradeaus

Fahrsicherheit, Traktion, Sportlichkeit – so werden Allradautos hierzulande vermarktet. Auch Toyota macht da keine Ausnahme. Mit vier aktuellen allradgetriebenen Modellen bieten die Japaner derzeit vier Antriebskonzepte für beinahe jede Gelegenheit an.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Warum gibt es eigentlich solche Autos?" fragt Toyota-Sprecher Karsten Rehmann, und er meint es selbstverständlich rhetorisch. Denn in Deutschland brauchen – von einer Minderheit Forstwirte, Jagdpächter, Bauingenieure oder Bergungsfachleute einmal abgesehen – die allermeisten Autofahrer keine vier angetriebenen Räder, um sicher und flott vorwärts zu kommen. Man trägt ja auch keine Wanderstiefel in der Fußgängerzone, oder stelzt mit Steigeisen übers Kopfsteinpflaster. So ähnlich aber muss man es sich vorstellen, wenn Allrad-Pkw über besten Asphalt dahinrollen.

Dabei wurden die Haudegen unter den Autos ursprünglich für ganz andere Zwecke konzipiert. Das wird häufig vergessen in einem Land mit engmaschigem Straßennetz und einem Dynamikfimmel vieler Hersteller. Also werden hierzulande die immer zahlreicher auftretenden Allradautos zu Sportgeräten umgedeutet – während sie andernorts pure Notwendigkeit sind. In Wüsten und Gebirgen, in Tundra, Taiga oder Pampa. "Dort", sagt Rehmann, "wurde das Image von der Robustheit und Zuverlässigkeit von Toyota geprägt."

Hilux verteidigt Allrad-Ehre

Dafür steht zum Beispiel der Pickup Hilux, der in Deutschland ein Nischendasein fristet, weltweit aber mit mehr als zwölf Millionen Exemplaren seit 1968 bislang das nach dem Kompaktwagen Corolla meistgebaute Toyota-Modell ist. Der rustikale Alltagslaster ist mit einem zuschaltbaren Allradantrieb samt Geländeuntersetzung ausgestattet, der ihn auch dort noch weiterfahren lässt, wo andere längst am Ende sind.

Weil es in Deutschland zunehmend als chic gilt, einen Pickup zu pilotieren, hievt Toyota nun erstmals die luxuriös ausgestattete Variante "Executive" ins Angebot, und mit ihr einen neuen 3-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel mit 171 PS und 343 Nm (ab 35.224 Euro).

Was das Auto kann, demonstrierten die Japaner jetzt am Rande des beschaulichen Kurstädtchens Bad Kissingen. Südöstlich des hübschen Ortskerns, auf einer Anhöhe und gut versteckt hinter dichten Wäldern, betreibt die Firma Pro-Log eine Offroad-Anlage der spektakulären Art. Bis vor zehn Jahren hatte die US-Army auf dem weitläufigen Arreal Hawk-Mittelstrecken-Raketen stationiert. Inzwischen wird hier nicht mehr die westliche Welt verteidigt, sondern die Allradler-Ehre. Schon nach einer Runde auf dem bisweilen haarsträubenden Parcours kapiert jeder, warum in manchen Gegenden der Welt ohne Allradtechnik die Mobilität zum Erliegen käme.

Nicht gerade umweltfreundlich

Wie der Pickup Hilux baut auch der Geländewagen Landcruiser auf einem schier unverwüstlichen Leiterrahmen auf. Auch der Offroad-Klassiker erhält jetzt den neuen 3-Liter-Turbodiesel, allerdings mit einer Leistung von 173 PS und, weil er über einen permanenten Allradantrieb verfügt, einem Drehmoment von gar 410 Nm (ab 34.622 Euro).

Trotz der beeindruckenden Vorstellung in den Wasserlöchern, auf den schmierigen Steigungen, den seifigen Rampen oder den beinahe hüfttiefen Spurrillen im Morast – im Carport eines Landsitzes mag der Landcruiser zwar passend wirken, in Wahrheit aber ist das Auto als Straßenfahrzeug in Mitteleuropa eine Fehlbesetzung. Denn: Ein Durchschnittsverbrauch von 9,1 Liter und ein CO2-Ausstoß von 240 g/km sprechen nicht für den Willen zum unbedingten Naturschutz.

Mehr wert als ein Formel-1-Titel?

Toyota weiß das, weshalb der SUV-Bestseller RAV-4 ein anderes Antriebskonzept erhielt. Das Auto ist mit einem so genannten aktiven Allradantrieb unterwegs, wobei im Normalfall die Kraft an die Vorderräder geleitet wird, bei Bedarf jedoch bis zu 45 Prozent nach hinten geleitet werden. So versucht das kompakte Trendmobil, auf das eine (Allradantrieb) nicht zu verzichten, und gleichzeitig das andere (Sparsamkeit) nicht zu lassen. Resultat beim Modell mit dem sehr harmonischen 2,2-Liter-Turbodieselmotor mit 136 PS (ab 28.520 Euro), der nun serienmäßig mit Russpartikelfilter ausgerüstet wird: Ein Durchschnittsverbrauch von 6,6 Liter und eine CO2-Emission von 173 g/km.

Ganz neu im Allrad-Angebot der Japaner ist schließlich der Hiace als Kastenwagen (ab 22.134 Euro). 3451 Euro Aufpreis kostet die Vier-mal-vier-Technik, die ihre Kraft mit Hilfe einer Viskokupplung an die Räder verteilt. Auch dieser Kleintransporter gehört mit mehr als fünf Millionen gebauten Exemplaren seit nunmehr 40 Jahren zu den Toyota-Modellen, die für den Ruf der Marke in manchen Weltregionen vermutlich mehr getan haben, als es ein Formel-1-Titel für das Team vermöchte. Nun, mit Allradantrieb, dürfte der Hiace noch einen Tick weiter kommen als bislang. Darauf setzt Toyota – und entwickelt weiter an Allradlern für jede Gelegenheit.