Toyota FJ Cruiser Play-Mobil
Damit Geländewagen Kult werden, brauchen sie vor allem zwei Dinge: Ein markantes Design und eine spannende Geschichte. Nicht umsonst baut Mercedes das G-Modell schon seit 30 Jahren, nicht umsonst haben Autos wie der Jeep Wrangler oder der Land Rover Defender nun schon mehr als 50 Jahre ohne gravierende Veränderung überlebt. Und nicht umsonst ist der Hummer ein Offroader, nach dem sich überall auf der Welt die Leute umdrehen.
Doch diese Aufzählung ist lückenhaft. Denn obwohl Toyota als wohl demnächst größter Automobilhersteller der Welt auch zu den führenden Anbietern von Geländewagen und Pickups zählt, haben die Japaner in der Nische "Kult und Tradition" bis dato nichts zu bieten. Dabei beackern sie das Allradfeld schon seit mehr als 40 Jahren. Mit dem FJ 40 haben sie den amerikanischen Kontinent ebenso erobert wie die Wüsten Afrikas oder die Steppen Asiens. Doch die Erfolgstory wurde in den 1980er Jahren beendet, ohne dass ein anderes Modell die Geschichte weiter schrieb.
Ein Hauch Retro-Design - aber leider nur für Amerika
Das Manko hat mittlerweile auch Toyota erkannt, und so präsentierte die Marke vor gut zwei Jahren eine Designstudie, die Klassik und Kult zusammenführen und eine Brücke vom Gestern ins Heute schlagen sollte. Zwei Jahre später nun zielt dieser 4,67 Meter lange, 1,90 Meter breite und 1,82 Meter hohe Konkurrent von Hummer H3 und Mercedes G-Modell unter dem Namen FJ Cruiser auf "junge und jung gebliebene Kunden, die ein robustes Auto mit klassischer Optik, aber moderner Technik zu schätzen wissen" - offiziell allerdings nur in den USA. Trotzdem war SPIEGEL ONLINE mit dem neuen Spielmobil jetzt in Deutschland unterwegs.
Auf den ersten Blick sieht der Wagen aus, als käme er direkt aus der Playmobil-Welt: Nach dem Vorbild des Urahns haben die Japaner einen Geländewagen kreiert, der alle klassischen Attribute der kindlichen Autovorstellung erfüllt. Eine hohe Front, fast senkrecht aufragende Scheiben, eng zusammen stehende Rundscheinwerfer, markante Anbauteile und ein großes Trägersystem auf dem Dach. Dabei zitiert der FJ Cruiser mit der modern interpretierten Nase und der bis zur C-Säule vorgezogenen Heckscheibe einerseits seinen Vorfahren, setzt aber anderseits auch moderne Akzente. Blinker und Rückleuchten wirken cool, in den großen Außenspiegeln gibt es kleine Zusatzscheinwerfer, das Dach sticht in Weiß aus der Masse heraus, und die Abdeckung des Reserverades an der Hecktür sieht aus, als wäre ein anderer Cruiser über den noch weichen Kunststoff gefahren.
Ähnlich verspielt und detailverliebt ist der Innenraum gestaltet. So blickt der Fahrer auf ein Cockpit, das fast so viele Anzeigen, Hebel und Schalter enthält wie die Kanzel eines Verkehrsflugzeuges. Ähnlich unübersichtlich wie dieses Sammelsurium ist das ganze Auto vom Fahrerplatz aus. Der Blick nach draußen ist beschränkt, weil die Frontscheibe flach wie eine Schießscharte ist und die Seitenscheiben tief getönt sind, um die Privatsphäre zu schützen. Vorne gibt es reichlich Platz, im Fond ist es enger. Dafür kann man aber hinten bequem einsteigen: Auch wenn man es nicht gleich sieht, ist der FJ Cruiser ein Viertürer, dessen hinterer Zustieg sich entgegen der Fahrtrichtung öffnet.
Eine Offroad-Orchidee für 33.700 Euro
Der Wagen ist in den USA mit einem Grundpreis von rund 23.000 Dollar konkurrenzlos günstig und beim deutschen Importeur USCars24.de mit 33.700 Euro eingepreist. Die Ausstattung ist gehoben. So sind zum Teil allerdings gegen Aufpreis neben Allradantrieb auch sechs Airbags, ABS, ESP, Bremsassistent und elektronische Bremskraftverteilung ebenso an Bord wie Klimaautomatik und Musikanlage mit CD-Wechsler, für die es im Kofferraum auf Wunsch einen Subwoofer im Format eines Umzugskartons gibt.
Technisch bedient sich der FJ Cruiser beim amerikanischen Toyota-Modell 4Runner, von dem er den Allradantrieb übernimmt, und vom aktuellen Land-Cruiser, der den Leiterrahmen, das Fahrwerk und vor allem den ausgesprochen amerikanischen Motor spendet. Unter der riesigen Haube steckt ein vier Liter großer V6, der schon im Leerlauf blubbert wie ein Hafenschlepper. Im Stadtverkehr rauschen rund 14 Liter Benzin in die Brennräume. Dafür macht der Motor aber mit 239 PS und 377 Nm auch ordentlich Dampf, beschleunigt den Geländegänger in 8,6 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h. Und obwohl der FJ Cruiser natürlich amerikanisch abgestimmt ist, fährt er auch auf deutschen Landstraßen ganz flott um die Kurven.
"In den USA ist der FJ Cruiser ein absoluter Renner", sagt Dieter Thiel vom Importeur in Wuppertal. Doch in Europa sieht Toyota offensichtlich nicht genügend Nachfrage. "Ohne Dieselmotor ist dieses Auto bei uns nicht sinnvoll zu vermarkten", sagte der deutsche Kommunikationschef Dietrich Hartmann bereits bei der Premiere des Geländewagens im Januar auf der Motorshow in Detroit. "Deshalb ist der Import dieses Modells vorerst nicht geplant." Thiel sieht das anders, und seine Statistik gibt ihm Recht. "Die ersten paar Dutzend Autos sind bereits verkauft." Manchmal beginnt ein Kult eben recht bescheiden.