Toyota Verso: Fleißkärtchen für den Kompaktvan - DER SPIEGEL
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Toyota Verso Fleißkärtchen für den Kompaktvan

Etwas mehr Platz, wirkungsvollere Airbags, sparsamere Motoren, windschlüpfigeres Design - Toyotas neuer Kompaktvan Verso tritt mit vielen Detailverbesserungen an, ohne das bewährte Grundkonzept anzutasten. SPIEGEL ONLINE war mit dem Familienauto bereits unterwegs.
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Jeden Spieler jeden Tag ein bisschen besser zu machen - das war das Versprechen des Fußballtrainers Jürgen Klinsmann gleich nach seinem Dienstantritt bei Bayern München. Die Idee der permanenten Optimierung wohnt auch dem neuen Toyota Verso inne. Nichts an dem Auto ist revolutionär, doch sehr viele Kleinigkeiten wurden im Vergleich zum bisherigen Modell verbessert. Immerhin ist der Wagen, der ab 25. April bei den deutschen Händlern stehen wird, nach Toyota-Zählung bereits die dritte Generation der Baureihe seit dem Debüt vor sieben Jahren.

Die stetige Verbesserung in kleinen Schritten soll auch durch den neuen Name unterstrichen werden. Bislang hieß der Wagen Corolla Verso - jetzt nur noch Verso. Toyota will so die Eigenständigkeit des Modells verdeutlichen, zumal das Auto erstmals auf einer individuellen Plattform steht. "Wir haben die Handlingeigenschaften deutlich verbessert", sagt Chefingenieur Masato Katsumata. Bestätigt findet man diese Behauptung schon nach den ersten Testkilometern: Trotz des Längenzuwachses um sieben Zentimeter auf 4,40 Meter wirkt der Verso sehr beweglich und für seine Größe beinahe leichtfüßig.

Der geschmeidige Fahreindruck rührt auch daher, dass der Verso ausgesprochen leise seine Aufgaben erledigt. Grund dafür ist eine akribische Dämmung des Innenraums sowie ein verkleideter Unterboden, der nebenbei den Luftwiderstand senkt und den cW-Wert auf den von Kompaktvans bislang unerreichten Wert von 0,29 drückt. Dazu kommt eine neue, serienmäßig installierte elektrische Servolenkung, deren Steuergerät unter anderem dafür sorgt, dass Vibrationen der Vorderräder nicht bis zum Lenkrad durchdringen.

Toyota drückt Flottenemission wohl unter 140 Gramm CO2

Bei den Motoren wiederum bemühten sich die Techniker vor allem um Verbrauchsreduzierungen. Zwei Benziner und drei Dieselaggregate sind im Angebot, insgesamt reicht das Leistungsspektrum von 126 bis 177 PS. In unserem Testauto steckte der stärkere der beiden Ottomotoren mit 1,8 Liter Hubraum und 147 PS unter der Haube. Dank der neuen Ventilsteuerung Valvematic, die sowohl die Steuerzeiten als auch den Hub der Ansaugventile variabel verstellt, stieg die Leistung im Vergleich zum bisherigen 1,8-Liter-Vierzylinder um 18 PS, während der Durchschnittsverbrauch von ehemals 7,7 auf jetzt 6,9 Liter sank.

Optimal Drive nennt Toyota die zahlreichen Maßnahmen, mit denen alle neuen Motoren auf Sparsamkeit getrimmt werden. Bis zum Ende des Jahres sollen 80 Prozent der Modelle mit derartigen Triebwerken bestückt sein. Und so kündigt Technik-Sprecher Tim Fronzek bereits jetzt an, dass der durchschnittliche CO2-Ausstoß der in Europa verkauften Toyota- und Lexus-Flotte in diesem Jahr unter 140 Gramm pro Kilometer sinken wird. Der japanische Konzern zementiert damit seine Rolle als umweltfreundlichster Vollsortimenter der Autobranche.

Einstiegspreis bleibt stabil

Auch in der Preispolitik agiert Toyota konsequent: Das Basismodell des neuen Verso kostet 21.250 Euro und damit exakt so viel wie die Vorgängervariante. Sieben Airbags - die Kopfairbags reichen jetzt übrigens bis in die dritte Sitzreihe -, ESP, ABS, LED-Heckleuchten und eine Gangwechselanzeige bei den Modellen mit Schaltgetriebe sind Standard. Allerdings fehlen bei der Grundausstattung eine Klimaanlage (Aufpreis 1200 Euro) und das sogenannte Easy-7-Sitzsystem, mit dem sich insgesamt 32 Innenraumkonfigurationen arrangieren lassen, gehört erst ab dem zweiten Ausstattungsniveau (Verso Life, Aufpreis 2450 Euro) zum Lieferumfang.

Was angenehm auffällt am Toyota Verso ist das Design. Zwar sind Kompaktvans schon aufgrund der klobigen Architektur generell keine Schönheiten, doch in diesem Fall ist die Form klar und attraktiv definiert. Auf Mätzchen wie übertrieben ziselierte Scheinwerfer an Front und Heck verzichteten die Designer diesmal, stattdessen prägt ein eleganter Schwung die Silhouette. Und im Innenraum durchbrechen ein leicht zur Mitte hin verschobenes, gut ablesbares Cockpit sowie originell gestaltete Türgriffe und Türöffner die sonst übliche Routine.

Gute Lösung: der Rückfahrmonitor sitzt im Innenspiegel

In der Liste mit den Extras finden sich zwei erwähnenswerte Details. Erstens gibt es für die Top-Ausstattung namens Verso Executive ein Festplatten-Navigationssystem inklusive Rückfahrkamera (Aufpreis 1900 Euro); das Besondere daran ist, dass beim Rückwärtsfahren das Bild der Kamera nicht auf den Monitor in der Armaturentafel übertragen wird, sondern auf einen kleinen Bildschirm, der in den Innenspiegel integriert ist - das ist keine schlechte Idee. Dagegen wirkt es irgendwie kleinlich, dass Toyota die Einparkhilfe für Front und Heck getrennt anbietet - und kurioserweise kostet der Rempelwarner vorne 390, hinten hingegen nur 350 Euro.

12.000 Verso-Modelle möchte Toyota in einem vollen Verkaufsjahr in Deutschland absetzen. Das ist ambitioniert, doch die Verantwortlichen vertrauen auf einen stabilen Markt für Familienautos. Und sie setzen auf die europäische Verarbeitungsqualität des Autos, das im Toyota-Werk im türkischen Adapazari gebaut wird.