Toyota Verso-S: Der Vier-Meter-Riese - DER SPIEGEL
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Toyota Verso-S: Der Vier-Meter-Riese

Toyota Verso-S Der Vier-Meter-Riese

Mit dem Modell Yaris Verso besetzte Toyota vor elf Jahren die Nische der extra-geräumigen Kleinwagen. Das Auto wurde 2005 ohne Nachfolger eingestellt - kommt jetzt aber unter dem Namen Verso-S wieder zurück: etwas länger, etwas schicker, aber mit kleinerem Laderaum.
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Außen möglichst kompakt, innen möglichst geräumig - dieses Paradox versuchen Autohersteller immer wieder aufzulösen, und der schlaueste Versuch bislang brachte den Minivan hervor, den Kleinwagen mit Rucksack sozusagen. Toyota fing damit im Jahr 2000 an, das Modell hieß Yaris Verso und sah aus wie ein eingelaufener Lieferwagen. Das voluminöse Heck machte das Auto sehr praktisch, ließ ihn aber auch ziemlich plump aussehen. Andere Hersteller griffen die Minivan-Idee auf, verpackten sie aber gefälliger.

Das tut Toyota jetzt auch, mit dem zweiten Anlauf in der Klasse der Gernegroß-Modelle. Das neue Modell, das ab 19. März bei den deutschen Händlern stehen wird, heißt Verso-S, ist 3,99 Meter lang und wirkt ganz und gar nicht mehr kantig-kastig. Die voluminöse Grundform ist natürlich geblieben, doch kaschieren auffällig geformte Leuchteinheiten vor und hinten, eine schwungvolle Seitenfenstergrafik und fein modellierte Stoßfänger und Radhäuser das stets etwas dröge One-Box-Design erfolgreich.

Der Kofferraum fast zwischen 429 und 1388 Liter. Der alte Yaris Verso bot zwar mit bis zu 1900 Liter wesentlich mehr Stauvolumen, dafür aber gibt es im Verso-S an jeder Seite des Kofferraums einen Hebel, mit dem sich jeweils ein Part der geteilten Rücksitzlehne mit einem Handgriff flachlegen lässt. Toyota-Sprecher Jürgen Stolze, stets um Anschaulichkeit bemüht, erläutert, das maximale Ladevolumen des neuen Verso-S entspräche umgerechnet der Wassermasse von zwölf Vollbädern oder - Toyota Deutschland sitzt schließlich in Köln - 6940 Gläsern Kölsch. "Also ungefähr der Bierbedarf einen kleinen Hochzeit im Bergischen Land." Noch mal anders ausgedrückt: Der Laderaum ist recht ordentlich.

Toyota ist bekannt für das Prinzip "kaizen", also das stetige Verbessern der Produkte. Im Fall des neuen Modells gibt es in dieser Hinsicht allerlei zu vermelden: So besteht die Karosserie zu 45 Prozent aus besonders leichten Stählen, das Gewicht des Kabelbaums wurde um 30 Prozent gesenkt, weil Aluminium statt Kupfer zum Einsatz kommt. Der Laderaumboden wiederum besteht aus Kenaf-Fasern, die Ventildeckel und Ansaugkrümmer des Benzinmotors aus Kunstharz, auch das spart Gewicht.

Leichtbau in vielen kleinen Details

Insgesamt bringt der Wagen lediglich 1145 Kilogramm auf die Waage - nicht schlecht für einen Fünfsitzer mit reichlich Gepäckraum und kompletter Sicherheitsausstattung, zu der ab Werk sieben Airbags, ESP, ABS, Bremsassistent und Traktionskontrolle gehören. Bei den Antrieben bietet Toyota die Wahl zwischen einem 1,4-Liter-Dieselmotor mit 90 PS und einem 1,3-Liter-Benziner mit 99 PS. Beide sind standardmäßig mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe kombiniert, es gibt aber auch je eine Automatik.

Der weit überwiegende Teil aller Kunden im Minivan-Segment, das übrigens mit einem Durchschnittsalter der Käufer von 58 Jahren zu den ältesten überhaupt zählt, wird sich für den Benziner entscheiden. Bei ersten Testfahren waren wir ebenfalls mit dieser Motorisierung unterwegs, außerdem mit dem stufenlosen Getriebe Multidrive S (Aufpreis 1275 Euro) und einer Start-Stopp-Automatik (Aufpreis 470 Euro), die ausschließlich für den Benziner als Option angeboten wird. Diese Kombination ist insofern bemerkenswert, als es die erste überhaupt auf dem Markt ist, in der ein stufenloses Getriebe zu einem niedrigerem Verbrauch führt. Für den Verso-S bedeutet das 5,0 Liter Durchschnittsverbrauch und entsprechend 117 Gramm CO2 je Kilometer. Nach der Testrunde meldete der Bordcomputer 5,6 Liter Verbrauch.

Allerdings erreicht man diesen Wert nur, wenn man die Finger von der "Sport"-Taste lässt, mit der sich die Getriebesteuerung etwas schärfen lässt. Aber Sportlichkeit und Minivan sind eh zwei unterschiedliche Welten. Bei hohen Drehzahlen lärmt der Motor enorm, und so gewöhnt man sich ganz automatisch eine sanfte, zurückhaltende Fahrweise an. Dazu - und zum schon erwähnten hohen Altersdurchschnitt der Käufer - passt das ganze Auto auch viel besser. Die Sitzposition ist angenehm aufrecht, das Fahrwerk bemüht sich um Ausgleich der meisten Fahrbahnverwerfungen, die elektrische Servolenkung bleibt im Hintergrund. So ungefähr sieht völlig neutrales Autofahren aus.

Ein in dieser Klasse außergewöhnliches Multimedia-System

Für Aha-Effekte beim Verso-S sorgt allenfalls das riesige Panoramaglasdach, das nahezu das komplette Dach überspannt und 450 Euro extra kostet. Zweites Extra mit Überraschungseffekt ist das Multimedia-System mit Touchscreen, Freisprecheinrichtung, Musikanlage, MP3-Wiedergabe, USB-Anschluss mit iPod-Steuerung und integrierter Rückfahrkamera. Die Anlage ist aber der dritten von insgesamt vier Ausstattungsversionen serienmäßig an Bord. Ab Juni kann man das System mit einem Navigationssystem, für 550 Euro nachrüsten.

Mindestens 4000 Exemplare des Verso-S will Toyota noch in diesem Jahr in Deutschland verkaufen, danach sukzessive immer mehr. Schließlich wächst das Minivan-Segment auch insgesamt. "Da", sagt ein Toyota-Sprecher, "wollen wir dabei sein."