Toyota Yaris Der Gernegroß
Mit dem Yaris schlug Toyota vor sechs Jahren eine neue Richtung ein. Der Kleinwagen war damals das erste Modell der japanischen Marke, das in Europa entwickelt und designt worden war und das auch hier gebaut wurde - im französischen Werk Valenciennes. Allerdings überstieg die Nachfrage nach dem keck geformten Wägelchen die Kapazität der Fabrik in Nordfrankreich, weshalb bis zuletzt Yaris-Nachschub aus Japan herbeigeschafft werden musste. Mit dem Modellwechsel soll das nun anders werden, denn Toyota baut das Werk für 110 Millionen Euro aus, wird 1000 neue Leute einstellen und dann pro Jahr 270.000 Yaris-Modelle in Valenciennes fertigen können.
Toyota Yaris: Glatter, größer, seriöser
"Dann können wir endlich auch alle Kaufinteressenten in Deutschland bedienen", sagt Dietrich Hartmann, Kommunikationschef bei Toyota in Köln. Zuletzt verkaufte die Marke hierzulande rund 22.500 Yaris pro Jahr - mehr wurden den deutschen Händlern nicht zugeteilt. Im nächsten Jahr allerdings planen die Verantwortlichen mit "mindestens 30.000" Yaris in Deutschland, eine Steigerung, die einige Konkurrenzmarken erschrecken dürfte.
Zumal der neue Yaris eine ziemlich gute Figur macht. Im Vergleich zum Vorgänger ist das Auto auf 3,75 Meter (plus elf Zentimeter) gewachsen, und auch Höhe, Breite und Radstand nahmen geringfügig zu. Das Kofferraumvolumen lässt sich zwischen 275 (das Unterboden-Staufach fasst allein 50 Liter) und maximal 1183 Liter variieren, die Rückbank ist geteilt, kann um 15 Zentimeter in Längsrichtung verschoben und mit einem Handgriff so umgeklappt werden, dass ein ebene Ladefläche entsteht. Ein weiteres Plus ist der durchgehende Boden im Fond - es gibt keinen Buckel mehr in der Mitte.
Vorne pflegt der neue Yaris die Eigenarten des alten Modells weiter: Das Cockpit ist zentral platziert, vor dem Lenkrad gibt es anstelle von Anzeigeinstrumenten ein kleines Handschuhfach für den Fahrer, dessen Deckel allerdings recht klapprig wirkt. Das gilt auch für die Klappen der beiden Ablagefächer auf der Beifahrerseite. Ansprechend dagegen ist der farblich abgesetzte Armaturenträger gestaltet - das Teil sieht gut aus, ist übersichtlich gegliedert und macht einen hochwertigen Eindruck.
Viel mehr Eindruck aber möchte Toyota mit der Sicherheitsausrüstung des Yaris machen. ABS und Bremsassistent sind in allen Varianten an Bord, ebenso sieben Airbags, denn erstmals in dieser Klasse erhält der Fahrer einen Luftsack zum Schutz seiner Knie. ESP und Traktionskontrolle gehören - mit Ausnahme der Basisversion mit dem Dreizylinder-Benzinmotor - in den Yaris-Modellen ebenfalls zur Grundausstattung. So gerüstet erzielte der Wagen beim Euro-NCAP-Crashtest die Maximalwertung von fünf Sternen.
| Hersteller: | Toyota |
|---|---|
| Typ: | Yaris |
| Karosserie: | Kleinwagen |
| Motor: | Vierzylinder-Benziner |
| Hubraum: | 1.296 ccm |
| Leistung PS: | 87 PS |
| Leistung kW: | 64 kW |
| Drehmoment: | 121 Nm |
| Von 0 auf 100: | 11,5 Sek. |
| Höchstgeschw.: | 170 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 6 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 142 g/km |
| Kraftstoff: | Superbenzin |
| Kofferraum: | 275 Liter |
| umgebaut: | 1.183 Liter |
| Versicherung (HP): | 14 € |
| Versicherung (TK): | 15 € |
| Versicherung (VK): | 12 € |
| Preis: | 13.050 € |
Drei Motoren sind für den Neuen im Angebot, zwei Benziner mit 70 und 87 PS (51 und 64 kW) sowie ein Diesel mit 90 PS (66 kW). Den Löwenanteil wird nach der Prognose von Toyota der mit 1,3 Liter Hubraum größere der beiden Benziner ausmachen. Mit diesem Modell starteten wir zur Testfahrt - und wurden nicht enttäuscht. In Kombination mit dem serienmäßigen Fünfgang-Schaltgetriebe ergibt die Maschine einen passenden Antrieb für den Yaris. Ab Tempo 130 drängt sich das Motorengeräusch zwar deutlich in den Vordergrund, doch richtig laut wird es im Auto nie. Auch verkneift sich der Yaris sportliche Ambitionen: Dämpfung und Federung sind kommod, die Servolenkung vermittelt ein ausgewogenes Fahrgefühl und solange das Auto nicht voll besetzt ist oder die Steigung allzu arg wird, geht es angemessen zügig voran.
Als Durchschnittsverbrauch gibt Toyota 6,0 Liter an. Nach rund 130 Kilometern über Autobahn, kurvige Landstraßen und im Stop-and-go-Verkehr durch die Stadt blieb der Bordcomputer bei einem Durchschnittsverbrauch von 7,0 Liter je 100 Kilometer stehen. Das ist nicht besonders sparsam für ein Auto dieses Formats, zumal auch das Leergewicht mit gut tausend Kilogramm noch ziemlich verbrauchsfreundlich ist. Wer also sparsam unterwegs sein möchte, muss wohl den Diesel-Yaris fahren, doch der kostet mindestens 14.450 Euro und damit 3500 Euro mehr als das billigste Modell, nämlich der Dreitürer mit dem Dreizylinder-Benziner. Außerdem gibt's für den Selbstzünder vorerst keinen Rußpartikelfilter; erst im Laufe des nächsten Jahres wird er lieferbar sein.
Zwei Extratüren im Fond kosten 700 Euro Aufpreis
Womit muss man noch kalkulieren? Zum Beispiel damit: Die fünftürigen Versionen kosten jeweils 700 Euro Aufpreis, Mica- oder Metalliclack wird mit 390 Euro extra berechnet, Seitenschutzleisten mit 62 Euro und eine Einparkhilfe mit 370 Euro. Eine Klimaanlage gibt es ab Werk erst für die beiden höheren Ausstattungsniveaus, in den beiden anderen Standards kostet sie 1100 Euro zusätzlich. Serienmäßig sind neben der bereits behandelten Sicherheitsausstattung stets die sogenannten Easy-Flat-Rücksitze und eine CD-Musikanlage.
Jetzt, wo Toyota mit dem Modell Aygo ein neues Einstiegsmodell im Programm hat, soll der Yaris ein wenig nach oben rücken und die Lücke zwischen dem Stadtknirps Aygo und dem Kompaktmodell Corolla füllen. Entsprechend wurde auch das Design etwas gestrafft und damit einen Tick seriöser als beim eher auf niedlich getrimmten Vorgänger. Der Yaris soll als ausgewachsenes Auto wahrgenommen werden, weshalb auch an Kleinigkeiten gefeilt wurde. Yaris-Produktmanager Michael Potthast empfiehlt beispielsweise unbedingt, auf das "satte Türschließgeräusch" zu achten. Bis der Yaris aber so groß ist, wie er schon jetzt klingt, wird es noch einige Generationen dauern.