Toyota Yaris: Kleinwagen mit Web-Anschluss - DER SPIEGEL
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Toyota Yaris: Warten aufs Hybridmodell

Toyota Yaris Kleinwagen mit Web-Anschluss

Toyota hat den Yaris herausgeputzt. Die dritte Generation des Kleinwagens bietet mehr Platz und glänzt mit einem bemerkenswerten Infotainment-System. Die Motoren haben die Ingenieure dabei allerdings ein wenig aus dem Blick verloren.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Kann sich noch jemand erinnern, wo wir neulich so gut gegessen haben? Hieß das Restaurant "Julians", "Johnnys" oder "Jeromes"- und wie war noch mal die Adresse? Solche Fragen können die Reiseplanung gehörig durcheinander bringen, die Fahrt in den Samstagabend in die Länge ziehen und zu ebenso hektischem wie gefährlichem Gefummel am Mobiltelefon führen. Es sei denn, man sitzt im neuen Toyota Yaris und hat für 550 Euro Aufpreis das Navigationssystem "Touch & Go" mitbestellt. Denn wie sonst eigentlich nur Oberklasse-Fahrzeuge oder Kleinwagen deutscher Nobelhersteller holt die dritte Generation des Toyota Yaris damit das Internet ins Auto. Drei Fingertipps auf dem großen Touchscreen, und Google sei Dank, ist der richtige Name des Restaurants gefunden, die Adresse als Navigationsziel übernommen und gleich auch schon ein Tisch reserviert.

Das System, das als Schnittstelle zur Datenautobahn das Mobiltelefon des Fahrers nutzt, und obendrein auch als Freisprechanlage, Musikbox, Diaprojektor oder SMS-Terminal fungiert, außerdem eine Rückfahrkamera enthält und über spezielle Apps Benzinpreise vergleichen, Facebook-Kontakte pflegen oder freie Parkplätze suchen kann, ist der ganze Stolz der Toyota-Verantwortlichen. "Damit wollen wir neue Zielgruppen erreichen und dem Wagen einen jugendlichen, modernen Anstrich geben", sagt Fabio Capano, der europäische Marketingchef.

Mit diesem Anspruch wurde auch das Design des Autos überarbeitet. Zwar sollen die bislang 5,5 Millionen Bestandskunden des in Europa erfolgreichsten Toyota-Modells nicht verprellt werden, doch sieht der Yaris außen jetzt deutlich kantiger und knackiger aus und macht auch innen einen reiferen Eindruck. Die Cockpit-Instrumente rücken aus der Mitte wieder hinter das Lenkrad und die Kunststoffe sind zwar nach wie vor grau, sind jetzt aber zumindest fein gemustert und nicht mehr so hart wie Playmobil-Plastik.

Kleiner Längenzuwachs, großer Raumgewinn im Innenraum

Neben dem Design ist es besonders das Format, das den neuen Yaris vom Vorgängermodell unterscheidet: Drei- und Fünftürer haben in der Länge um fünf und im Radstand sogar um zehn Zentimeter zugelegt. Damit ist er mit 3,89 Metern immer noch eine Handbreit kürzer als Konkurrenten wie der VW Polo oder der Renault Clio, bietet aber trotzdem etwas mehr Platz als die Rivalen. "Außen klein, innen groß", beschreibt Chefingenieur Hirofumi Yamamoto die Formel, die den Yaris dank dünner aber trotzdem bequemer Sitze und schlanker Stahlprofile unter dem Blech zu einem kleinen Raumwunder macht. Vor allem im Fond und im jetzt 286 Liter großen Kofferraum ist der Raumgewinn so deutlich spürbar, dass Toyota bei der neuen Generation zum Beispiel auf eine verschiebbare Rückbank verzichtet hat.

Wenn Produktmanager Hakim Halimi die Vorzüge des neuen Yaris aufzählt, dann spricht er vor allem vom Design, dem neuen Infotainment-System und dem guten Preis-Leistungsverhältnis. Immerhin koste die Basisversion unverändert 11.675 Euro, und in den gehobenen Varianten führe die bessere Ausstattung gegenüber dem Vorgänger gar zu mehreren hundert Euro Preisvorteil, rechnet er vor. Was Halimi bei der Aufzählung der Vorzüge ausspart, ist die Technik - aus gutem Grund.

Zumindest vorerst nämlich bietet das Auto da nur Mittelmaß. Im nächsten Sommer erst, wenn es den Yaris als einen der ersten Kleinwagen auch mit Hybridantrieb geben wird, kann der Produktmanager wieder was zu diesem Thema berichten. Bis dahin aber sollten über die Motoren besser keine großen Worte gemacht werden. Zwar verbrauchen die Triebwerke wegen einigen Feinschliffs und dem im Schnitt 20 Kilo leichter gewordenen Yaris-Modellen tatsächlich etwas weniger Sprit, aber im Prinzip sind der ein Liter große Dreizylinder mit 69 PS im Basismodell, der 99 PS starke 1,33-Liter-Benziner und der Diesel mit 1,4 Litern Hubraum und 90 PS allesamt alte Bekannte, die der Konkurrenz mittlerweile ein wenig hinterher fahren.

Der größere Benzinmotor wirkt schlapp und träge

Besonders spürt man das beim 1,33-Liter-Benziner, der auf den größten Verkaufsanteil kommen dürfte. Der Motor entwickelt maximal 125 Nm Drehmoment und wirkt entsprechend träge. Man muss ihn ordentlich treten und darf erst spät zum Schaltknauf greifen, wenn man halbwegs flott in Fahrt kommen will. Dann jedoch stört der sägende Sound des Vierzylinders, und auch der Verbrauch leidet unter den hohen Drehzahlen: Mit einem Normwert von 5,3 Litern ohnehin schon nicht herausragend, steigt in der Praxis der Spritkonsum noch höher. Selbst die für 550 Euro Aufpreis erhältliche Start-Stopp-Automatik gleicht das nicht aus. Das schürt den Wunsch nach einem kleinen Turbo-Direkteinspritzer, wie man ihn bei VW oder Peugeot längst kaufen kann.

Toyotas hohe Erwartungen an das Auto werden durch derartige Einschränkungen nicht geschmälert. Die Japaner wollen von ihrem wichtigsten Modell in Europa im nächsten Jahr gleich 200.000 Exemplare verkaufen. In Deutschland sollen es 2012 rund 27.000 Yaris-Neuzulassungen werden und in diesem Jahr noch 5000. Ein Anfang ist bereits gemacht: Obwohl die Auslieferung der Wagen erst am 15. Oktober beginnt und noch kein Kunde den neuen Wagen fahren konnte, sind bereits mehr als 600 Exemplare verkauft.