Tradition light: Opel und die Roadster - DER SPIEGEL
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Tradition light Opel und die Roadster

Seit Jahren tingelt Opel mit dem offenen Zweisitzer Speedster über die Automobilmessen. Ende Oktober kommen nun endlich die ersten Modelle zu 290 ausgewählten Händlern in Deutschland. Um das Interesse an dem Sportwagen hochzukitzeln, versuchen die Rüsselsheimer, ihn in eine eigentlich nicht vorhandene Tradition zu stellen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Offene Sportwagen haben bei Opel Tradition", verkündet das Unternehmen. Das klingt zwar gut, ist aber höchst euphemistisch formuliert. Denn genau genommen ist der Speedster ein neuer Versuch, nach jahrzehntelanger Roadster-Abstinenz in diese kleine, aber höchst angesehene Marktnische vorzustoßen. Opel hat allen Grund dazu, denn die technisch grundsoliden Fahrzeuge der GM-Tochter leiden seit Jahren unter ihrem Gähn-Image.

Doch statt mit einem neuen Modell beherzt auf einen Neuanfang in Sachen Ansehen zu setzen, wird die Vergangenheit bemüht. Als Kronzeugen der "Roadster-Tradition" bei der Marke mit dem Blitz im Logo werden der so genannte 1,8 Liter Moonlight-Roadster aus dem Jahre 1933 und der Opel Aero GT aus dem Jahre 1969 angeführt. Wahrscheinlich werden sich auch hartgesottene Opel-Fans kaum an diese Modelle erinnern, denn sie waren das, was man in der Branche Exoten nennt.

Von dem durchaus elegant und sportlich gestylten Zweisitzer aus den Dreißigern, der damals mit einem 1,8-Liter-Reihensechszylindermotor mit 33,5 PS (24,6 kW) und einer Höchstgeschwindigkeit von rund 95 Stundenkilometer vorfuhr, wurden lediglich 51 Exemplare gebaut. Erhalten geblieben ist ein einziges, das sich in Besitz der Adam Opel AG befindet und jetzt, im Zuge der Speedster-Markteinführung, vor die Kameraobjektive gefahren wird.

Auch der Aero GT ist eine Orchidee im Opel-Modellgarten: Eine offene Version des legendären Sportcoupés Opel GT, das 1965 als Studie vorgestellt und ab 1968 ausgeliefert wurde. Doch von dem Aero GT genannten Targa-Sportwagen wurden lediglich zwei Prototypen gebaut ­ mit Karosserien der italienischen Blechdesigner Fissore und Michelotti. Zwar erregte der offene GT bei der IAA im Jahre 1969 großes Aufsehen, doch zu einer Serienfertigung kam es nie.

Jetzt, gut 30 Jahre später, setzt Opel seine "Roadster-Tradition" also fort: Mit dem Speedster, einem nahern Verwandten des Lotus Elise. Der Mittelmotor-Wagen wird mit einem 2,2-Liter-Vierzylinder mit 147 PS (108 kW) ausgestattet sein, dank Alu-Chassis lediglich 870 Kilo wiegen und 59.900 Mark kosten. Rund 3000 Exemplare pro Jahr sollen gebaut werden. Möglicherweise kann ja der Speedster bei Opel eine Roadster-Tradition begründen, die den Namen wirklich verdient.