Volvo C30: Schickes Ende - DER SPIEGEL
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Volvo C30 Schickes Ende

Mit gläsernen Klappen an den Hecks kennt Volvo sich aus. Der "Schneewittchensarg" 1800 ES in den frühen siebziger Jahren und das Modell 480 ES in den späten Achtzigern trugen solch ein Schmuckstück. Der neue Volvo C30 reiht sich nun in diese Tradition ein.
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Man wolle auf keinen Fall "den Retrofehler machen mit diesem Auto", sagt Michael Gerber. Deshalb erwähnt der Volvo-Produktmanager die Vorgänger des C30 mit keiner Silbe. Stattdessen schwärmt er vom neuen Auto als einem unverwechselbaren Angebot für Individualisten mit "jungem Denken". Damit seien vor allem die unter 35-Jährigen als auch die über 50-Jährigen "silver agers" gemeint. "Der C30 soll eine Imagelokomotive für Volvo werden", sagt Gerber. Mehr als 80 Prozent der Käufer werden nach seiner Einschätzung von anderen Marken kommen – eine enorme Eroberungsrate

Das neue Auto soll alles andere sein als "noch irgendein Kompaktfahrzeug". Und so erlaubt sich der C30 einige Extravaganzen. Es gibt ihn ausschließlich mit zwei Türen, vier Sitzen und eben der Glasheckklappe, unter der sich ein bescheidener Stauraum (251 Liter Volumen inklusive Reserveradmulde) öffnet, der durch umklappen der beiden Rücksitze auf maximal 894 Liter erweitert werden kann. Bei diesem Wagen, erklärt der schwedische Projektchef Hakan Abrahamsson, habe man endlich einmal keine Kompromisse an den Massengeschmack oder die Platzmaximierung gemacht.

Das Auto misst 4,25 Meter in der Länge und bewegt sich damit in einer Größenordnung mit dem Audi A3 oder dem BMW 1er, mit dem die Schweden den C30 gerne vergleichen. Das Design nimmt von vorne nach hinten an Raffinesse zu: Während an der Front die typischen Volvo-Stilelemente eine klare Markenidentität schaffen, wirkt das Auto von der Seite aufgrund der geschmeidigen Dachlinie und der prägnanten Radhäuser angenehm ungewohnt, um schließlich am Heck mit breit ausmodellierten Karosserieschultern, extragroßen Rücklichtskulpturen und eben der gläsernen Klappe mit einem Ausrufezeichen zu enden.

Beeindruckendes Hinterteil, gewohntes Interieur

Man wird diesem Auto, zumindest anfangs, nachblicken, und der Blick wird hängen bleiben. Denn seit Renault beim Mégane den Karosserieabgang mit Doppelknicks ausprobierte, zeigte kein Kompaktwagen mehr ein solch beeindruckendes Hinterteil. Der Mut zum Anderssein verließ die Designer jedoch bei der Gestaltung des Innenraums. Der wirkt derart skandinavisch aufgeräumt, dass es schon wieder ins Langweilige kippt. Immerhin versuchen die Schweden ihrer anvisierten Hip-Zielgruppe gerecht zu werden, indem sie allerlei Farbvariationen für Polster und Armaturenblenden anbieten, darunter auch solche in "virtual white" – die die Optik der Apple-Computer nachahmen.

Bei den ersten Testfahrten, die jetzt auf Mallorca stattfanden, waren wir mit dem C30 D5 unterwegs, also der stärksten Dieselvariante, deren Motor 180 PS leistet und serienmäßig mit einer Fünfgang-Automatik gepaart ist. Wie bei dieser Leistung und einem Drehmoment von 350 Nm zu erwarten ist, treibt der Fünfzylinder-Turbo das Auto durchaus sportlich vorwärts. Die Maschine verbreitet dabei ein druckvolles Rumoren, während das Fahrwerk mit sanft-satter Straßenlage die Aggressivität gleich wieder dämpft. Weniger gut gefiel uns die Abstimmung der elektrohydraulischen Servolenkung: Sie vermittelt das Gefühl, ein wesentlich größeres und schwereres Auto zu dirigieren, als es der C30 ist.

Kalkuliert knapp unterhalb des Audi A3

Volvo wird den Wagen, der ab sofort bestellt werden kann und ab Mitte Januar 2007 ausgeliefert wird, von Beginn an in acht Motorversionen anbieten. Fünf Benziner und drei Dieselaggregate mit einem Leistungsspektrum von 100 bis 220 PS stehen zur Wahl. Das günstigste Modell mit dem 100-PS-Ottomotor kostet 18.600 Euro und ist damit exakt 1600 Euro teurer als ein dreitüriger VW Golf mit 102 PS und 600 Euro billiger als der identisch motorisierte Audi A3.

Volvo versteht den C30 als Premiumfahrzeug. Daher gehören einerseits sechs Airbags, ESP, eine Musik- und Klimaanlage, elektrische Fensterheber und Zentralverriegelung zum Serienumfang. Andererseits gibt es zahlreiche aufpreispflichtige Extras wie Bi-Xenon-Licht, Sportfahrwerk oder das Sicherheitssystem BLIS (Blind Spot Information System), das aus zwei Kameras in den Außenspiegeln besteht, die den toten Winkel überwachen und auf andere Verkehrsteilnehmer in diesem Bereich per roter Warnleuchte aufmerksam macht (Aufpreis zirka 850 Euro). Gleich 1450 Euro extra kostet der sogenannte Body-Kit, der diverse Karosserieteile in Kontrastfarben umfasst und die optische Individualisierung des C30 ermöglichen soll.

Gerade diese Details sind es, mit denen Volvo bei der angepeilten Kundschaft mit Hang zum Hedonismus punkten möchte. Der Plan geht scheinbar auf. In Deutschland lägen bereits 3000 Bestellungen vor, sagt Volvo-Sprecher Thomas Hanel. Im kommenden Jahr sollen insgesamt 7500, im Jahr darauf gar 9500 Exemplare des C30 in Deutschland abgesetzt werden.

Mit dem neuen Modell wollen die Schweden ihre Jahresproduktion von derzeit rund 450.000 Pkw auf etwa 600.000 Fahrzeuge im Jahr 2009 schrauben. Sie setzen dabei vor allem auf den Reiz des Andersseins, den Volvo-Fahrer offenbar gerne dokumentieren. Der Werbespruch für den C30 zielt darauf ab. Er lautet, ebenso hochtrabend wie holprig: "Ein Produkt des freien Willens."