Volvo C70 Klappt doch prima!
Für Volvo kann der Sommer bald beginnen. Beinahe zeitgleich mit dem offenen Astra, aber noch vor dem VW Eos als wichtigstem Wettbewerber, bringen die Schweden in wenigen Wochen den neuen C70 auf den Weg. Der 4,58 Meter lange Lust-und-Laune-Volvo steht ab Ende Mai beim Händler und kostet in der mit Klimaautomatik, Musikanlage, Alufelgen und vielen elektrischen Helfern bereits ordentlich bestückten Basisversion 33.300 Euro.
Volvo C70: Große Klappe für den Sommer
Dabei folgt die Ford-Tochter dem anhaltenden Trend zum Zwei-in-einem-Prinzip und ersetzt das bisherige Cabrio sowie das nicht einmal halb so erfolgreiche Coupé durch ein einziges Modell, das dafür seine Gattung auf Knopfdruck wechseln kann. Natürlich ist ein offenes Auto mit einem versenkbaren Stahldach gut zehn Jahre nach Mercedes SLK und Peugeot 206 cc nichts wirklich Neues mehr. Doch hat Volvo gemeinsam mit dem Nischen-Spezialisten Pininfarina ein Stück weiter gedacht und das erste dreiteilige Faltverdeck zur Serie gebracht. Nörgler stören sich zwar an einer kleinen Gummifuge quer über das Dach, doch ansonsten ist die Silhouette makellos.
Das dritte Element nämlich schafft genügend Spannweite, damit hinten tatsächlich jemand sitzen kann und man vorn nicht wie in einem Gewächshaus unter einer extrem weit zurückgezogenen Frontscheibe kauert. Von der Seite sieht der offene C70 daher nicht wie ein demontierter Targa, sondern tatsächlich wie ein Cabrio aus. Und auch das Heck wirkt wohl proportioniert und lange nicht so plump und wuchtig, wie man es selbst von kleineren Klappdach-Modellen kennt. Selbst wenn er den Stahlhelm aufsetzt, macht der große Schwede eine gute Figur und geht ohne Abstriche als elegantes Coupé durch.
| Hersteller: | Volvo |
|---|---|
| Typ: | C70 |
| Karosserie: | Cabrio/Roadster |
| Motor: | Fünfzylinder-Turbobenziner |
| Hubraum: | 2.521 ccm |
| Leistung PS: | 220 PS |
| Leistung kW: | 162 kW |
| Drehmoment: | 320 Nm |
| Von 0 auf 100: | 7,8 Sek. |
| Höchstgeschw.: | 240 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 9,1 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 216 g/km |
| Kraftstoff: | Superbenzin |
| Kofferraum: | 404 Liter |
| umgebaut: | 200 Liter |
| Versicherung (HP): | 17 € |
| Versicherung (TK): | 24 € |
| Versicherung (VK): | 23 € |
| Preis: | 41.200 € |
Damit das große Dach zu einem handlichen Paket für den Kofferraum wird, ist eine aufwändige Mechanik nötig, die auf Knopfdruck binnen 25 Sekunden ein nettes Schauspiel der Faltkunst zeigt: Während sich der Kofferraumdeckel entgegen der Fahrtrichtung öffnet, klappt das Dach nach oben. Danach bilden die drei Elemente ein eng belegtes Sandwich, wobei das mittlere Teilstück ganz nach unten rückt, die vordere Platte sich in die Mitte schiebt und das hintere Element den Deckel bildet. So wird dann das insgesamt 87 Kilogramm schwere Paket hinter den Rücksitzen abgelegt. Das sieht kompliziert aus, funktioniert aber bei ersten Tests absolut zuverlässig.
Fährt der C70 als Cabrio, haben alle vier Passagiere einen hübschen Platz an der Sonne. Zwar müssen Hinterbänkler, denen Easy-Entry-Sitze und große Türen den Zustieg erleichtern, schon ein wenig die Knie anziehen. Doch weist der Zollstock den Volvo in Sachen Schulter- und Kniefreiheit im Fond als Sieger aus im Wettbewerb mit dem 3er BMW oder dem Audi A4. Dennoch ist ein flotter Vierer unter freiem Himmel nur auf der Kurzstrecke eine angenehme Perspektive. Jedoch: In welchem Cabrio-Fabrikat, außer vielleicht bei Rolls-Royce oder Bentley, ist es hinten wirklich bequem?
Im Kofferraum wird es bei offenem Dach arg eng
Für Gepäck allerdings bleibt nicht mehr allzu viel Platz. Denn der mit 404 Litern eigentlich recht stattliche Kofferraum schrumpft bei offenem Verdeck auf magere 200 Liter, Platz ist dann nur noch unter einer speziellen Abdeckung. Das reicht zwar für zwei Flugzeugtrolleys, doch es bleibt nur eine zehn Zentimeter breite Ladeluke frei. Damit man größere Gegenstände trotzdem verstauen kann, hat Volvo eine Art Lastenaufzug eingebaut, mit dem das ganze Dachpaket auf Knopfdruck etwa 20 Zentimeter angehoben wird. Dann passt selbst ein Karton Prosecco durch die Luke. Ist der C70 vorübergehend geschlossen, wächst zwar der Stauraum unter der Heckklappe, doch dafür büßen die Fondpassagiere etwas Kopffreiheit ein.
Das Fahren jedoch ist offen wie geschlossen ein Genuss. Weil die Karosserie wirkungsvoll verstärkt und das Dach sehr stabil ausgelegt wurde, bewahrt der C70 auch auf schlechten Strecken eine stoische Ruhe. Kein Knistern und Knacken ist zu hören, wenn der Wagen wie jetzt bei den ersten Testfahrten im Wüstenstaat Dubai über wadenhohe Bodenwellen rumpelt, über schwungvoll in die Gegend gelegte Landstraßen flaniert oder zügig die Autobahn unter die Räder nimmt. Einzig ein paar leichte Windgeräusche bei hohen Geschwindigkeiten beweisen bei geschlossenem Verdeck, dass der C70 eben kein Coupé aus einem Guss ist.
Technisch basiert der C70 nicht mehr wie früher auf der großen, sondern auf der kleinen Plattform, die bei Volvo auch die Modelle S40 und V50 trägt. Allerdings ist das Cabrio mit nun 4,58 Metern ein wenig in die Länge gegangen, duckt sich tiefer auf den Asphalt und steht mit breiterer Spur deutlich satter auf der Straße. Innen herrscht ein vertrautes Ambiente. Ausnahmen sind lediglich die beiden Einzelsitze im Fond, ein paar zusätzliche Alueinlagen im Cockpit und das etwas griffigere Lederlenkrad. Ein paar praktische Details haben die Schweden dann doch verändert. So sind die Staufächer in den vorderen Türen nun mit der Zentralverriegelung gekoppelt; und damit man selbst dann an seine Utensilien auf den Rücksitzen herankommt, wenn das 350 Euro teure Windschott montiert ist, geben erstmals zwei Reißverschlüsse im Netzvorhang einen Eingriff von oben nach unten frei.
Neue Seitenairbags für die vorderen Passagiere
Ebenfalls zusätzlichen Entwicklungsaufwand haben die Schweden in Sachen Sicherheit betrieben. "Weil das der Kern unserer Marke ist, mussten wir uns für ein neues Cabrio natürlich auch etwas Neues einfallen lassen", sagt Produktmanager Michael Gerber und verweist neben dem gesamten Buchstabensalat elektronischer Fahrhilfen wie ABS, DSTC, dem automatisch ausfahrenden Überrollbügeln ROPS, den aktiven Kopfstützen WHIPS und dem Seitenschutz SIPS vor allem auf die neuartigen Kopf-Schulter-Airbags, die in Ermangelung eines Dachholmes in die Oberseite der Türen integriert sind. Sie sind so konstruiert, dass sie auch bei geöffnetem Fenster einen stabilen Schutz für die Passagiere bieten und halten ihre Luft wegen der ausgeklügelten Kammergeometrie besonders lange. So polstern sie die vorderen Insassen sogar bei einem Überschlag.
Aus S40 und V50 bekannt sind die drei Fünfzylinder-Benziner, mit denen Volvo zunächst für Fahrtwind sorgen wird. An der Basis steht ein 2,4-Liter mit 140 PS (103 kW), der mit 220 Newtonmeter in 11,0 Sekunden auf Tempo 100 sprintet, maximal 205 km/h erreicht und im Mittel 8,9 Liter verbraucht. Für 2300 Euro mehr gibt es diesen Motor auch mit 170 PS (125 kW) und 230 Newtonmeter. Dann sinkt der Sprintwert auf 9,1 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit steigt auf 220 km/h, und der Durchschnittsverbrauch liegt bei 9,0 Litern. Sportliches Topmodell wird der mindestens 41.200 Euro teure C70 T5 mit einem 2,5-Liter großen Turbomotor, der jetzt auch für die ersten Testfahrten zur Verfügung stand.
Der fast schon enttäuschend ruhige Fünfzylinder kommt auf 220 PS (162 kW) und zerrt mit bis zu 320 Newtonmeter vehement an der Vorderachse. Beim Beschleunigen in der Kurve muss man deshalb feste ins Lenkrad greifen. Doch wer die richtige Balance zwischen Traktion und Kavalierstart findet und geschickt mit dem gut gestuften Sechsgang-Getriebe umzugehen weiß, der kann in weniger als acht Sekunden auf Tempo 100 sprinten und danach ausprobieren, ob die Frisur auch bei 240 km/h noch sitzt. Der Verbrauch liegt dabei zwar weit entfernt von den im Normzyklus ermittelten 9,1 Litern - nämlich bei üppigen 11 bis 13 Litern. Wem die Benziner zu durstig sind, der muss sich noch ein wenig gedulden. Zum Ende des Sommers wird es den C70 als erstes Cabrio von Volvo auch mit Diesel geben - Automatikgetriebe und Rußpartikelfilter inklusive. Die meisten der rund 2000 Autos, die für den deutschen Markt in diesem Jahr noch aus der Fabrik im schwedischen Udevalla kommen, sind bereits verkauft. Der Sommer kann kommen.