Volvo S40 Leicht und lässig
Das Kombimodell V50 wird auf der Motorshow in Bologna (6. bis 14. Dezember) Weltpremiere feiern, das gemeinsam mit Pininfarina entwickelte Cabrio steht möglicherweise im kommenden September auf dem Autosalon in Paris. Und wenn man die Verantwortlichen bei Volvo nach der Wahrscheinlichkeit eines kompakten Geländemodells fragt, nach einem XC50 zum Beispiel, erhält man alle möglichen Erwiderungen - bloß kein Dementi.
Doch um diese Autos geht es hier noch gar nicht. Es geht um die Limousine S40, mit der Volvo die Erneuerung seiner bislang kleinsten Baureihe beginnt. In den USA ist dieses Modell das Wichtigste - und die USA sind der wichtigste Markt für Volvo. In Deutschland dagegen haben es kleine Limousinen schwer, weil Kombis inzwischen als sportlicher gelten und Kompaktvans als praktischer. Volvo weiß das natürlich, plant aber dennoch forsch mit 3800 verkauften S40-Exemplaren im kommenden und gar 6500 im darauf folgenden Jahr.
Der Optimismus gründet auf einem weichen Fundament: dem Design. Äußerlich sieht das Auto, das sich die technische Plattform mit dem Ford Focus C-Max und dem Mazda 3 teilt, seinen großen Brüdern S60 und S80 verblüffend ähnlich, setzt also auch auf prägnante Linien ohne modische Details. Insgesamt wirkt die Karosserie kompakt und straff und längst nicht so wuchtig wie die beiden anderen Modelle. "Wir haben es beim Volvo S40 mit einer Design-Evolution zu tun", sagt Projektmanager Peter Bleumer. "Die Revolution fand im Innenraum statt."
Genau genommen an der Mittelkonsole. Die ist nämlich nicht viel dicker als die 204 Seiten starke Bedienanleitung des Autos und fällt in einer eleganten Kurve wie ein schmaler Schleier vom Armaturenbrett hinab auf den Getriebetunnel, aus dem der Schaltknüppel ragt. Hinter der Mittelkonsole ist so ein zusätzlicher Stauraum entstanden - permanent beleuchtet von zwei grün-bläulich schimmernden LEDs. Die "frei schwebende" Konsole hat sich Guy Burgoyne ausgedacht. Der Designer erklärt, er habe sich bei der Kreation dieses Tastenträgers an "klassischen Stühlen von Arne Jacobsen, aber auch an der Ästhetik von Fernbedienungen und Flachbildschirmen" orientiert.
Das ungewöhnliche Bauteil gibt dem Innenraum eine leichte und lässige Note. Die Volvo-Designer beherrschen die Kunst der Beschränkung auf das Wesentliche: Wie außen gibt es auch innen weder Schnörkel noch Spielereien. Es herrschen Ordnung und Schlichtheit, und wer das nicht mag, wird auch niemals einen Volvo fahren.
| Hersteller: | Volvo |
|---|---|
| Typ: | S40 2.4i |
| Karosserie: | Limousine |
| Motor: | Fünfzylinder-Benziner |
| Hubraum: | 2.435 ccm |
| Leistung PS: | 170 PS |
| Leistung kW: | 125 kW |
| Drehmoment: | 230 Nm |
| Von 0 auf 100: | 8,9 Sek. |
| Höchstgeschw.: | 215 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 9,1 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 216 g/km |
| Kofferraum: | 404 Liter |
Gefahren sind wir mit dem Modell 2.4i, bei dem eine Reihen-Fünfzylinder mit 170 PS (125 kW) unter der V-förmigen Haube steckt. Auf dem Papier liest sich das beeindruckend, das Fahrgefühl ist jedoch vielmehr gediegen als gepfeffert. Dazu trägt wohl auch die Fünfgang-Automatik bei, mit der unser Testwagen ausgestattet war (Durchschnittsverbrauch bei unserer Testfahrt: 9,9 Liter). Vermutlich ist das Fünfgang-Schaltgetriebe, mit dem diese Motorvariante auch angeboten wird, die bessere Wahl für etwas lebhaftere Fahrer. Klar, das Turbomodell mit 220 PS (162 kW) bietet die schärfsten Fahrdaten, ein Auto vom Kaliber des S40 braucht keinen Sportwagenmotor.
Viel interessanter für die Kundschaft dürften die schwächeren Aggregate sein. Ein Fünfzylinder mit 140 PS (103 kW) sowie zwei Vierzylinder mit 120 (89 kW) und 100 PS (74 kW). Letzterer wird ab Anfang 2005 im Basismodell erhältlich sein, und nur für dieses Auto gibt es bislang eine Preiskalkulation. 20.500 Euro soll der Wagen kosten. Wie teuer die anderen Versionen, darunter auch zwei Diesel-Varianten (die Motoren kommen aus der Kooperation zwischen dem Ford-Konzern und PSA), sein werden, haben die Schweden noch nicht ausgerechnet.
Fest steht dagegen die Serienausstattung. Dem Markenimage entsprechend, packt Volvo das neue Auto mit reichlich Sicherheitsausstattung voll. Sechs Airbags, elektronische Stabilitätskontrolle, ABS mit Bremsassistent, Seitenaufprall- und Schleudertraumaschutz sowie zwei Weltneuheiten gehören zum Standard: Erstens Gurtwarnleuchten auch für die Rücksitze und zweitens das System IDIS (Intelligent Driver Information System). Diese Elektronik sorgt dafür, dass in heiklen Fahrsituationen (Vollbremsung, Aktivierung des Stabilitätsprogramms, scharfes Lenken und so weiter) Ablenkendes wie etwa ein Anruf oder das Aufflackern einer Warnleuchte unterdrückt werden. Obwohl die erste offiziellen Test noch ausstehen, sagt Projektmanager Bleumer: "In seiner Klasse ist der neue S40 das sicherste Auto." Unsicher ist, ob das die Kunden auch honorieren.