Volvo S60 AWD: Biss in den Schnee - DER SPIEGEL
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Volvo S60 AWD Biss in den Schnee

Um ein neues Auto zu präsentieren, treiben die Hersteller mitunter einen grandiosen Aufwand. Volvo zum Beispiel ließ jetzt erstmals im Winter den Weg zum Nordkap frei räumen, um dort ein neues Allrad-Modell vorzuführen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Arctic Adventure" nennt sich die Veranstaltung, bei der im Zwei-Tages-Rhythmus jeweils rund 50 Motorjournalisten aus aller Welt die knapp 250 Kilometer lange Fahrt vom nordnorwegischen Alta ans Nordkap antreten. Sofern es das Wetter zulässt, denn zu dieser Jahreszeit dauert es oft keine 30 Minuten, und die Straße ist unter Schneewehen verschwunden.

Volvo treibt diesen Aufwand für ein Auto, dem man von außen gar nicht ansieht, dass es neu ist. Denn die elegant und dennoch massiv geformte Limousine S60 wir bereits seit dem vergangenen Jahr angeboten. Nun kommt ein neuer Allradantrieb dazu und mit ihm das Kürzel "AWD" unter dem Typenschild auf der Heckklappe, das den Wagen als Allradler kennzeichnet. Bescheidene Kunden können aber selbst diesen dezenten Hinweis auf die Fähigkeiten ihres Automobils abbestellen.

Neu an der Antriebstechnik bei Volvo ist, dass die Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse über eine Haldex-Kupplung erstmals elektronisch überwacht und gesteuert wird. Je nach dem, wie die Haftbedingungen der Räder sind, leitet das System zwischen fünf und 70 Prozent des Drehmoments an die Hinterräder. Das gewährleistet ein kontrolliertes Vorankommen auch auf glattem Untergrund. Falls der Wagen dennoch ins Schlingern gerät, greift das DSTC ein (Dynamic Stability and Traction Control) - eine Kombination aus dem Stabilitätsprogramm ESP und der Traktionskontrolle ASR, wie diese Technik von anderen Herstellern genannt wird.

Die Funktionsweise ist die gleiche: Registrieren die Sensoren ein durchdrehendes Rad, eine ungewollte Querbeschleunigung oder andere Abweichungen von der Idealspur, greift das System ein. Dann werden eines oder mehrere Räder abgebremst oder gleich die Motorleistung gedrosselt. Der Fahrer merkt dies an einem kratzenden Geräusch und daran, das ein Tritt aufs Gaspedal keine Beschleunigung mehr zur Folge hat. Der geballte Einsatz von Hightech hat den einzigen Grund, das Auto auf der Straße zu halten, was bei einem Anschaffungspreis ab 32.300 Euro aufwärts durchaus sinnvoll ist.

Wie fein die Systeme aufeinander abgestimmt sind und wie wirkungsvoll sie arbeiten, das zu demonstrieren war der Sinn des Nordkap-Ausflugs. Die Gala gelang: Auf schneebedeckten und oft auch eisglatten Straßen ließ sich der S60 AWD beinahe so exakt bewegen, wie ein "normales" Auto auf einer "normalen" Fahrbahn. Und das durchaus zügig.

Hersteller:Volvo
Typ:S60 AWD
Karosserie:Limousine
Motor:Fünfzylinder-Benziner
Hubraum:2.435 ccm
Leistung PS:200 PS
Leistung kW:147 kW
Drehmoment:285 Nm
Von 0 auf 100:8,1 Sek.
Höchstgeschw.:210 km/h
Verbrauch (ECE):10 Liter
CO2-Ausstoß:237 g/km
Kofferraum:424 Liter
Versicherung (HP):19 €
Versicherung (TK):32 €
Versicherung (VK):23 €
Preis:32.300 €

Gehörigen Anteil daran hatten allerdings auch die in Norwegen erlaubten Spikes-Reifen, die die Schweden auf ihre Fahrzeuge aufgezogen hatte. Die 205er Reifen im 16-Zoll-Format waren mit jeweils 130 Nägeln gespickt - der in Skandinavien erlaubten Maximalzahl. So ausgerüstet kamen die Allradler auch dort vom Fleck, wo auf der Straße auch Schlittschuhlaufen möglich gewesen wäre.

Volvo bietet die Allrad-Variante des S60 ausschließlich mit dem 2,4-Liter-Fünfzylinder-Turbomotor an. Die Maschine kommt bestens mit dem Auto zurecht, Motor und Fahrzeug passen zueinander. Wählen kann man zwischen Fünfgang-Schaltgetriebe und Fünfgang-Automatik (plus 1700 Euro) sowie zwischen den Ausstattungsstufen Basis, Comfort, Premium und einem sogenannten Luxuspaket (plus 1350 Euro), das unter anderem beheizbare Vordersitze, Tempomat und auf Knopfdruck absenkbare Fondkopfstützen beinhaltet.

Der S60-Allrad wird in diesen Wochen zu den deutschen Händlern rollen. In diesem Jahr möchte Volvo noch rund 1000 Autos in Deutschland verkaufen. Möglicherweise ließe sich diese Zahl noch steigern, wenn das Modell auf mit einem Dieselmotor angeboten würde. Das sei nicht vorgesehen, heißt es jedoch bei den Schweden.

Denn zum einen laufe die Produktion des Motors für den frontgetriebenen S60 schon am Limit, zum anderen wären die 130 PS des 2,4-Liter-Selbstzünders womöglich ein bisschen zu wenig für den immerhin um 80 Kilo schweren Allradler (1440 Kilogramm). Außerdem braucht man sich so bei winterlichen Nordkap-Autotrips nicht den Kopf zerbrechen, ob der Kraftstoff auch flüssig bleibt.