Volvo S60 AWD: Kernig aber durstig - DER SPIEGEL
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Volvo S60 AWD Kernig aber durstig

Allmählich scheint es zum guten Ton der so genannten Premium-Marken zu gehören, starke Motoren mit Allradantrieb zu kombinieren. Das macht die Autos teurer, erhöht ihren Spritdurst und ist auch ein klein wenig sicherer.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Volvo folgt diesem Trend demnächst mit der Limousine S60 AWD das Kürzel steht für "All Wheel Drive", also Allradantrieb. Vorgestellt wird der Wagen erstmals auf der IAA im September in Frankfurt, zu den deutschen Händlern rollen die Autos allerdings erst gegen Ende des Jahres zu einem Grundpreis von 62.390 Mark (31.900 Euro).

Wie stets, wenn es um Eingriffe in Antriebsstrang und Fahrwerk von edleren Fahrzeugen geht, steht das Argument "Fahrvergnügen" an erster Stelle. Mit dem von Volvo angebotenen, elektronisch geregelten System kommt man eben etwas schneller um die Kurve als in einem zweiradgetriebenen Modell. Die Kraft zwischen Vorder- und Hinterrädern verteilt eine Lamellenkupplung. An welches Rad nun wie viel Drehmoment geleitet wird, bestimmt eine komplexe elektronische Steuerung, die unter anderem mit den Sensoren des ABS gekoppelt ist und ebenso mit der Steuereinheit der elektronischen Stabilitäts- und Traktionskontrolle des Autos.

Die Hightech-Ballung hat letztlich den Effekt, dass mehr Antriebskraft auf die Fahrbahn übertragen wird. Das Auto wird dadurch agiler, besser beherrschbar und somit auch ein klein wenig sicherer. Zumindest auf nassen und glatten Straßen oder im Schnee.

Auf der Kehrseite der Allrad-Medaille stehen die höheren Anschaffungskosten und der höhere Verbrauch. Volvo bietet die Allrad-Variante des S60 ausschließlich in Kombination mit dem Fünfzylinder-Reihenmotor mit 2,4 Liter Hubraum und einer Leistung von 200 PS (147 kW) an. Die Maschine liefert ein Drehmoment von 285 Nm, schafft die Standardbeschleunigung von 0 auf 100 in 8,1 Sekunden und macht eine Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h möglich. Als Durchschnittsverbrauch geben die Schweden 9,9 Liter Superbenzin je 100 Kilometer an; der Praxiswert dürfte damit über 10 Liter liegen.

Doch unabhängig davon, ob Allradantrieb für Autos im normalen Alltagsverkehr wirklich Vorteile bringt das Marketing und das Image diktieren diese Technik. Seit Audi mit seinen Quattro-Modellen die ursprünglich Geländefahrzeugen vorbehaltene Antriebsart auch im Edelsegment salonfähig machte, steigt die Nachfrage nach allradgetriebenen Fahrzeugen. Der neue Jaguar X-Type gar wird ausschließlich mit Allradantrieb angeboten ebenso wie der eben erst vorgestellte VW Passat W8. Teure und aufwendige Technik, die von Otto Normalfahrer vor allem um ihrer selbst willen gewünscht wird.