Volvo SCC: Sehen und gesehen werden - DER SPIEGEL
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Volvo SCC Sehen und gesehen werden

Dieser Volvo ist was fürs Auge. Nicht allein wegen seiner schmucken Erscheinung. Das Safety Concept Car (SCC) ist vielmehr ein rollendes Labor und glänzt mit zahlreichen Innovationen. SPIEGEL ONLINE hatte jetzt erstmals Gelegenheit, das neue Sicherheitskonzept in der Praxis zu testen.
Von Frank Wald
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Auf den ersten Blick erinnert der Volvo SCC mit seiner rundlichen Form und dem Glasheck an klassische Volvo-Coupés wie den P 1800, den legendären "Schneewittchen-Sarg", oder den Volvo 480. Für die Formgebung des 4,29 Meter langen Coupés zeichnete Volvos amerikanisches Concept-Center in Kalifornien verantwortlich, das auch schon die Coupé-ähnliche S60-Limousine kreierte.

Der Wagen markiert zugleich eine neue Ära der Zusammenarbeit zwischen Ingenieuren und Designern. "Traditionell war Volvo ein Unternehmen, bei dem die Ingenieure das Sagen hatten", sagt Chef-Designer Peter Horbury. "Und die Designer hatten die Aufgabe, eine spannende Verpackung für die Ideen zu gestalten. Beim SCC war es anders herum. Die Designer hatten die Idee, die aktive Sicherheit zu verbessern, indem jeder Fahrer die exakt identische Sicht aus dem Auto heraus hat - und zwar mit Hilfe eines sogenannten festen Augenpunktes.

"Mit dem SCC zeigen wir, dass Sicherheit auch sexy, spannend und cool aussehen kann. Etwas, das man mit Stolz seinem Nachbarn zeigt", sagt Horbury. In der Vergangenheit mussten Volvo-Kunden glauben, dass sie in einem Volvo sicher fahren. "Beim SCC sieht man die Sicherheitsaspekte sofort und jedes Mal, wenn man dieses Auto benutzt", sagt Horbury.

Bestes Beispiel dafür sind die durchsichtigen vorderen A-Säulen, die an eine Stahlträger-Konstruktion erinnern. Sie bestehen aus Metall und Plexiglas und schaffen - nach kurzer Eingewöhnungsphase - nach vorn fast eine Halbkreis-Perspektive. Den gleichen Effekt haben die nach innen gewölbten B-Säulen zwischen vorderer und hinterer Tür, die für mehr Sicht nach schräg hinten sorgen. Sollte sich von dort doch noch ein Auto aus dem toten Winkel nähern, erfassen es Sensoren im Außenspiegel und der Fahrer wird mit gelb-rot blinkenden Leuchtpunkten und schnarrendem Quäkton vor dem Anschleicher gewarnt.

Der gleiche Warnton ist zu hören, wenn die Frontkamera registriert, dass der Fahrer vom Geradeaus-Kurs abweicht. Und auch in der Dunkelheit dreht sich im SCC alles ums Thema "sehen und gesehen werden". Je schneller man fährt, umso heller leuchte die Scheinwerfer und verengen den Lichtkegel. Im Stadtverkehr dagegen streuen sie breiter. Auch passen sie sich dem Straßenverlauf an und schwenken mit, wenn der SCC abbiegt oder durch eine Kurve fährt.

Zusätzlich sorgen Infrarotscheinwerfer sowie ein Night-Vision-Display im unteren Drittel der Windschutzscheibe für tiefere Ausleuchtung als bei herkömmlichen Scheinwerfern. Weitere Mini-Kameras befinden sich im Dachträger, in den Außen- und Rückspiegeln, die über Monitor anzeigen, wer oder was sich hinter (Kinder, Tiere, Hindernisse, etc.) oder neben dem Wagen befindet.

Überhaupt ist das Auto um das "Auge des Fahrers" gebaut. Bessere Sicht gewinnt der Fahrer nach Überzeugung der Schweden in erster Linie durch die optimale Sitzposition. Deshalb erfassen im SCC Sensoren die Augenposition des Fahrers und fahren danach den Fahrersitz in die ideale Position. Parallel dazu fährt das System Pedalerie heran, Lenkrad nach vorn und Mittelkonsole inklusive Schalthebel auf Armhöhe.

Funktioniert alles prächtig, wenn auch nicht automatisch, sondern per Knopfdruck. Im dank Glasdach betont hellen Interieur experimentieren die Schweden noch mit zwei neuen Typen von Vierpunkt-Gurten. Der "Kreuzgurt" ist ein um einen zusätzlichen Brustgurt erweitertes Drei-Punkt-System. Vorteil: Die gekreuzten Gurte verteilen die Aufprallkräfte gleichmäßiger über den gesamten Brustkorb.

Beim "Hosenträgergurt" standen Rückhaltesysteme aus Rennwagen und Kindersitzen Pate. Der wie ein "V" konstruierte Gurt wird ähnlich wie ein Rucksack angelegt und mit einem Zentralverschluss über Becken und Hüfte geschlossen.

Speziell auf die Bedürfnisse von Kindern zugeschnitten ist die Rückbank: Sie st mit stufenlos höhenverstellbaren Polstern und einer nach unten klappbaren Sitzvorderkante ausgestattet, um auch kleineren Kindern eine komfortable Beinstellung zu ermöglichen.

Für den Schutz von Fußgängern und Fahrradfahrern soll ein zwischen Motorhaube und Frontscheibe integrierter Airbag sorgen. Er deckt den unteren Bereich der Scheibe ab und reduziert das Risiko eines Kontakts mit Scheibe oder A-Säule.

Die Haube selbst ist frei von scharfen Kanten ausgeformt und hält maximalen Abstand zu harten Motorteilen, wie zum Beispiel dem Zylinderkopf. Ein Aufprallwarnsystem, ein schlüsselloser Zugang zum Innenraum und eine Fernbedienung, die sich zum Personal Communicator (VPC) ausbauen lässt, rundet die geballte Ladung Hightech an Bord ab. Mit Hilfe eines Fingerabdrucksensors lassen sich persönliche Einstellungen speichern - und ein Sicherheitssystem schlägt über einen akustischen Detektor bei Einbruchversuchen Alarm. Der ist so empfindlich eingestellt, dass er die Herztöne erkennt und so auch einen im Auto zurück gelassenes Kind oder Hund entdeckt.

Also nicht nur ein Auto fürs Auge, sondern auch fürs Herz.