Volvo V70 König der Kombis
Eines muss man Volvo lassen: Viel mehr Erfahrung als die Schweden hat mit dem Kombi keiner. Denn während die deutschen Edelmarken aufs Stufenheck setzten, liefen für Lasse und Lisa im hohen Norden schon die ersten Lastenträger vom Band. Als wären sie maßgeschneidert für die Warenausgabe von Ikea, hat Volvo bereits vor 54 Jahren Kombis gebaut und damit die Basis für eine weltweite Erfolgsgeschichte gelegt. "Dieses Segment war unsere Spezialität, seit wir es damals in den fünfziger Jahren erfunden haben", sagt Volvo-Chef Frederik Arp mit Verweis auf den PV445 und gibt sich siegessicher. "Unsere Wettbewerber können darauf zählen, dass wir hier auch künftig die Nase vorn haben werden."
Der Kampfgeist kommt nicht von ungefähr. Im September geht die nächste Generation des V70 ins Rennen, den Produktmanager Michael Gerber als "Ikone der Marke" feiert. Und als Erfolgsmodell obendrein: Seit der Premiere im Jahr 2000 haben die Schweden weltweit 800.000 Exemplare des V70 verkauft, von denen mehr als 100.000 nach Deutschland geliefert wurden. Damit der Erfolg anhält, haben die Nordländer beim Modellwechsel kräftig Hand angelegt und den Kombi mit neuen Motoren, neuem Format und neuer Ausstattung noch größer, luxuriöser, sportlicher und sicherer gemacht. Außerdem ist das Design wieder ein wenig runder und dynamischer geworden.
Sechs Zentimeter mehr Radstand, elf Zentimeter mehr Gesamtlänge, acht Zentimeter mehr Höhe und plus sechs Zentimeter Breite sind die Eckdaten, die das Wachstum umschreiben. Greifbar werden diese Zahlen erst, wenn man sie in Kopf- oder Kniefreiheit und Ladevolumen übersetzt: Kein Wunder also, dass vorn nun selbst Sitzriesen fast schon den Hut auflassen können, dass hinten auch große Erwachsene bequem reisen und dass der Kofferraum noch einmal größer geworden ist: 575 statt 485 Liter machen den V70 zu einem der besten Lademeister. Wird die dreigeteilte Rückbank umgelegt, steigt das Fassungsvermögen gar auf 1600 Liter. Doch weil Größe nicht alles ist, gibt es auch ein paar pfiffige Detaillösungen: Im Wagenboden haben die Ingenieure ein Geheimfach untergebracht, das mit der Heckklappe automatisch verschlossen wird, in den Flanken gibt es bewegliche Haken für Einkaufstüten und über allem schwebt ein Netz, das als Raumteiler, Kleinteilfänger oder Befestigungsspinne genutzt werden kann.
Der Schwede bietet viel Komfort und ist kinderfreundlich
Für den neuen Luxus an Bord stehen neben dem sachlich-kühlen, stark vom Flaggschiff S80 inspirierten Ambiente aus Echtholz, Leder und blankem Metall viele Extras aus der Oberklasse zur Verfügung. So gibt es nun neben Bluetooth und dem Musiksystem von Dynaudio zum Beispiel eine elektrische Parkbremse, ein schlüsselloses Startsystem, beheizte Rück- und belüftete Vordersitze. Die Sicherheit stärkt Volvo unter anderem mit einem Kamerasystem für den toten Winkel, einem Abstandstempomat mit Kollisionswarnung und integrierter Notbremse, adaptiven LED-Bremsleuchten, verbesserten Kopfstützen sowie kindgerecht vergrößerten Airbagvorhängen und neuartigen Kindersitzen, die stufenweise aus der Rückbank geklappt werden können.
Und als Beweis für die neue Sportlichkeit führt Produktmanager Gerber die aktive Fahrwerksregelung und die selbst justierbare Unterstützung der Servolenkung an. Und natürlich die neuen Motoren. Denn neben den beiden Fünfzylinder-Dieseln mit 163 und 185 PS und dem 2,5 Liter großen Turbo-Benziner mit 200 PS gibt es nun erstmals im V70 auch einen Sechszylinder. Der Motor mit dem sonoren Klang und dem kraftvollen Antritt leistet als Sauger 238 PS und geht als Turbo sogar mit 285 PS zu Werke. Damit seine bis zu 400 Nm nicht im Rauch der Reifen aufgehen, liefert Volvo diesen Motor ausschließlich mit Allradantrieb aus, der auch für den schwächeren V6 und den starken Diesel als Option verfügbar ist.
Ein Kombityp, aber zwei unterschiedliche Modelle
Mit dem V70 geht auch der neue Geländekombi XC70 an den Start. Angetrieben vom stärkeren Diesel oder dem schwächeren V6 trägt er künftig eine noch auffälligere Freizeitkleidung und stempelt seinen Fahrer zum Lifestyle-Jünger. "Zwar ist der Wagen vor allem gedacht, um sie bis ans Ende der Straße zu bringen", sagt ein Ingenieur aus Schweden. "Doch wenn Sie wollen, kann die Reise dort im XC70 weitergehen", betont er und schickt uns auf einen wüsten Schotterweg durch Feld, Wald und Wiesen, wo der Allradantrieb den Wagen flott auch steile Passagen hinauf bringt. Nur runter geht es jetzt schön langsam: Eine elektronische Bergabfahrhilfe soll dem Fahrer die Angst vor dem Gefälle nehmen.
Auch Produktmanager Gerber muss kein Gefälle fürchten: Zumindest in der Statistik sollte es mit den neuen Modellen bergauf gehen. Dafür sorgt nicht zuletzt auch der Preis: Der XC70 ist mit einem Einstieg bei von 42.480 Euro im Schnitt sechs Prozent günstiger als der Audi Allroad. Und beim V70 hat Volvo der Versuchung eines XL-Zuschlags widerstanden: "Obwohl der Wagen deutlich größer geworden ist, bleibt der Grundpreis von 37.550 Euro unverändert."