Volvo XC60: Das Schwedenhäppchen - DER SPIEGEL
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Volvo XC60 Das Schwedenhäppchen

Volvo folgt dem Trend zum kleinen SUV: Nachdem die schwedische Marke mit dem großen Geländewagen XC90 ordentlich abräumte, folgt nun der XC60. Die Ford-Tochter darf Lob erwarten für das Design und für die Sicherheit - nicht jedoch für die Motoren.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bislang wurden Volvo-Modelle vor allem wegen ihrer Funktion gekauft, klagt Steve Mattin, der Designchef der schwedischen Marke über das Schattendasein seiner Amtsvorgänger. Doch das ändert sich gerade. Denn das neue Modell XC60 steht in der Startbox. Mattin hält diesen Wagen für den ersten der Marke, "den man schon allein wegen seiner Form haben möchte". Das SUV-Modelle solle mit seiner Form "Begehrlichkeiten wecken".

Im Vergleich zur Konkurrenz pflegt der XC60 einen eigenen Stil. Während der Mercedes GLK auf Ecken und Kanten setzt, der Audi Q5 aussieht wie ein aufgebockter Avant und der BMW X3 wie ein zu heiß gewaschener X5, tritt der neue Volvo erfrischend stimmig an. Bei aller neu entflammten Liebe zum Design hat Volvo die alten Werte nicht vergessen. Die Sitzpositionen vorn wie hinten sind bequem, im Fond gibt es außerdem reichlich Platz für Gepäck. 495 Liter fasst der Kofferraum, und dank einer dreigeteilten Rückbank, lässt sich die ebene Ladefläche variabel verlängern. Dazu gibt es ein verstecktes Staufach im Unterboden, das mit der Kofferraumklappe diebstahlsicher verschlossen wird.

Die Innovationen stecken beim XC60 in der Sicherheitsausstattung. Nach dem Motto "eine Weltpremiere bei jedem neuen Modell" führen sie auch im diesem Auto wieder ein elektronische Sicherheitssystem ein, das es bislang noch nicht gab: das City Safety System. Weil 75 Prozent aller Unfälle nach Volvo-Angaben bei Geschwindigkeiten unter 30 km/h passieren und der Fahrer bei der Hälfte dieser Karambolagen ungebremst ins Heck des Vorausfahrenden rauscht, wurde eine elektronische Notbremse entwickelt.

Zur Not tritt der Wagen automatisch auf die Bremse

Projektleiter Martin Distner erklärt das System wie folgt: "Im Stau und im Stadtverkehr blickt die Elektronik mit Laseraugen nach vorn, erkennt vorausfahrende Autos und kontrolliert den Sicherheitsabstand." Steuert der Fahrer ins Unheil, weil er mit dem Mobiltelefon hantiert oder nach den Kindern auf der Rückbank schaut, steigt für ihn der Bordcomputer in die Eisen. Bis 15 km/h kann so ein Auffahrunfall verhindert werden, und bis Tempo 30 werden zumindest die Schäden minimiert. Bei höheren Geschwindigkeiten schaltet sich das System automatisch aus.

Neben dem City-Safety-Paket bekommt jeder XC60 serienmäßig sechs Airbags sowie ein ESP, das Schleudern ebenso verhindert wie Überschläge und auch Anhänger stabilisiert. Gegen Aufpreis gibt es Assistenzsysteme, die den toten Winkel überwachen, den korrekten Abstand halten, dem Fahrer bei der Spurhaltung helfen oder ihn vor dem Einschlafen am Steuer warnen. "All das macht den XC60 zum sichersten Volvo aller Zeiten", sagt Entwickler Martin Ahlberg, "und vielleicht zum sichersten SUV überhaupt."

Im XC60 kann man sich nicht nur sicher, sondern auch wohl fühlen. Es herrscht ein nordisch-nüchternes Ambiente, das die Passagiere freundlich Willkommen heißt. Blickfang ist, wie bei jedem Volvo, die frei schwebende Mittelkonsole, die in diesem Fall ein wenig zum Fahrer geneigt ist. Das sieht zwar gut aus und auf der Konsole ist nun auch den Monitor für das bisweilen träge und komplizierte Navigationssystem platziert, doch der größer gewordnene Ablageplatz dahinter lässt sich noch immer nur schwer erreichen.

Dicke Motoren mit ordentlich Durst

Zum Verkaufsstart gibt es den Volvo nur mit einem 285 PS starken, aber mit 11,9 Litern Durchschnittsverbrauch ziemlich durstigen Sechszylinder-Benziner und einem Diesel mit fünf Zylindern und 2,4 Litern Hubraum. Der Selbstzünder wird wahlweise mit 163 oder 185 PS angeboten und verbraucht in beiden Versionen mit Schaltgetriebe 7,5 und mit Automatik 8,3 Liter Sprit. Sparsamere Motorvarianten und ein Hybridantrieb sind erst später geplant. Zwar ruhen auf dem stärksten Diesel die größten Hoffnungen der Vertriebsleute, doch so richtig überzeugen kann der Motor nicht. Die 185 PS und 400 Nm muss man lange suchen; es braucht Zeit, bis der knapp zwei Tonnen schwere Schwede aus dem Quark kommt. Und sonderlich leise arbeitet die Maschine auch nicht. Man merkt, dass der Fünfzylinder schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat.

Dafür allerdings ist das Fahrwerk ordentlich abgestimmt. Es wahrt die Balance zwischen Komfort und Härte, die Lenkung ist präzise, und in einer Folge schneller Kurven schwankt der XC60 lange nicht so stark wie das größere Modell XC90. Außerdem soll der intelligente Allradantrieb nun noch schneller reagieren und die Kraft auf beide Achsen verteilen, wenn es schmierig oder schmutzig wird.

Unangenehme Überraschungen in der Preisliste

Weil sich Volvo ein großes Stück vom wachsenden Kuchen der kleineren SUV-Modelle abschneiden möchte, wurden die Preise spitz kalkuliert. Bevor im nächsten Jahr ein Fronttriebler CO2-Ausstoß und Grundpreis nochmals drückt, beginnt die Preisliste bei 33.900 Euro. "Damit liegen wir rund sechs Prozent unter den Autos von Audi, Mercedes und BMW", sagt Volvo-Deutschlandchef Thomas Viehweg. Die Preisliste birgt dennoch ein paar unangenehme Überraschungen: Eine Gepäckraumabdeckung erst ab dem zweiten Ausstattungsniveau? Eine Beifahrer-Airbag-Abschaltung für 50 Euro extra? Und ein Regensensor für 100 Euro? Das klingt nach Geiz und Beutelschneiderei.

Für einen Trendsetter kommt der XC60 ein paar Jahre zu spät. Doch zumindest nehme er die wichtigsten Trends auf, sagt Viehweg. Er hofft, dass der Wagen gut die Hälfte seiner Käufer von anderen Marken zu Volvo lockt. In Zahlen ausgedrückt: Im nächsten Jahr sollen in Deutschland 5000 Exemplare verkauft werden. Viehweg: "Für uns ist der XC60 das richtige Auto zur rechten Zeit."