VW Cross Polo: Abenteuer Alltag - DER SPIEGEL
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VW Cross Polo Abenteuer Alltag

Mittlerweile ist der Polo ein wenig in die Jahre gekommen. Damit der Kleinwagen gegen die junge Konkurrenz auch weiter eine Chance hat, zieht ihm VW jetzt wieder Outdoor-Klamotten an. Aus dem erfolgreichen Sondermodell Polo Fun wird nun der Cross Polo.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

VW lockt die Kleinwagen-Gemeinde mit einem Hauch von Freiheit und Abenteuer. Damit der etwas hausbackene Polo gegenüber frischen Konkurrenten wie dem Renault Clio oder dem kommenden Peugeot 207 nicht vollends ins Hintertreffen gerät, stecken die Wolfsburger den rüstigen Rentner jetzt in neue Freizeitkleider. In einer Zeit, in der Outdoor-Stiefel und Expeditionshosen als chic gelten, verpassen die Designer dem Viertürer größere Räder, mehr Bodenfreiheit, eine Hand voll markanter Anbauteile sowie frische Lackfarben und rücken ihn als neumodischen Cross Polo wieder näher an den Zeitgeist.

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VW Cross Polo: Zieh' bitte die Gummistiefel an!

Natürlich ist der Cross Polo kein Geländegänger - und will auch gar keiner sein. Doch zumindest optisch macht der Wagen jetzt deutlich mehr her. Weil auf den Achsen nun 17-Zöller stecken - diese Größe war in der Polo-Baureihe bislang nicht verfügbar -, ein Schlechtwegefahrwerk die Karosserie um 15 Millimeter anhebt und auf dem Dach eine Reling befestigt ist, geht der herausgeputzte Wagen um insgesamt sieben Zentimeter in die Höhe und wirkt damit deutlich solider.

Gestützt wird dieser Eindruck von der rundherum montierten Bauchbinde aus grauem Kunststoff, den ebenfalls grau gehaltenen Radläufen und dem vorn wie hinten mit silbernem Lack angedeuteten Unterfahrschutz. Zwar dürften diese Zierteile auf schlechten Wegen keinen großartigen Schutz von Steinen, Stämmen, Schotter oder Schlammpackungen bieten. Doch wer im Dschungel der Großstadt gelegentlich auf Tuchfühlung mit Blumenkübeln, Laternenpfosten oder hohen Bordsteinkanten geht, kann sich mit etwas Glück manch teure Lackreparatur sparen.

Weil der Zierrat des Cross Polo in Bodennähe nicht so sehr ins Auge fällt, haben die Designer auch weiter oben am individuellen Look gefeilt. Deshalb sind Spiegelkappen und Dachreling in einem hellen Metallton gehalten. Und die Karosserie wird auf Wunsch in den exklusiven Farben "Magma-Orange" oder "Limette" lackiert. Zwar muss man sich daran erst gewöhnen, doch sticht der zitrusfruchtfarbige Polo dann wirklich auf jedem Parkplatz aus der Menge hervor. Ausgenommen vielleicht auf dem Hof der Stadtreinigung, dessen kommunalfarbenes Orange der Wolfsburger Tönung peinlich nahe kommt.

Etwas mehr Farbe und Frische im Innenraum

Mit der Frischzellenkur für die Karosserie ist es aber nicht getan. Damit man mit etwas gutem Willen auch innen wieder den Zeitgeist spürt, hat VW das Cockpit mit neuen Metallblenden geschmückt, farbige Fäden in die Nähmaschinen für Lederlenkrad, Handbremssack und Schaltbeutel gespannt, die Pedalerie ausgetauscht und eine neue Plakette auf den Schaltknüppel geklebt. Wer es noch bunter mag, der bekommt zudem neue Stoffbezüge auf den Sitzen, der Rückbank und in den Türen, die mit der Außenlackierung korrespondieren.

Außerdem hat VW die Ausstattung gegenüber dem Basismodell etwas erweitert: Nebelscheinwerfer, elektrische Fensterheber reihum, die fernbediente Zentralverriegelung und die Taschen an den Rücklehnen de Vordersitze sind ebenso serienmäßig wie die Sportsitze oder die Schublade im Fußraum des Fahrers. Für Kopfairbags, die geteilt umklappbare Rückbank, den Bordcomputer und in den meisten Versionen auch für das ESP wird aber weiterhin ein Aufschlag fällig.

Hersteller:VW
Typ:Cross Polo
Karosserie:Kleinwagen
Motor:Vierzylinder-Turbodiesel
Hubraum:1.896 ccm
Leistung PS:100 PS
Leistung kW:74 kW
Drehmoment:240 Nm
Von 0 auf 100:11,5 Sek.
Höchstgeschw.:182 km/h
Verbrauch (ECE):5,1 Liter
CO2-Ausstoß:135 g/km
Kraftstoff:Diesel
Kofferraum:270 Liter
umgebaut:1.030 Liter
Versicherung (HP):17 €
Versicherung (TK):18 €
Versicherung (VK):17 €
Preis:18.175 €

Unter dem Blech gleicht der Freizeit-Polo mit Ausnahme des Fahrwerks dem Familienmodell bis auf die letzte Schraube. Am Frontantrieb haben die Niedersachsen nicht gerüttelt, und auch die Motoren sind bekannt. Zur Wahl stehen drei Benziner mit 1,2, 1,4 oder 1,6 Litern Hubraum und Leistungen zwischen 65 und 100 PS (47 bis 74 kW) sowie zwei TDI-Motoren, die auf 1,4 und 1,9 Liter Hubraum und 70 PS oder 100 PS (51 und 74 kW) kommen. Zwar ist der große Diesel für 18.175 Euro kein Schnäppchen, doch macht er seine Sache auch auf steilen Strecken ausgesprochen gut. Mit maximal 240 Newtonmeter beschleunigt er den Cross Polo in 11,5 Sekunden auf Tempo 100, schafft maximal 182 km/h und ist im Mittel mit 5,1 Litern Dieselkraftstoff zufrieden.

Bei ersten Testfahrten auf schneebedeckten Bergpässen, schlecht geräumten Landstraßen und vereisten Parkplätzen in den französischen Seealpen machte der Cross Polo gerade mit diesem Motor eine ausgesprochen gute Figur. Doch sollte man daraus keine falschen Schlüsse ziehen: Mit neuen Winterreifen oder gar mit Spikes könnte das jeder zivile Polo ganz genau so gut.

Streng genommen nur eine hübsche Design-Variante

Streng genommen ist der Polo für das Abenteuer Alltag also nichts anderes als eine hübsche Designvariante, die aus dem trotz des Facelifts vom letzten Sommer noch immer etwas verstaubten Kleinwagen wieder einen modischen Cityflitzer macht. Dafür allerdings müssen die Kunden schon ein bisschen tiefer in die Tasche greifen. Schließlich liegen die Preise für den Cross Polo etwa 600 Euro über dem zivilen Modell mit vier Türen, identischem Motor und dem jeweils besten Ausstattungsniveau.

Doch weil der Neuling ein paar ansonsten aufpreispflichtige Extras bekommen hat und zudem mit einigen Details aufwartet, die man in den anderen Modellen selbst für Geld und gute Worte nicht bekommt, haben die Wolfsburger den Preis so lange schön gerechnet, dass der Cross Polo nun sogar als Sonderangebot angepriesen wird: "Gegenüber dem normalen Polo spart man damit ein paar hundert und in Einzelfällen sogar runde tausend Euro", sagt ein VW-Sprecher.

Doch die Zuversicht der Niedersachsen stützt sich nicht nur auf die Rechenkünste der Marketing-Experten. Auch die Erfahrung mit dem Polo Fun hat gezeigt, dass es für solche Autos durchaus einen Markt gibt. "Natürlich haben sich die Strategen am Anfang gefragt, wie viele Kleinwagen wir für einen Preis jenseits von 15.000 Euro absetzen können", sagt VW-Sprecher Jens Bobsien, "und deshalb beim Polo Fun damals erst einmal pessimistisch kalkuliert." Doch bis der Spaß beim Polo wieder vorbei war, wurden schließlich dreimal mehr Autos produziert als geplant. Und diesmal könnte es sogar noch besser laufen. Schließlich ist der Cross Polo 1100 Euro billiger als sein Vorgänger.