VW CrossTouran Cool statt kühl
Aller guten Dinge sind drei: Nachdem VW schon den Polo und den Golf mit ein paar zusätzlichen Kunststoffplanken und wenigen Millimetern mehr Bodenfreiheit für das Abenteuer gerüstet hat, geht nun zu Preisen ab 24.743 Euro auch der Touran als Cross-Modell an den Start. Er kann zwar für einen Aufpreis von rund 1300 Euro keinen Deut mehr als die bürgerliche Version des Kompaktvans. Aber das wird seinem Erfolg vermutlich keinen Abbruch tun.
"Denn auch in den Volumensegmenten wünschen sich die Kunden sich immer mehr Kunden ein Auto mit individueller Optik", sagt VW-Sprecher Christian Haacke. Und ohne sich Schweller und Spoiler beim Tuner oder im Baumarkt kaufen zu müssen, bekommen sie diese Differenzierung von der breiten Masse mit den Cross-Modellen schon ab Werk.
Der Erfolg gibt den Niedersachsen Recht: Der CrossPolo als erstes Modell in Trekking-Stiefeln wurde im letzten Jahr in Deutschland immerhin 10.000 Mal und im restlichen Europa noch weitere 8000 Mal verkauft. Und der im Januar eingeführte CrossGolf kommt bereits auf einen Modellanteil von zehn Prozent, zitiert Haacke aus der Absatzstatistik.
Dennoch ist nach dem ab sofort verfügbaren CrossTouran erst einmal Schluss: Zu Passat und Phaeton passt dieses Ansinnen nun wirklich nicht, und der Touareg hat es nicht nötig, nur zum Schein den Pfadfinder zu mimen. Einzig den Fox würden die Wolfsburger schon gerne noch als Cross-Modell anbieten, zumal der Wagen daheim in Brasilien bereits im Handel ist. "Doch bei den aktuellen Wechselkursen würde sich ein solches Projekt in Europa nicht rechnen", klagt ein VW-Sprecher.
"Um Funktion geht es dabei gar nicht"
Dass für diese Autos die Formel "mehr Schein als Sein" gilt, ist dabei kein Nachteil schließlich muss dann weder beim Händler noch bei der Tankstelle keiner den Strafzoll für den Allradantrieb bezahlen. "Um Funktionen geht es dabei gar nicht", sagt denn auch Produktmanager Christian Wattenberg: "Cross steht für Design, Optik und Lifestyle. Oder kurz: Der CrossTouran ist einfach das schickere und coolere Auto."
Diesen Schuss Emotion hatte gerade der Touran bitter nötig. Zwar hat VW den meistverkauften Kompaktvan in Deutschland frisch geliftet, doch ist der Bestseller trotz Wappengrill und neuen Rückleuchten noch immer ein Musterbeispiel für niedersächsische Nüchternheit, dessen Herzschonendes Heidedesign lebenslustigen Paaren auf dem Weg zur Kleinfamilie die Kaufentscheidung nicht leichter macht. Obwohl die Cross-Designer bei Polo und Golf etwas mehr Mut an den Tag gelegt haben, macht die Trekking-Kleidung beim Touran deshalb am meisten Sinn. Denn endlich wirkt der Wagen tatsächlich ein wenig begehrenswert.
Vertraute Zutaten
Die Verwandlung folgt dem bekannten Muster: Das Schlechtwegefahrwerk hebt die Bodenfreiheit um zwölf Millimeter, und schwarze Kunststoffrahmen ziehen sich um die Radhäuser. Auf den Türen und an der Schwellerleiste gibt es nun etwas robustere Schutzstreifen, der Grill ist ein wenig mattiert, Teile der Scheinwerfergehäuse sind geschwärzt. Und die Dachreling ist nun Silber eloxiert. Auf den bei den anderen Cross-Modellen wenigstens angedeuteten Unterfahrschutz wurde beim Touran verzichtet. Dafür steht er auf großem Fuß. Serienmäßig sind speziell gestaltete 17-Zöller aus Aluminium, auf die vorn 215er und hinten 235er Reifen aufgezogen sind. Einen Sinn hat diese Mischbereifung nicht, gibt Produktmanager Wattenberg zu. "Aber es sieht einfach gut aus."
Innen dagegen gibt sich der Abenteurer fast schon bieder. Wer nicht die Sonderfarben "Orange" oder "Latte Macchiato" bestellt, dem gelochten Lederlenkrad keine Beachtung schenkt und nur flüchtig über die metallisch schimmernden Zierleisten blickt, der glaubt sich in einer gehobenen Version des Standardmodells.
Dazu passt auch die Ausstattung. Denn neben ESP und sechs Airbags gehören immer auch Klimaanlage, ein MP3-fähiges CD-Radio, elektrische Fensterheber und der Tempomat zum Standard. Gegen Aufpreis gibt es die dritte Sitzbank, Xenon-Licht, Lederpolster und den Einpark-Automat, "Park Assist", der den Wagen fast alleine in eine Lücke bugsiert.
Für den Antrieb des CrossTouran stehen drei Benziner mit 102 bis 170 PS und drei Diesel mit 105 PS bis 170 PS zur Wahl. Der sparsamste Selbstzünder verbraucht dabei laut Datenblatt 6,2 Liter auf 100 Kilometer und stößt 164 Gramm CO2 pro Kilometer (g/km) aus. Der genügsamste Benziner kommt mit 7,6 Litern und 181 Gramm aus. Dabei sind selbst mit dem langsamsten Wagen 173 km/h möglich, und der schnellste schafft immerhin 206 km/h.
Wie schnell der CrossTouran allerdings auf dem Weg in Freiheit und Abenteuer an seine Grenzen stößt, hat VW bei der Vorstellung in Holland selbst demonstriert. Um den Wagen in Umfeld von Lifestyle und Freizeit zu setzen, haben die Niedersachsen eigens eine Beach Bar am Nordseestrand belegt. Ein Touran stand dort zwar auf der Sonnenterasse. Alle anderen aber parkten hinter dem Deich. Denn damit keiner der Pseudo-Trekker unterwegs stecken bleibt, wurden die Gäste die letzten Meter im Touareg chauffiert.