VW Eos V6 Flaggschiff oben ohne
Besser kann die Szenerie für eine Ausfahrt mit einem neuen Cabrio kaum sein: Im Rücken die Wüste, am Horizont die Lichter der Großstadt, und im Augenwinkel malt die untergehende Sonne den Himmel dunkelrot. Wenn dazu noch die Eagles "Hotel California" spielen und man mit dem Wind in den Haaren langsam auf dem Las-Vegas-Boulevard ins Herz der Spieler-Metropole hineinrollt, dann ist das entweder die kitschige Vorstellung eines Werbefilmers oder ein echter Traum für alle Open-Air-Freunde.
Erfüllt hat den Traum jetzt VW mit der Vorstellung des Eos V6, der in der Wüste von Nevada zur ersten Testfahrt bereit stand: Schließlich soll der Sechszylinder, der auch hierzulande in diesen Tagen die Modellpalette nach oben abrundet, dem offenen Viersitzer den nötigen Schub für den US-Markt geben. Denn Nordamerika ist nach Deutschland der wichtigste Markt für das Cabrio; und während die Kunden zwischen Sylt und Starnberg die Wahl zwischen dann vier Benzinern und einem Diesel mit 115 bis 250 PS haben, ist der Sechszylinder neben dem Zweiliter-Turbo für die Amerikaner die einzige Motorisierung.
Gerade zum amerikanischen Fahrstil passt der Motor nahezu perfekt. Zugegeben, für den langsamen Bummel über den "Strip" hätte es den Sechszylinder gar nicht gebraucht. Denn viel mehr als Schrittgeschwindigkeit ist auf der Flaniermeile der Zocker-Stadt kaum drin. Und weil aus allen Neonreklamen zusätzlich Werbebotschaften tönen, ist vom kernigen Klang des V6 auch kaum etwas zu hören. Doch an jeder Ampel und davon gibt es hier ziemlich viele lohnt es sich dann doch, wenn man den in Deutschland mindestens 35.500 Euro teuren V6 unter der Haube hat. Da können die Heißsporne aus ihren Ford Mustangs, ihren großen Dodge Magnums und all den scharfgemachten Japanern noch so hochnäsig auf das "German Convertible" herab schauen, so einfach abhängen lässt sich dieses Auto nicht.
Mit maximal 320 Newtonmetern und einem seidenweich schaltenden DSG-Getriebe schnurrt der Eos in 7,3 Sekunden auf Tempo 100 und ließe die meisten amerikanischen Autos auf einer freien Straße hinter sich. Als Höchstgeschwindigkeit schafft er stolze 247 km/h. Und obwohl der Sprit in den USA fast noch immer preiswerter ist als die entsprechende Menge Coca-Cola, geht der V6 für amerikanische Verhältnisse beinahe als Sparmotor durch: Mit 9,2 Litern auf 100 Kilometern zählt er zu den vernünftigsten Autos auf dem US-Markt. In Deutschland dagegen rückt er mit diesem Wert nahe an Modelle wie den BMW 3er, Audi A4 und Volvo C70 aus der nächst größeren Klasse, wo VW den Eos ja ohnehin lieber sähe als im Umfeld von Focus und Astra.
Mit dem V6 kann VW diesen Anspruch untermauern. Natürlich ändert der Motor nichts am Format des Eos, der mit 4,41 Metern Länge, einer für Erwachsene nur auf Kurzstrecken bequemen Rückbank und einem Kofferraum-Volumen von 183 bis 358 Litern eben doch eher in die Kompaktklasse gehört. Doch wirkt das Flaggschiff so souverän und vornehm, dass es zumindest im Fahrverhalten und beim Ambiente den Vergleich mit den Größeren nicht zu scheuen braucht. Die Sonderstellung des einzigen V6-Modells in dieser Klasse unterstreicht VW auch durch optische Details. So haben die Wolfsburger nicht nur die Ausstattung um eine Klimaautomatik und schmucke 17-Zoll-Felgen erweitert, sondern auch noch ein paar zusätzliche Chromstreifen auf den Kühlergrill gelegt. Außerdem strahlt der V6 nun mit kirschroten LED-Rückleuchten mit dem Lichtermeer von Las Vegas um die Wette.
In Deutschland ist der Eos blendend gestartet
Während der Verkauf in den USA erst langsam in die Gänge kommt, hat sich der Eos in Deutschland zu einem Shooting-Star entwickelt: "Schon bei der Einführung im Frühsommer hat das Cabrio auf Anhieb die Spitzenposition seines Segments übernommen", jubelt VW und nennt zum Beispiel für den August einen Cabrio-Marktanteil von 15,3 Prozent. Mit rund 1600 Zulassungen hat VW in diesem Monat mehr als doppelt so viel Cabrios verkauft wie der beste Konkurrent. Doch der Eos überflügelt nicht nur seine Gegner, sondern lässt auch alle Vorgänger hinter sich: Während der Eos in den ersten fünf Monaten in Deutschland auf 7200 Zulassungen kommt, haben es die beiden offenen Golf-Modelle in dieser Zeit lediglich auf jeweils 3500 Exemplare gebracht. Und auch vom Cabrio des New Beetle konnte VW im Vergleichszeitraum nur 4700 Einheiten verkaufen.
Deshalb ist der Eos für VW-Sprecher Jörg Walz auch die letztgültige Antwort auf die Frage, ob man bei einem Cabrio Abschied vom Stoffverdeck nehmen darf: "Es kann schon sein, dass viele Puristen und Autofans sich weiterhin eine klassische, leichte und schlichte Textil-Konstruktion wünschen", gesteht Walz ein und denkt dabei vielleicht auch ein wenig an sich selbst. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: "Das Plus gegenüber Golf und Beetle macht deutlich, dass wir mit dem Verdeck aus Stahl und Glas viele neue Kunden erreicht haben, die wir mit einem konventionellen Cabrio nicht gewonnen hätten", sagt Walz jede andere Lösung wäre demnach ein Fehler gewesen.