VW Fox Zurück auf Start
"Bitte vergessen Sie Ihre Krawatte", lautete die Anweisung vor dem Abflug nach Kopenhagen. Dort stellt VW in den kommenden Wochen den neuen Fox vor und inszeniert das Importmodell aus Brasilien mit viel Tamtam als Hipster-Mobil für junge Leute. Zwar trug VW-Chef Bernd Pischetsrieder klassischen Business-Dress mit Binder, sonst aber war betont legerer Look angesagt. Schon der Kleidercode sollte abgestimmt sein auf die "Kernzielgruppe der 18- bis 30-Jährigen", die Marketingleiter Ludger Fretzen ansprechen möchte, "sozusagen unseren Nachwuchs". Daneben wolle man aber auch junge Familien, Geringverdienende und Kleingewerbetreibende als Kunden gewinnen.
Eigentlich sollte das für ein Unternehmen mit dem Namen Volkswagen eine Selbstverständlichkeit sein, doch das war es in den letzten Jahren keineswegs. Das bisherige Einstiegsmodell, der Lupo, kostete mindestens 10.225 Euro. "Das war für ein Basismodell zu teuer", räumen VW-Mitarbeiter inzwischen ein. Vor allem auch deshalb, weil inzwischen andere Hersteller im Segment der wirklich günstigen Kleinwagen Erstaunliches auf die Räder stellen, etwa den Fiat Punto, den Kia Picanto oder den Chevrolet Matiz. Und im Sommer wird es noch enger auf dem Markt der Minimobile, wenn Toyota Aygo, Peugeot 107 und Citroen C1 antreten.
Dem will VW zuvorkommen. Ab 29. April wird der VW Fox bei den deutschen Händlern stehen, das Grundmodell für 8950 Euro. "Das Auto ist unser Botschafter für Preiswürdigkeit", formuliert Marketingmann Fretzen. Der Slogan zum neuen Modell lautet "Echt Volkswagen" und impliziert, dass auch in den Wolfsburger Chefetagen die Defizite erkannt wurden. Fretzen: "Der Fox findet in einem Segment statt, in dem wir bisher nicht vertreten waren."
| Hersteller: | VW |
|---|---|
| Typ: | Fox |
| Karosserie: | Kleinwagen |
| Motor: | Dreizylinder-Benziner |
| Hubraum: | 1.198 ccm |
| Leistung PS: | 55 PS |
| Leistung kW: | 40 kW |
| Drehmoment: | 106 Nm |
| Von 0 auf 100: | 17,5 Sek. |
| Höchstgeschw.: | 148 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 6 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 142 g/km |
| Kraftstoff: | Normalbenzin |
| Kofferraum: | 260 Liter |
| umgebaut: | 1.016 Liter |
| Preis: | 8.950 € |
Nun also knüpft Volkswagen wieder dort an, wo die Erfolgsstory des Unternehmens einst begann und wo auch Golf und Polo am Anfang ihrer Modellkarrieren populär wurden. Zunächst: Der Fox ist kein Verzichtsauto. Er sieht stämmig und freundlich aus, bietet ordentlich Platz für vier Erwachsene und hinterlässt nach den ersten hundert Kilometern einen rundum ausgereiften Abdruck. Wir waren mit der Einstiegsmotorisierung unterwegs, dem 1,2-Liter-Dreizylinder-Benziner mit 55 PS (40 kW) und Fünfgang-Schaltgetriebe, und genau in dieser Kombination erreicht der Fox schon sein Klassenziel: Ein Alltagsauto, das für 95 Prozent aller Fahrten ausreichend gerüstet ist. Das kaum eine Tonne wiegt, im Schnitt sechs Liter Benzin schluckt und sich durchaus flott und flüssig im Verkehrsstrom bewegen lässt.
Richtig gut ist das Raumgefühl in dem Viersitzer. Bei gleichem Radstand wie der VW Polo (2,46 Meter) ist der Fox mit einer Länge von 3,83 Meter neun Zentimeter kürzer als der Polo, mit einer Höhe von 1,54 Meter aber acht Zentimeter höher. Der Fahrersitz ist im Vergleich zum Polo um sechs Zentimeter höher und um zwei Zentimeter weiter vorn platziert. Das mag minimal klingen, bringt aber maximale Unterschiede in der Wahrnehmung: selten wirkte ein Kleinwagen so voluminös wie der Fox. Der Kofferraum lässt sich von 260 auf 1016 Liter bei umgelegter Rücksitzlehne und aufgestellter Rücksitzfläche erweitern.
Sinnvoll ist die in Längsrichtung verschiebbare Rücksitzbank, doch die kostet 95 Euro Aufpreis. Für den Fox gibt es keine unterschiedlichen Ausstattungslinien, dafür aber reichlich aufpreispflichtige Extras. ABS und zwei Frontairbags beispielsweise sind Serie, ESP (400 Euro) sowie zwei Seitenairbags (255 Euro) kosten extra. Wer das Auto in "Tornadorot" möchte zahlt 122 Euro Aufpreis, für simples Schwarz oder fröhliches "Sonnengelb" werden 205 Euro fällig. Extra berechnet VW auch Nebelscheinwerfer (146 Euro), ausstellbare hintere Seitenscheiben (122 Euro), Außenspiegelgehäuse und Stoßfänger in Wagenfarbe (95 Euro) sowie die Klimaanlage (1225 Euro).
So wird, wenn die Ansprüche ein bisschen höher sind, aus dem "echten Volkswagen" für 8950 Euro dann doch wieder ein Modell aus der 10.000-Euro-Liga. Dort spielt der Fox übrigens sowieso, wenn er mit dem 1,4-Liter-Vierzylinder-Benziner (75 PS) ab 10.400 Euro oder mit dem 1,4-Liter-TDI (70 PS) ab 11.400 Euro bestellt wird. Für letzteres Modell wird es einen Rußpartikelfilter zum Nachrüsten geben, heißt es bei VW. Wann, das ist allerdings noch nicht so recht klar. Inzwischen lässt sich das Umweltgewissen vielleicht mit dem Hinweis beruhigen, dass Dachhimmel und Hutablage des neuen Autos aus Ananasfasern gefertigt werden. An manchen Stellen ist das Auto ein richtig schlauer Fox.