VW Passat Bürgers King
Seit Phaeton und Touareg hört man auch bei Volkswagen immer häufiger das Wort Premium. So auch bei der Vorstellung des neuen Passat, der nach Auffassung von Marketing-Mann Ludger Fretzen "die Demokratisierung des Luxus in der Mittelklasse" darstellt. Mit anderen Worten also so eine Art Phaeton für Papi. Dazu musste er zunächst mal wachsen, in der Länge um 6,2 Zentimeter auf 4,77 Meter, in der Breite um 7,4 Zentimeter auf 1,47 Meter und in der Höhe misst er mit 1,47 Meter - nun einen Zentimeter mehr. Der Radstand hingegen blieb nahezu unverändert bei 2,71 Metern, was zu längeren Überhängen aber eben auch zu einer majestätischeren Erscheinung führt.
Als erster Volkswagen gebührt dem Passat außerdem das Recht, das neue Gesicht der Marke mit dem wappen-ähnlichen Kühlergrill, flankiert von trapezförmigen Klarglas-Scheinwerfer mit runden Leuchteinheiten, zu präsentieren. Von dort spannt sich mit leicht ansteigenden Schulterlinien und flachem Dachbogen eine dynamisch gezeichnete Silhouette. Auffällig auch die breite, fast schon coupéähnliche, hintere C-Säule, die in ein hohes Heck mit dezent integrierter Spoilerlippe ausläuft. Auch hier durchbrechen die kreisrunden Rückstrahler mit LED-Technik die trapezförmige Abdeckung.
VW Passat: Bürgers King
Der Edel-Eindruck setzt sich im Innenraum fort. Im gewohnt übersichtlichen Cockpit finden sich chromumrandete Rundinstrumente und gut konturierte Sitze, auf denen dank eines vertikal- und axial verstellbaren Lenkrads Menschen jeder Größe die richtige Position finden sollten. Auch für lange Beine und breite Schultern ist spürbar mehr Platz. Grund dafür, trotz identischen Radstands, ist der jetzt quer statt längs eingebaute Motor, der mehr Raum für die Passagiere lässt. Auch der Kofferraum fasst mit 565 Litern noch einmal 90 Liter mehr als der Vorgänger, was allerdings auch damit zu tun hat, dass VW diesmal die freie Reserveradmulde unterm Ladeboden mitgerechnet hat.
Einen Hauch von Oberklasse versprühen die frei wählbaren Dekoreinlagen in Alu oder Nussbaum-, Makassar-, oder Pappelmaserholz für Instrumententafel und Mittelkonsole. Wenn auch nur in der Topausstattung Highline, in den beiden mittleren Versionen Comfort- und Sportline müssen dafür in Kombination mit der Climatronic 780 Euro hingelegt werden. Doch auch die Basisausführung Trendline ist bereits recht gut ausgestattet.
Stolz verweisen die Wolfsburger dabei auf einige technische Innovationen wie etwa das neue Start- und Schließsystem. Statt eines konventionellen Zündschlüssels gibt es jetzt einen kleinen bartlosen Quader, der mit seiner konischen Form und Chromkappe mehr an ein Amulett erinnert. Auf Fingerdruck öffnet die Funkfernbedienung nicht nur die Türen, auch die Kofferraumklappe springt auf. Zum Starten wird er dann fast vollständig in den Schacht rechts vom Lenkrad geschoben und durch Druck aktiviert.
Zur serienmäßigen Standardausrüstung gehört ebenso eine elektronische Parkbremse, die ebenso als Notbremse während der Fahrt wie auch als Anfahrhilfe am Berg funktioniert. Alle Passats fahren außerdem mit Klimaanlage, elektrisch einstell- und beheizbaren Außenspiegeln oder elektrischen Fensterheber vorn. Für serienmäßige Sicherheit sorgen ESP, Front-, Seiten- und Kopfairbags, aktive Kopfstützen vorn sowie Isofix-Halte-Ösen für zwei Kindersitze. Wer will, kann den neuen Passat darüber hinaus mit einigen Extras bestücken, die bislang eher in der Oberklasse zu finden sind, wie etwa Abstandsradar, Bi-Xenon-Kurvenlicht, die aus dem Phaeton bekannte zugfreie Klimaanlage, Parkpilot, schlüsselloser Zugang, Multimedia-Komponenten und Audiosystem mit bis zu zehn Lautsprechern, Reifendruckkontrolle und Reifen mit Notlaufeigenschaften, Bluetooth und Sprachbedienung sowie diverse Lederausstattungen und Dreispeichen-Multifunktionslenkräder mit Leder oder Holzkranz.
| Hersteller: | VW |
|---|---|
| Typ: | Passat 2.0 FSI |
| Karosserie: | Limousine |
| Motor: | Vierzylinder-Benzin-Direkteinspritzer |
| Hubraum: | 1.984 ccm |
| Leistung PS: | 150 PS |
| Leistung kW: | 110 kW |
| Drehmoment: | 200 Nm |
| Von 0 auf 100: | 9,4 Sek. |
| Höchstgeschw.: | 213 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 8,2 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 194 g/km |
| Kraftstoff: | Super |
| Kofferraum: | 565 Liter |
| Versicherung (HP): | 15 € |
| Versicherung (TK): | 22 € |
| Versicherung (VK): | 17 € |
| Preis: | 25.450 € |
Um das alles in Bewegung zu setzen, stehen zur Markteinführung am 11. März zunächst drei Benzin-Direkteinspritzer, vom 1,6-Liter mit 115 PS (85 kW) bis zum 2,0-Liter-Turbo-FSI mit 200 PS (147 kW) zur Verfügung. Als Diesel-Seite werkeln das bekannte 1,9-Liter-Aggregat mit 105 PS (77 kW) sowie der 2,0 Liter mit 140 PS (103 kW) unter der Haube. In der zweiten Jahreshälfte sollen ein weiterer Diesel gleichen Hubraums mit 170 PS (125 KW) sowie das Einstiegsmodell mit 102 PS-Benziner (75 kW) folgen. Das Angebot nach oben abrunden wird dann auch die Topversion mit 3,2-Liter-V6-FSI und 250 PS (184 kW). An einen Sechszylinder-Diesel, oder gar Experimente mit einem Achtzylinder wie beim Vorgänger, denken die Wolfsburger zurzeit nicht.
Für unsere Testfahrten wählten wir zunächst den mittleren FSI mit 150 PS (110 kW), der mit dem 1454 Kilogramm schweren Fünfsitzer gut zurecht kommt, bei Beschleunigungsmanövern oder an Steigungen aber bei Laune, sprich Drehzahl, gehalten werden will. Besser macht es naturgemäß, aufgrund seines kräftigen Drehmoments, der kleine Diesel mit 105 PS (77 kW). Beiden gemein ist, selbst beim Diesel, die angenehm niedrige Geräuschkulisse sowie der ruhige Laufkomfort. Lange Bodenwellen steckt das komfortabel abgestimmte Fahrwerk gut weg, auch schnell abfolgende Querfugen auf der Autobahn werden souverän glatt gebügelt.
Die elektromechanische Servolenkung arbeitet präzise und vermittelt einen guten Kontakt zur Straße. Allein die Schaltung hakelte bei beiden Versionen in den unteren Gängen. Zu empfehlen ist die seidenweich schaltende Sechsgang-Automatik mit Tiptronic-Funktion. Alle Diesel sowie der später folgende VR6 sind auf Wunsch auch mit dem DSG-Doppelkupplungsgetriebe zu haben. Zu welchen Preisen, kann bei VW jedoch noch niemand sagen. In den aktuellen Ausstattungslisten klaffen noch große Lücken, auch was die angekündigten Oberklasse-Optionen betrifft.
Nur so viel ist sicher: "Den Einstiegspreis konnten wir auf dem Niveau des Vorgängers halten", sagt Marketing-Mann Ludger Fretzen. Und der liegt für den Basis-Benziner mit 1,6 Liter-Motor und 102 PS (75 kW) bei 21.800 Euro.