VW Passat V6 4-Motion: Biss in den Schnee - DER SPIEGEL
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VW Passat V6 4-Motion Biss in den Schnee

Das weiße Kleid des Winters wird schon dünner, doch um die Vorteile eines Allradautos zu demonstrieren, reicht die Schneedecke noch dicke. Volkswagen präsentiert derzeit im Bayerischen Wald den neuen Passat 4-Motion plus einen frischen V6-Motor für den Bestseller.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Beim Passat hat VW einen flotten Rhythmus angeschlagen. Im vergangenen Frühling debütierte zunächst die Limousine, ein paar Monate darauf folgte das Kombimodell Variant, und nun steht bereits die nächste Erweiterung der Mittelklasse-Baureihe an. Noch im Februar wird das 4-Motion genannte Allradmodell bei den deutschen Händlern stehen. Die Wolfsburger bieten den Allradantrieb für insgesamt drei Motorvarianten an: den 2-Liter-TDI (140 PS), den 2-Liter-FSI (150 PS) und für das nagelneue 3,2-Liter-V6-FSI-Aggregat (250 PS), das übrigens nur in Verbindung mit Allradantrieb und dem Doppelkupplungsgetriebe DSG zu haben ist.

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VW Passat V6: Zampano aus Wolfsburg

Mit diesem Auto, dem 3.2 FSI 4-Motion, beschäftigten wir uns auf einer knapp 300 Kilometer langen Schleife durch den Bayerischen Wald. Dort sind die Straßen in diesen Tagen von fast hüfthohen Schneewänden gesäumt, in schattigen Abschnitten glänzt der Asphalt dunkel und eisig, Nebenstrecken tragen eine noch fast komplett geschlossene Schneedecke. Ideales Terrain also, um zu erfahren, was der neue Allradantrieb kann. Neu übrigens ist nicht das System mit der Haldexkupplung an sich, sondern neu ist nur sein Einsatz in der Passat-Familie. Die vorherigen Modelle traten noch mit Allradtechnik im Zeichen des Torsendifferenzials an.

In der Theorie funktioniert 4-Motion so: Auf trockenen Straßen mit gutem Grip gelangen 90 Prozent des Drehmoments an die Vorderachse, der Rest nach hinten. Sobald die Sensoren Unterschiede zwischen den Raddrehzahlen an Bug und Heck registrieren, treten Pumpen in Aktion, die den Druck ausüben auf die in einem Ölbad laufenden Lamellen der Haldexkupplung. Als Folge wird mehr Kraft an die Hinterräder übertragen - wenn es sein muss bis zu 100 Prozent der Motorkraft. Zusätzlich ist die Allradsteuerung mit den anderen elektronischen Fahrhilfen wie ABS, Anti-Schlupf-Regelung, Differenzialsperre und ESP vernetzt.

Praktisch spürbar ist dies bei den oben beschriebenen Straßenverhältnissen nur insofern, als dass der Passat völlig unproblematisch auch über die vermeintlich rutschigen Stellen hinwegrollt, als seit gerade erst das Streufahrzeug vorbeigekommen. Richtig aufregend ist das nicht, weshalb VW auf einer tief verschneiten Wiese bei St. Englmar einen "Dynamik-Parcours" zurechtgewalzt hat, auf dem der Allradler zeigen darf, was er drauf hat.

Hersteller:VW
Typ:Passat V6 4-Motion
Karosserie:Limousine
Motor:V6-Benzin-Direkteinspritzer
Hubraum:3.189 ccm
Leistung PS:250 PS
Leistung kW:184 kW
Drehmoment:320 Nm
Von 0 auf 100:6,9 Sek.
Höchstgeschw.:246 km/h
Verbrauch (ECE):9,8 Liter
CO2-Ausstoß:232 g/km
Kraftstoff:Superbenzin
Kofferraum:541 Liter
Versicherung (HP):19 €
Versicherung (TK):24 €
Versicherung (VK):23 €
Preis:34.860 €

Schon nach ein paar engen Kurven durch einen mit rot-weißen Hütchen markierten Slalom wird klar, dass es für das Beibehalten der Spur von beträchtlichem Vorteil ist, wenn die Kraft auf alle vier Räder verteilt wird. Das gilt erst recht für eine Bergauf-Passage durch von der Sonne aufgeweichten, mehr als knöcheltiefen Schnee, durch den sich das Auto zwar langsam und schlingernd, aber eben auch zäh und stetig nach oben wühlt. Für einen Passat mit Frontantrieb wäre hier der Traktionstest zu Ende.

Das Weiterkommen auch auf glitschigem Belag hat seinen Preis. Das günstigste Allradmodell, die Passat Limousine mit dem 2-Liter-FSI-Motor, kostet 27.525 Euro - das sind 1725 Euro mehr als das Pendant mit Vorderradantrieb. Beim TDI-Modell ist der Preisunterschied exakt gleich, allerdings kostet das günstigste Allradmodell mit Selbstzünder ab 27.750 Euro. Und der Einstieg in die V6-Allradwelt der Passat-Baureihe beginnt bei 34.860 Euro. Die entsprechenden Kombi-Modelle namens Variant sind noch einmal mindestens 1100 Euro teurer.

Dazu kommen noch die höheren Spritkosten, denn der Allradantrieb mag mehr Sicherheit und bei hurtiger Gangart auch mehr Dynamik bieten - er erhöht dabei auf jeden Fall den Verbrauch. Für das V6-Topmodell gibt VW einen Durchschnittsverbrauch von 9,8 Liter an, doch wir wagen die Prognose, dass sich dieser Wagen im Alltagsbetrieb nie unter 10 Litern bewegen lässt. Der Bordcomputer unseres Testmodells meldete am Ende 11,2 Liter, was ein ziemlich happiger Wert ist. Andererseits: Wer in der Mittelklasse unbedingt mit sechs Zylindern und 250 PS vorfahren möchte, muss eben zahlen.

Insgesamt jedenfalls scheint VW mit dem Passat exakt die Bedürfnisse der deutschen Kundschaft in diesem Segment zufrieden zu stellen, denn der Wagen schob sich im vergangenen Jahr auf Anhieb auf den Spitzenplatz in der Mittelklasse-Zulassungsstatistik des Kraftfahrt Bundesamtes. Insgesamt 98.136 VW Passat wurden im vergangenen Jahr zwischen Flensburg und Füssen neu zugelassen; die neuen Varianten werden diese Ziffer vermutlich noch erhöhen. Nicht mehr gesteigert wird in absehbarer Zeit die Motorleistung des Passat. Die 3,6-Liter-V6-Version mit 280 PS, die in den USA verkauft wird, sei definitiv nicht für den deutschen Markt vorgesehen, heißt es bei VW.