VW Passat Variant: Der Richtungsweiser - DER SPIEGEL
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VW Passat Variant Der Richtungsweiser

In der Mittelklasse dominiert der VW Passat das Zulassungsranking. Doch dieses Jahr enttäuschen die Zahlen bislang. Auch wenn manche schicke Extras für Glanz sorgen: Der versprochene Design-Ruck lässt auf sich warten - und die Konkurrenz wird stärker.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mit den ersten beiden Monaten dieses Jahres können die Wolfsburger mit Blick auf den Passat nicht zufrieden sein. Um 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sackten die Neuzulassungen hierzulande ab - auf insgesamt 14.633 Fahrzeuge. Und es könnte noch dramatischer werden für das Volkswagenmodell, das den Anspruch der Marke, bodenständiges Autofahren mit solider Technik und feiner Verarbeitung zu verbinden, derzeit am besten erfüllt: Denn mit der C-Klasse von Mercedes, dem Ford Mondeo, dem Renault Laguna und dem Audi A4 erhält der Passat in diesem Jahr starke Konkurrenz in seiner Klasse.

Doch in Wolfsburg herrscht Gelassenheit. "Wir erkennen einen deutlichen Silberstreif am Horizont", sagt VW-Sprecher Fred Bärbock, der die Absatzdelle zu Jahresbeginn mit der gestiegenen Mehrwertsteuer begründet. "Nun aber ziehen die Auftragseingänge wieder an", sagt er. Besondere Aktionen von Marketing oder Vertrieb seien bislang nicht geplant. Noch ist der Passat ja mit klarem Abstand Marktführer in der Mittelklasse. Zudem verkauft VW lediglich gut 30 Prozent der Passat-Modelle in Deutschland an Privatkunden, die überwiegende Mehrzahl der Autos wird von Großkunden, für Firmenflotten oder Mietwagenunternehmen bestellt. Und bei dieser Klientel spielen langfristige Geschäftsbeziehungen, spezielle Konditionen oder Serviceangebote eine erheblich größere Rolle als ein frisches Design oder eine flotte Ausstattungsvariante.

Das Kombimodell ist das beliebtere Modell

Wir waren mit dem Kombimodell Variant unterwegs, das hierzulande rund drei Viertel aller Passat-Verkäufe ausmacht. Unter der Haube des Testwagens steckte der Pumpe-Düse-Dieselmotor mit 170 PS Leistung, der serienmäßig mit einem Rußpartikelfilter bestückt ist. Diese Karosserie-Motor- Kombination ist ziemlich gelungen für Vielfahrer, denn das Auto eignet sich hervorragend zum Kilometerfressen auf der Autobahn. Der Motor bietet genügend Reserven, brabbelt im sechsten Gang bei zügiger Reisegeschwindigkeit kaum hörbar vor sich hin und kommt mit zirka 7,2 Liter Kraftstoff je 100 Kilometer aus. Dies jedenfalls meldete der Bordcomputer nach einer längeren Tour. Angenehm aufgefallen sind darüber hinaus das Handling des Wagens, das Gefühl beim Lenken, das sauber bedienbare Schaltgetriebe und die hübsch gestalteten Bedienelemente auf der Armaturentafel.

Es ist in diesem Auto generell der Drang von VW erkennbar, die Qualitätsanmutung auf ein höheres Niveau zu bringen. Die Gestaltung der Armaturentafel, die Einpassung der Blenden, die Abdeckung der Ablage in der Mittelkonsole, die schlaue Mechanik der Getränkehalter, die kleinen Schubladen neben dem Warnblinklichtschalter und die angenehm gestalteten Oberflächen sind für sich genommen hübsche Details und ergeben in Summe einen Eindruck, der auf Sorgfalt und Genauigkeit schließen lässt. Der Passat strahlt, wenn man erstmals drinnen sitzt, Solidität aus.

Ein Ruck in der VW-Formensprache

Äußerlich gelingt das nicht ganz so gut, denn dazu wirkt das Auto zu gewöhnlich. Zwar glänzt der so genannte Wappengrill in Chrom, was durchaus auffällt, aber auch ein bisschen aufgesetzt und aufdringlich daherkommt. Für die Grafik der Rücklichter, das einzige besondere Element am Heck des Kombimodells, gilt das Gleiche. Man kann das Erscheinungsbild des Passats etwas aufpeppen, wenn man bereit ist, zum Beispiel in Chromleisten um die Seitenfenster (215 Euro Aufpreis), eine Dachreling (194 Euro), Metalliclack (523 Euro) oder Leichtmetallräder (ab 415 Euro) zu investieren.

"Dieses Auto ist mein Kind" und "der Passat soll der Formensprache von VW einen Ruck geben", sagte der damalige Designchef Murat Günak, von dem sich VW vor kurzem trennte, bei der Präsentation der Passat Limousine vor zwei Jahren. Ein wirklicher Design-Ruck ist allerdings nie bei den VW-Serienmodellen angekommen - allenfalls der buchstäblich ausgefeilte Kühlergrill prägt nun auch andere VW-Baureihen.

Dem frisch entbrannten Kampf um Kunden in der Mittelklasse sieht VW nicht tatenlos zu. Im Juni werden die Wolfsburger mit dem Passat "Blue Motion" ein besonders sparsames und CO2-reduziertes Modell (136 g/km) vorstellen, wenige Monate darauf allerdings wieder jegliche Vernunft fahren lassen und mit dem 300 PS starken Passat R 36 das extreme Topmodell der Baureihe vom Stapel lassen. Zug um Zug sollen dann auch TSI-Benzinmotoren und neue Commonrail-Diesel im Passat Einzug halten, ebenso wie etwa der kürzlich im Kompaktvan Touran vorgestellte Einparkassistent. Damit wäre der VW den Konkurrenten dann wieder um eine Parklücke voraus.