VW Polo: Wolfsburger Preis-"Polo-tik" - DER SPIEGEL
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VW Polo Wolfsburger Preis-"Polo-tik"

Der neue Polo ist da: größer, stärker und selbstverständlich in allem wieder ein wenig besser als das aktuelle Modell. Vor allem aber wird VWs neue Preispolitik den Wettbewerbern zu schaffen machen.
Von Frank Wald
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der neue Polo - ein kleiner Golf? "Widerspruch zwecklos", sagt VW-Sprecher Stephan Grühsem. Tatsächlich hat mit einer Länge von 3,90 Meter die vierte Generation des ursprünglichen Kleinwagens inzwischen das Format des Golf II erreicht und darf deshalb getrost als Kompaktwagen bezeichnet werden. Im Vergleich zum Vorgänger wurde der Wagen um 15,4 Zentimeter und der Radstand um 5,3 Zentimeter gestreckt. Ähnliches gilt für die Höhe (plus 4,7 Zentimeter) und die Breite (plus 1,8 Zentimeter). Mit den neuen Dimensionen gründet das Fahrzeug, so VW selbstbewusst, ein neues Segment: "die Polo-Klasse". Von der hat zwar außerhalb Wolfsburgs noch niemand etwas gehört, doch wen kümmert's. Fakt ist, dass der Neue Standards setzt, an denen seine Wettbewerber schwer zu knabbern haben werden.

Dazu zählen vor allem Preis und Unterhaltskosten. Der neue Polo wird in fast allen Motorversionen trotz verbesserter Serienausstattung um bis zu 1500 Mark unter dem der Vorgängermodelle angeboten. So kostet der neue Polo jetzt beispielsweise mit dem 55 kW (75 PS) starken 1,4-Liter-Benziner ab 24.447,87 Mark (12.500 Euro). Das aktuelle Modell steht noch ab 25 621 Mark in der Liste. Ähnliches gilt für den gleichstarken Polo TDI ab 27.234,93 Mark (13.925 Euro). Der Jetzige kostet 28.751 Mark. Nur die Basisversion mit 40 kW (55 PS) liegt mit 21.954,18 Mark (11.225 Euro) exakt auf dem Preis des Vorgängermodells mit 37 kW (50 PS). Dafür bekommt man aber hier, wie bei allen Modellen, mehr Auto für weniger Geld.

Servolenkung, Antiblockiersystem sowie ein neu entwickeltes Airbagsystem mit Front- und Seitenairbags sind jetzt ab Werk an Bord. Außerdem erfüllen alle Benzinmotoren die Abgasnorm EU4, die beiden TDI sind nach D4 genormt - macht einen Steuervorteil von 1200 Mark. Und auch die Versicherungsgesellschaften schätzen offenbar den neuen Polo. Als einziger Wagen im vergleichbaren Wettbewerb wurde er auf Anhieb in der niedrigsten Vollkasko-Klasse 10 eingestuft.

Hersteller:VW
Typ:Polo 1,2
Karosserie:Kleinwagen
Motor:Dreizylinder-Benziner
Hubraum:1.198 ccm
Leistung PS:64 PS
Leistung kW:47 kW
Drehmoment:112 Nm
Von 0 auf 100:14,9 Sek.
Höchstgeschw.:162 km/h
Verbrauch (ECE):5,9 Liter
CO2-Ausstoß:140 g/km
Kraftstoff:Super
Kofferraum:270 Liter
umgebaut:1.030 Liter
Versicherung (HP):13 €
Versicherung (TK):19 €
Versicherung (VK):10 €
Preis:11.950 €

Zum Verkaufsstart Mitte November wird VW den Polo zunächst mit zwei Benziner- und einem Dieselmotor anbieten. Neben dem bekannten 1,4-Liter-Vierzylinder mit 75 PS (55 kW) ist darunter auch ein neu entwickelter Dreizylinder mit 1,2 Liter Hubraum und 65 PS (47 kW), der durch seinen ruhigen Lauf überzeugt. Für Rüdiger Szengel, Leiter der VW-Ottomotorenentwiclung, ist das "Hightech-Aggregat" denn auch keine "billige Basismotorisierung unterhalb der Vierzylinder, sondern eine echte und vollwertige Alternative".

Komplettiert wird das Triebwerks-Trio von einem Dreizylinder-TDI-Motor mit 75 PS (55 kW), ein kleines munteres Motörchen, das dazu noch mit 4,5 Litern im Schnitt richtig sparsam ist. Der Turbodiesel schickt schon bei 2200 Touren 195 Newtonmeter an die Kurbelwelle. Damit bewältigt der Polo den Standardsprint aus dem Stand an die 100 km/h in 13,6 Sekunden und läuft 170 km/h Spitze - laut Werk. Praktisch gerät der Kleine in der Stadt schnell in die bußgeldgefährdeten Zone und auch die Tachonadel schwingt sich locker über die 180 km/h. Das Fahrwerk geht dabei jedes Tempo problemlos und komfortabel mit, unterstützt von einer sehr ausgewogenen Federung.

Ab Januar 2002 soll das Antriebsangebot um insgesamt fünf weitere Motoren ergänzt werden. Dazu zählt dann auch erstmals ein 1.9 TDI mit 74 kW/100 PS. Auf die gleiche Leistung kommt der stärkste Benziner. Abgerundet wird das Programm im kommenden Halbjahr, neben einem auf 40 kW/55 PS erstarkten 1,2-Liter-Basismotor, durch den schon aus dem Lupo-Baureihe bekannten Benzindirekteinspritzer FSI mit 63 kW/85 PS. Ein GTI ist zunächst nicht vorgesehen. "Reinpassen würde aber theoretisch jeder unserer Motoren bis 225 PS", so VW-Entwicklungsvorstand Martin Winterkorn.

Beim Styling des jüngsten Spross der VW-Familie standen alle übrigen Mitglieder Pate: vier Rundscheinwerfer an der Frontpartie im Lupo-Stil, kreisförmige Streuscheiben der Rücklichter wie beim Passat und ein Heck, das ihn von hinten mit dem Golf verwechseln lässt. Beide Karosserievarianten, Drei- und Fünftürer, sind bis auf das dritte Mini-Fenster in der C-Säule beim Fünftürer nahezu identisch. Ausgezeichnete Bein- und Kopffreiheit vorne wie hinten bietet dank der gewachsenen Proportionen im Innenraum, der allerdings nach wie vor so sachlich und funktional daher kommt wie ein Formular vom Finanzamt. Das wirkt zwar nicht gerade modisch, aber ungemein seriös.

Beide Karosserievarianten sind mit den bekannten vier Ausstattungsversionen - Basis, Trendline, Comfortline, Highline - kombinierbar. Außerdem kann der Polo mit Automatikgetriebe bestellt werden. Neben den bereits erwähnten ABS, Servolenkung, Front- und Seitenairbags sind in allen Versionen ab Werk vier Kopfstützen, Wärmeschutzverglasung und Drehzahlmesser installiert. ESP und Bremsassistent sind in den beiden 74 kW/100 PS-Versionen Serie, bei allen nur anderen gegen 753 Mark (385 Euro) Aufpreis zu haben.