VW-Studie Microbus Bullis Enkel
Natürlich gibt es nach wie vor den ganz normalen VW-Bus. Doch vom Status eines Kultmobil ist das aktuelle Modell ungefähr genauso weit entfernt wie Daimler-Chrysler-Aktionäre von satten Gewinnen.
Um das zu ändern, wurde im kalifornischen Designstudio Simi Valley der Wolfsburger eine Autostudie auf die Räder gestellt, die an die Zeiten erinnern soll, als Blumenkinder ihre Bullis mit bunten Blüten bemalten und zum Trip um die Welt starteten. Die Studie Microbus "definiert diesen Kult neu als zeitgemäßen Ausdruck von Persönlichkeit und Freiheit", lässt VW in trockenstem Buchhalterdeutsch verlauten.
Warum die Wolfsburger ihr Erbe so nüchtern ausschlachten, hat mit der Erfahrung zu tun, die bei dem Projekt New Beetle gewonnen wurde. Anders als die etwas plump geratene Käfer-Kopie sollte der Microbus nicht einfach ein Abklatsch des Bullis werden, sondern "als Hommage an eine große Historie visionär eigenständige Wege aufzeigen". Ob er jemals gebaut wird, ist derzeit nach VW-Angaben noch völlig offen.
Der 4,72 Meter lange Microbus entspricht in etwa den Dimensionen des aktuellen VW-Busses T4. Das Karosseriedesign ist jedoch völlig anders: Unter der Motorhaube in T-Form mit dem wulstigen Logo sitzt ein 3,2-Liter-V6-Motor mit 231 PS (170 kW). Flankiert wird die "Nase" von flachen und sehr breiten Doppelxenon-Scheinwerfern. Die Silhouette des Microbus wird von einer scheinbar durchgehenden Scheibenfläche geprägt; sogar vor der A-Säule hat VW noch ein Glasdreieck untergebracht.
Auf beiden Fahrzeugseiten gibt es für die Passagiere im Fond jeweils eine Schiebetür, die sich elektrisch öffnet und schließt. Wie stets bei Studien, gönnen die Designer auch dem Microbus groß dimensionierte Räder: In diesem Fall handelt es sich um 20-Zoll-Rundlinge mit 245er-Reifen. Das Heck ist schlicht gehalten, das Auge bleibt einzig an den flachen Rücklichtern und dem abermals fetten VW-Logo in der Mitte der Heckklappe hängen. Von den Kult-Bullis hat das Konzeptauto die Zweifarb-Lackierung übernommen, allerdings nur ganz dezent in den Tönen "Elm Green" und "Elm Green Pearl".
Der Innenraum, so postuliert es VW, soll den Weg weisen in die Van-Zukunft. Er ist sehr hell gehalten, der Fahrzeugboden besteht aus halbtransparentem Urethane-Kunststoff, unter dem Aluminium durchschimmert. Im Cockpit dominiert die Kreisform, die Instrumente sind asymmetrisch angeordnet, statt eines herkömmlichen Schaltknüppels gibt es eine Art Joystick, mit dem die Fünfstufenautomatik mit Tiptronic-Funkion bedient wird. Es gibt drei Sitzreihen, die mit Nappaleder in "Cotton White" und "Elm Olive" bezogen sind. Die mittleren Einzelsitze können um 180 Grad gedreht werden.
Ideal wäre der Microbus im Stau. Dann kann der Wagen in ein Minikino verwandelt werden, denn es gibt einen Sieben-Zoll-Bildschirm im in der Mittelkonsole, vier große Monitore in den Lehnen der ersten und zweiten Sitzreihe sowie zwei ausfahrbare Displays zwischen der zweiten und dritten Sitzreihe. Ein zweiter 7-Zoll-Bildschirm dient der Sicht nach hinten; auf ihm sind die Aufnahmen der so genannten Backeye-Kamera zu sehen.
Technisch basiert der Microbus auf keinem aktuellen Volkswagen. Die Bodengruppe entspricht einer künftigen Fahrzeuggeneration. Neu ist auch der 320 Nm starke Motor. Nicht neu dagegen sind die nun einsetzenden Diskussionen, ob und wenn ja mit welchen Modifikationen die Studie dereinst als Serienauto vom Band laufen wird. Designer und Ingenieure haben ihre Jobs erledigt, jetzt sind die Marktforscher an der Reihe.