60 deutsche Autos: Der BMW M1 - DER SPIEGEL
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60 deutsche Autos Der BMW M1

Kantige Optik, kompromisslose Power und eine Höchstgeschwindigkeit, die nicht einmal der Porsche 911 Turbo erreichte: 1978 brachte BMW den M1 auf den Markt. Drei Jahre später, nach nur 454 Exemplaren, stellten die Bayern die Produktion ihres Supersportwagens wieder ein.
Von Lasse Hinrichs
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es war eine automobile Kühnheit, die BMW dem Publikum des Pariser Autosalons im Herbst 1978 zumutete. Der BMW M1 (intern E 26 genannt) besaß alle nennenswerten Eigenschaften eines Supersportwagens: Mit einer Höhe von lediglich 114 Zentimeter sagenhaft flach, dank 277 PS über die Maßen leistungsstark und aufgrund seiner keilförmigen Karosserie extrem aerodynamisch. Auch der Basispreis von 100.000 Mark trennte den M1 von schnöden Straßenrowdys. Stattdessen schrieb er Geschichte als erster deutscher Sportwagen im Lamborghini-Look.

BMW M1: Ein Keil im Lamborghini-Stil, der den Ruf der Motorsport-Sparte von BMW als Hersteller extremer Sportwagen begründete.

BMW M1: Ein Keil im Lamborghini-Stil, der den Ruf der Motorsport-Sparte von BMW als Hersteller extremer Sportwagen begründete.

Der M1 war das erste eigene Modell des firmeneigenen Werkstuners BMW Motorsport GmbH. Zunächst war "Das Geschoss", so der Titel eines Fahrberichts im Fachmagazin "auto motor und sport" aus dem Jahr 1978, als reiner Rennwagen konzipiert worden. Doch zusätzlich musste BMW auch eine Serienversion auflegen, weil die damaligen Rennsport-Reglements vorsahen, dass die auf der Strecke eingesetzen Fahrzeuge auch in einer gewissen Stückzahl im Normalbetrieb eingesetzt werden mussten.

Der straßentaugliche Zweisitzer, von dem 404 Exemplare entstanden, erreichte dank eines 3,5-Liter-Reihensechszylinder-Motors eine Spitzengeschwindigkeit von 262 km/h und absolvierte den Sprint von null auf 100 km/h in 5,6 Sekunden.

Kräftiger kamen die 50 Exemplare daher, die BMW für die Procar-Serie entwickelte, ein Rennen, in dem Formel-1-Fahrer gegen private Teams antraten. In der stärksten Variante rotierte ein Turbolader, der 850 PS aus dem Motor herauskitzelte. Solch brachiale Kraft schrie natürlich nach einem adäquaten Design.

Kalt, kantig und kompromisslos - so lässt sich die M1-Optik beschreiben. Eine erste Studie hatte BMW-Designer Paul Braq bereits 1972 angefertigt, Giorgio Giugiaro brachte sie dann in modifizierter Form zur Serienreife. Mit seinen versenkbaren Frontscheinwerfern, dem großen Lufteinlass auf der Motorhaube und den schwarzen Lamellen an Heck- und Seitenscheiben wurde der M1 zur Stil-Ikone und ist es unbestritten heute noch.

Zum seinem 30. Jubiläum erwiesen die Münchner ihrem einstigen Renommierprojekt deshalb die Reverenz und enthüllten beim Concorso d'Eleganza 2008 am Comer See den BMW M1 Hommage - eine zeitgemäße Neuinterpretation des Klassikers.

Ob die Studie den Weg in die Serienfertigung finden wird, ist jedoch fraglich. Schon das Original, auch "Bayern-Flunder" genannt, war nämlich bis zum Produktionsende 1981 ein Verlustgeschäft.