60 deutsche Autos Der Maybach
Maybach 62: Die lange Variante des Luxuswagens aus dem Hause Daimler. Die Sitze im Fond können in eine Liegeposition gebracht werden und bei Bedarf jagt der 2,8-Tonner in 5,4 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100
Foto: Tim_Brakemeier/ picture-alliance / dpa/dpawebGebaut wird das Auto in der Maybach Manufaktur in Sindelfingen, solvente Interessenten werden von einem sogenannten Personal Liaison Manager betreut, und sollte es mal ein Problem mit dem Auto geben, hilft ein Flying Doctor weiter. Kein Zweifel: Das Mutterhaus Mercedes ging das Projekt Maybach überaus gründlich an; sogar die Sprache wurde in Richtung Highend-Floskelei verformt. "Wie in der Vergangenheit wird der Name Maybach auch in Zukunft wieder der Inbegriff für höchste automobile Exklusivität und Eleganz sein", erklärte der damalige Mercedes-Vorstand Jürgen Hubbert.
Die Premiere geriet entsprechend großspurig. Das erste Auto wurde in einem gläsernen Container auf dem Sonnendeck der Queen Elizabeth 2 von Southampton nach New York überführt, dort unter anderem über die Wall Street chauffiert und dann an Irmgard Schmid-Maybach, die in San Francisco lebende Enkelin des Konstrukteurs und Marken-Urvaters Wilhelm Maybach übergeben. Fortan, so der Plan der Verantwortlichen, sollten jedes Jahr rund tausend Maybach-Modelle weltweit verkauft werden.
Dazu kam es bis heute nicht. Zwar werden die exakten Absatzzahlen des Luxusschlittens streng gehütet, doch fest steht, dass die angepeilte Stückzahl nie erreicht wurde. Bereits im ersten Jahr wurde die Prognose auf 800 Fahrzeuge reduziert - auch dieses Ziel wurde verfehlt. Die Konjunktur, die Konkurrenz durch Rolls-Royce und Bentley, die Positionierung - es lag wohl an Vielem, dass der Maybach bis heute nicht den Status erreicht hat, der ursprünglich mal angepeilt war.
Bei Bedarf gibt es auch Blattgold
Das Auto selbst jedenfalls bietet alles, was in dieser Liga erwartet wird. Der 5,5-Liter-V12-Motor leistet 550 PS, die Höchstgeschwindigkeit ist auf 250 km/h begrenzt, die Karosserie wird von einer elektronisch gesteuerten Luftfederung in der Schwebe gehalten und natürlich gibt es an Bord jedes erdenkliche Extra und gegen den entsprechenden Aufpreis auch Blattgoldauflagen oder andere Sperenzchen. Apropos Preis: Das 5,73 Meter lange, kleinere Modell Maybach 57 kostete anfangs 310.000 Euro netto, der Maybach 62 (Länge 6,17 Meter) war ab 360.000 Euro netto zu haben.
Inzwischen wurde das Portfolio durch ein rasanteres S-Modell erweitert, ebenso um ein Landaulet, das auf Bestellung gefertigt wird. Und eine Sonderserie namens Zeppelin gibt es auch. Was es noch nicht gibt, ist ein konkretes Zukunftsszenario für die Marke. Dabei hat Maybach in seinem zweiten Autoleben erst sieben Jahre hinter sich.