Autobahnraststätten: Essen auf Rädern - DER SPIEGEL
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Autobahnraststätten Essen auf Rädern

Foto: Jens Tanz
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Was tun, wenn auf Autoreisen der Hunger kommt? Entlang des Weges gibt es viele Möglichkeiten der Nahrungsaufnahme - aber eine ist unattraktiver als die andere, findet unser Autor Jens Tanz.

Auf längeren Touren muss man als Autofahrer auch mal die Gliedmaßen strecken und den Kreislauf beleben. Klassisch geschieht dies schon aus Zeitmangel - nach dem Tanken - im oft unweit der Zapfsäule befindlichen Restaurant. Spätestens mit Betreten der Raststätte fühle ich mich a) wie im Urlaub, b) fern der Heimat und c) wie in einer Zeitblase.

Denn es gibt sie noch diese Rastplatzfutterkrippen, an denen es scheint, als sei die Zeit stehen geblieben. Draußen riecht es nach Benzin und Urin, drinnen nach Bohnerwachs und uralten Süßigkeiten. Hinter einem echtholzfurnierten Tresen braten Rentner mit Kochmütze Pommes, Nürnberger und Frikadellen. Mit einem Klatsch Sauerkraut werden die mir von einer Kassiererin auf einen Teller mit Blümchendekor befördert. Zusammen mit einer Spezi kostet das dann so rund 14 Euro. Gegessen wird am Tisch aus Kirschholz, gesessen auf Stuhlkissen in neonblauem Neunzigerjahre-Design, modern war das direkt nach der Wende. Es schmeckt irgendwie nicht gut, ist aber schön heiß. Irgendwo dudelt ein mechanischer Spielautomat. Vor 20 Jahren hätten hier noch alle im Zigarettenrauch getafelt. Gestärkt fahre ich weiter.

Auto-Blog "Fahrtenbuch"
Foto: Joy Kroeger

Wir bewegen Autos und das bewegt uns. Unser Leben auf Rädern ist eine Aneinanderreihung von Erlebnissen, viele nichtig, andere wichtig und erzählenswert. Jens Tanz haben diese besonderen Momente im Mobil schon immer so fasziniert wie die Autos selbst. Von seinen liebsten Episoden, seinen Beobachtungen des Autoalltags erzählt Tanz in diesem Blog.

Der Triple-Alles-Extrakäse-Barbecue-Burger

Gegen Abend, ich bin fast da, treibt mich mein Hunger erneut an eine Raststätte. Ich folge dem gelben M, die auf Flamme gegrillten Burger oder frittierte Hähnchenschenkel haben klare Vorteile. Fastfood - wie der Name schon sagt - ist schnell zubereitet, schmeckt in jedem Land gleich und ist meistens billig. Das war's dann aber auch schon. Urlaubsgefühle oder Reiselust weckt das nicht, die Läden gibt's schließlich überall. Im Drive-in müsste ich mein Auto gar nicht erst verlassen und würde rosten statt rasten. Außerdem kleckern die viel zu großen Triple-Alles-Extrakäse-Barbecue-Burger immer auf die Sitze. Beides doof, also gehe ich hinein. Im Inneren der Bude toben bunte Kinder, die sich mit Plastikschrott aus dem Happy Meal bewerfen. Ich bin selbst nach drei Burgern mit Pommes und Cola irgendwie unbefriedigt und muss dann auch noch quer durch einen angrenzenden Frikadellen-Rasthof zur überteuerten Toilette laufen. Drei Ausfahrten später bekomme ich irgendwie Bock auf eine Bratwurst und habe stechenden Durst. Ach manno.

Während des Rückwegs am kommenden Tag will ich weder Zeitblase noch Fastfood. Da lobe ich mir die ordinäre Markentankstelle mit dem "Bistrorant", was auch immer das ist. Hier gibt es einen XXL-Kaffee und ein frisch belegtes Baguette (zum Beispiel mit Frikadellen und Kraut) im Gegenwert einer Pauschalreise in die Schweiz. Mayonnaisetriefend und lecker. Auf der warmen Motorhaube meines Autos hält der Kaffee noch lange Zeit seine Temperatur, und ich kann nach ein paar Dehnübungen das fleischige Brötchen mümmeln. Draußen in der Sonne, wo der Verkehr vorbeibrandet wie das Meer und es wieder nach Urlaub riecht. Nach Benzin, Urin und ein bisschen nach glutheißem Vinyldach. Ich glaube, so mag ich es am liebsten.

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