Aggressivität im Straßenverkehr Denkzettel für Drängler
Drängler auf der Autobahn
Foto: Marcus Führer/ picture alliance / dpaAuf jeder längeren Autofahrt gibt es mindestens einen, der es wesentlich eiliger hat als man selbst. Das ist an sich nicht verwerflich - doch irgendwann nervt es.
Spätestens dann, wenn derjenige seine Scheinwerfer voll aufblendet und seinen Wagen dabei fast in meinem Kofferraum parkt, habe ich etwas dagegen. Erst recht auf der Landstraße. Besonders unfair ist, dass ich den Dränglern nicht meine Meinung dazu sagen kann (eine gewisse Spezies lässt sich meiner Meinung nach ohnehin nicht belehren).
Wir bewegen Autos und das bewegt uns. Unser Leben auf Rädern ist eine Aneinanderreihung von Erlebnissen, viele nichtig, andere wichtig und erzählenswert. Jens Tanz haben diese besonderen Momente im Mobil schon immer so fasziniert wie die Autos selbst. Von seinen liebsten Episoden, seinen Beobachtungen des Autoalltags erzählt Tanz in diesem Blog.
Natürlich fahren wir alle mal schnell, und natürlich sind wir alle nicht ganz sündenfrei. Aber wie erkläre ich diesem Typ Menschen in seinem Mittelklassekombi, dass es mich nervös macht, wenn er rund zwei Meter hinter mir seinen Christbaum aufblendet? Wo soll ich denn hin? Es geht nun mal nur mit Tempo 80 voran, wenn ich am Ende einer langen Schlange von Autos dahinrolle, die alle mehr oder weniger geduldig einem dicken Lkw folgen. Der Drängler will partout vorbei. Meine Theorie: Irgendwann werde ich die Chance bekommen, den Lastwagen zu überholen. Und wenn nicht, komme ich eben ein bisschen zu spät. Seine Theorie? Keine Ahnung.
Nicht immer bekommen Drängler einen Denkzettel
In was für Dimensionen mögen diese nervösen Autofahrer denken? Denken sie überhaupt? Meistens läuft es so: Irgendwann fährt der Drängler noch dichter auf, beginnt zu hupen. Dann schert er aus, um sich wild gestikulierend wieder einzufädeln. Offenbar hat er errechnet, dass er am Gegenverkehr zerschellen wird. Dann folgt der zweite Versuch: Er will vorbei an mindestens drei Autos - wieder im Angesicht des dichten morgendlichen Gegenverkehrs. Andere Fahrer müssen bremsen. Der überholende "Freund" schert vorn in die Schlange ein, obwohl da gar keine Lücke ist. Hinter ihm muss die Schlange hart in die Eisen treten. Anschließend geht das Manöver von vorn los: Der Typ schert auf die Gegenfahrbahn aus, reiht sich zwei Autos weiter wieder ein.
Nicht immer bekommen Drängler einen Denkzettel für ihr sinnloses Verhalten. Neulich hat es einen erwischt. Als die dichtbefahrenen Landstraße, auf der ich unterwegs war, endlich in eine mehrspurige Autobahn mündete, stand da der Mittelklassekombi, der mich zuvor mit seinen Überholmanövern genervt hat auf dem Seitenstreifen. Warnblinker an, vor ihm und hinter ihm ein Streifenwagen. Es ist nicht meine Aufgabe, andere Autofahrer zu erziehen. Und es soll eigentlich jeder machen, wie er will. Aber nicht unter der Gefährdung des Lebens anderer. Gerechtigkeit finde ich gut. Der Tag ging schöner weiter, als er angefangen hatte.